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Mit Wolfgang Thiem & Anastasija Sevastova: ATC gründet neues Leistungszentrum für den Spitzensport

Das selbsternannte Austrian Tennis Comittee (ATC) hat am Mittwoch einen wichtigen Schritt unternommen, um ein neues Tennis-Leistungszentrum im Osten Österreichs aufzubauen. Damit vollzieht die Personengruppe um Präsidentin Barbara Muhr und Sportdirektor Wolfgang Thiem einen Bruch mit dem Österreichischen Tennisverband, der in der Südstadt schon sein eigenes Leistungszentrum betreibt.

von Lukas Zahrer
zuletzt bearbeitet: 20.05.2020, 20:03 Uhr

Das ATC wurde als gemeinnütziger Verein gegründet, weiß Sponsoren aus der Lebensmittel- und Finanzbranche hinter sich und soll in Zukunft die Struktur für ein neues Leistungszentrum bieten. Dieses wird zunächst auf der Anlage von „better tennis“ in Alterlaa im 23. Wiener Gemeindebezirk seine Arbeit aufnehmen und soll in einem nächsten Schritt auf einen weiteren Standort in Traiskirchen (Niederösterreich) erweitert werden.

„Wir haben etwas angeboten, das wurde vom Verband aber nicht angenommen“, erklärte Wolfgang Thiem die Beweggründe für den Alleingang. Das Komitee hätte die Arbeit im Verband „gerne“ aufgenommen, es sei aber schwierig gewesen, sich gegen die ÖTV-Funktionäre durchzusetzen.

Der Anspruch sei nichts geringeres als „das Top-Ausbildungszentrum in Österreich“ zu stellen. „Ich gehe ganz klar in eine Konkurrenz zur Südstadt. Ich stelle den Anspruch, dass wir die besten Jugendlichen hierher bekommen“, sagte Thiem.

Austrian Tennis Comittee: „Qualität wird sich durchsetzen“

Spieler würden im ATC-Leistungszentrum „nur besser“ werden. „Wenn Spieler in der Südstadt trainieren und von ihren Förderungen leben, wird keiner gut. Ich freue mich nicht, wenn die Südstadt jetzt zugrunde geht. Aber der Sport lebt von der Konkurrenz. Es gibt jetzt zwei Einrichtungen, die Jugendliche ausbilden. Am Ende wird sich Qualität durchsetzen“, zeigte sich Thiem selbstsicher.

In Traiskirchen sollen drei Hallen-Hartplätze errichtet werden, eventuell soll ein weiterer im Freien hinzukommen. Außerdem ist ein kleines Fitnesscenter in Planung. So können sich in einer ersten Phase eine Gruppe von fünf bis sechs Trainer - darunter Riccardo Bellotti, Pascal Brunner und Julian Knowle - um bis zu 20 Spielerinnen und Spieler kümmern. 

Für die erste Phase steht dem ATC vorerst eine sechsstellige Summe als Startkapital zur Verfügung, wie Präsidentin Muhr anmerkte. Finanziert wird das ATC durch Mitgliedsbeiträge von Mäzenen und zusätzlichen Sponsoren.

Frauentennis: Anastasija Sevastova als "Schirmherrin"

Eine besonderer Fokus soll im Leistungszentrum die Förderung des Frauentennis spielen. „Da sind wir relativ schwach aufgestellt. Es ist einfach eine Schande, dass in Österreich bei den Damen keine unter den ersten 100 ist. Das ist eine Frechheit, kann ich aber auch nicht schönreden“, sprach Thiem Klartext. 

Für den weiblichen Nachwuchsbereich wurde mit Anastasija Sevastova eine aktive WTA-Profispielerin engagiert. Die gebürtige Lettin trainiert und lebt seit vielen Jahren in Österreich und steigt damit als aktuelle Nummer 43 der Welt ins Trainerinnengeschäft ein. Gemeinsam mit ihrem Coach und Lebenspartner Ronny Schmidt sollen Mädchen bei Turnierreisen unterstützt werden. Muhr über Sevastova: „Wir sind stolz, dass sie an Board ist.“

„Wir erwarten uns von der Mitarbeit von Anastasija einiges“, pflichtete Thiem bei. „Das ist mir ganz wichtig, weil ich möchte auch die Mädels gut versorgt wissen. Wenn man jemanden hat, der selbst aktiv in der Weltspitze spielt, gibt es keine bessere Möglichkeit. Wir wollen die besten Mädels herbringen.“

Thiem ging aber noch einen Schritt weiter: "Aber auch bei den Burschen schaut es nicht rosig aus. Dominic überdeckt vieles, Dennis ist in den Top-100, aber dahinter haben wir nicht viele gute Spieler.“

„Da stimmt ja etwas nicht“, meinte Muhr mit dem Hinweis darauf, das Österreich in den vergangenen Jahren kaum SpielerInnen in den JuniorInnen-Wettbewerben bei Grand Sams stellte. „Wir sind total umkompliziert, brauchen keine stundenlangen Sitzungen, bei denen nichts rauskommt. Jeder hat seine Kompetenz. Der Wolfgang ist das Beste, was dem österreichischen Tennis passieren kann“, fuhr die langjährige Funktionärin im Steirischen Landesverband fort.

Zielsetzung: Nationale Meister, europäische Klasse

Die unbürokratische Struktur strich auch Thiem hervor. „Wir wollen Jugendlichen, die es sich nicht leisten können, eine Top-Ausbildung bieten“, fasste es der 47-Jährige zusammen.

Die Zielsetzung ist hoch. Zunächst sollen regelmäßig österreichische Staatsmeister in sämtlichen Altersklassen aus dem ATC kommen. In einem weiteren Schritt soll es zumindest bei den männlichen Talenten Erfolge auf europäischer Ebene geben. Junge Frauen würden in der Regel schneller auf ITF-Niveau wechseln und dort reüssieren. 

„Ich stelle den Anspruch an uns, dass wir bei jedem Grand Slam eine Frau und einen Mann aus unseren Reihen im Hauptfeld stellen“, sagte Thiem. „Wenn man gute Voraussetzungen schafft, mit guten Trainingsbedingungen, dann schafft man etwas. Der Sport ist da nicht unfair. 

Auf Anfrage von tennisnet reagierte ein Vertreter aus dem ÖTV gelassen auf die Gründung des ATC. Grundsätzlich sei man in der Vergangenheit durchaus an einer Zusammenarbeit mit Wolfgang Thiem und Co. interessiert gewesen. Es sei schade, dass die Verhandlungen und Gespräche medial aufgeheizt dargestellt wurden. Der ÖTV werde allerdings auch in Zukunft gute Projekte umsetzen, das Hauptaugenmerk liegt dort in der Grundausbildung von Kindern bis 14 Jahren in den Landesverbänden.

Austrian Tennis Comittee: Die Mitglieder

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von Lukas Zahrer

Mittwoch
20.05.2020, 20:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 20.05.2020, 20:03 Uhr