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Andy Murray in den Geschichtsbüchern – „Delpo“ in den Herzen der Fans

Andy Murray schrieb mit seinem zweiten Olympia-Gold in Folge Geschichte. Der Sieger der Herzen war aber Finalgegner Juan Martin del Potro.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 15.08.2016, 09:09 Uhr

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - AUGUST 14: (L-R) Silver medalist Juan Martin Del Potro of Argentina and gold medalist Andy Murray of Great Britain look on during the medal ceremony for the men's singles on Day 9 of the Rio 2016 Olympic Games at the Olympic...

Andy Murraywar schlichtweg überfragt. Nach dem Gewinn seines historischen zweiten Olympia-Golds in Rio wollte jemand wissen, wie er seiner sechsmonatigen Tochter Sophia Olivia denn später einmal Daddys brasilianische Heldentaten vor Augen führen werde. Wimbledonsieger Murray überlegtenach dem 7:5, 4:6, 6:2, 7:5 in einem denkwürdigen Finale gegen Juan Martin del Potro (Argentinien)lange, dann hatte sich der schottische Weltranglisten-Zweite entschieden: „Ich werde es ihr auf Video zeigen. Aber nur, wenn sie es auch sehen will“, meinte Murray, dem allerdings schon Übles schwant: „Oft ist es ja so, dass Kinder nicht den eigenen Vater toll finden, sondern sich für andere Spieler interessieren.“

„Ich habe so etwas noch nie erlebt”

Wäre Sophia Olivia schon alt genug, könnte spätestens seit dem olympischen Endspiel Juan Martin del Potro ganz oben auf der Liste der kleinen Murray stehen. Denn während ihr Vater mit seinem zweiten Einzel-Gold in Serie bislang Unerreichtes schaffte, durfte sich „Delpo“ als Sieger der Herzen fühlen. Sein Silber jedenfalls schimmerte golden. „Die Anfeuerung der Fans hat mir Beine gemacht. Die Atmosphäre war traumhaft. Ich habe so etwas noch nie erlebt“, schwärmte der ehemalige US-Open-Sieger von der Stimmung auf dem Centre Court, die an ein emotionales Fußballspiel erinnerte.

Zwei etwas zu wilde „Gaucho“-Fans mussten im letzten Spiel der Partie sogar von Sicherheitskräften abgeführt werden. Bezeichnend die Szene nach der Siegerehrung: Zunächst winkte Murray mit der „Union-Jack“-Flagge über den Schultern ins Publikum, ehe nach seinem Abgang der gefühlte Held der Nacht unter dem tosenden Applaus der Zuschauer und „Delpo“-Sprechgesängen erneut die Bühne betrat. Die Rivalität zwischen Argentiniern und Brasilianern? Längst zertrümmert von den brachialen Vorhandschlägen des 1,98-m-Hünen mit dem großen Kämpferherz. Del Potro weinte vor Rührung, als er über die magischen Tage am Zuckerhut sprach. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich hier so weit komme. Ich dachte beim Blick auf die Auslosung eher, dass es ein kurzes Turnier für mich wird“, sagte der Weltranglisten-141.,der in der ersten Runde Branchenführer Novak Djokovic (Serbien) ausgeschaltet hatte.

„I am number Juan”

Auch Murray war voll des Lobes über die Turnierüberraschung. „Das Finale war eines meiner härtesten Matches, die ich auf dem Weg zu einem großen Titel spielen musste“, gestand der dreimalige Grand-Slam-Champion. Ein Lob für del Potro, die ehemalige Nummer vier der Welt, die nach drei Handgelenk-Operationen seit 2013 und Depressionen weit im ATP-Ranking zurückgefallen ist. Juan Monaco sagte einmal über seinen Davis-Cup-Kollegen: „Sein Problem ist nicht irgendeine Verletzung, sondern der Kopf.“ In Wimbledon hatte der „Turm von Tandil“ erst im Juni sein Grand-Slam-Debüt nach zweieinhalbjähriger Pause gefeiert.

„Juan kann wieder in die Top Ten kommen“, prophezeite Murray nun, der nach dem Matchball auf seiner Bank hemmungslos geheult hatte. „Dieser Erfolg bedeutet mir sehr viel, weil mir Olympia sehr viel bedeutet“, sagte der 29-Jährige. Erst nach 4:02 Stunden hatte er del Potro in einer elektrisierenden Partie endlich geschlagen. Und die Briten feierten Murray, den britischen Fahnenträger. „I am number Juan“, titelte The Sun. Das Wortspiel sollte soviel heißen wie: „Ich bin die Nummer eins.“ Derzeit sicher auch noch für das kleine Töchterchen Sophia Olivia.

Hier die Herren-Ergebnisse vom olympischen Tennisturnier in Rio de Janeiro:Herren-Einzel,Herren-Doppel.

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Montag
15.08.2016, 09:09 Uhr