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„Es ist eine Schande“ – Frankreichs Olympia-Debakel wirft Fragen auf

Keine Medaille für die französische Tennis-Équipe in Rio de Janeiro. Teamchef Arnaud di Pasquale sieht die Gründe außerhalb des Platzes.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 15.08.2016, 14:29 Uhr

Caroline Garcia, Kristina Mladenovic, Gael Monfils

Vor vier Jahren durfte sich die stolze Tennisnation Frankreich immerhin noch über zwei Olympia-Medaillen freuen. In London war die „Grande Nation“ vor allem im Doppel erfolgreich – Silber ging damals an Michael Llodra undJo-Wilfried Tsonga, Bronze sicherten sich Julien Benneteau undRichard Gasquet. Die hoch eingeschätzten französischen Herren sollten auch in Rio für einen warmen Medaillenregen sorgen, was blieb, war maßlose Enttäuschung. Bereits in der ersten Runde scheiterte die topgesetzte PaarungPierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahutebenso wie das viertgereihte Gespann Monfils/Tsonga. Das Erstrunden-Aus der an Position zwei gelisteten DamenpaarungGarcia/Mladenovicsorgte ebenfalls für Missstimmung. Auch im Mixed wurden Frankreich gute Chancen auf Edelmetall eingeräumt. Doch für die aussichtsreichen Doppel Garcia/Mahut (1) und Mladenovic/Herbert (2) endete der Traum vom olympischen Podest schon nach der Auftaktpartie.

Die Gründe für die Tristesse verortete Arnaud di Pasquale vornehmlich neben dem Platz. So sollen sich vor allem die Spieler fragen, warum es zu keiner einzigen Medaille gereicht hätte, sagte der technische Direktor des französischen Tennis-Teams der „L'Equipe“: „Wir hatten mehr Dinge außerhalb des Platzes zu regulieren als auf dem Feld. Es ist eine Schande – die Probleme mit Benoit (Paire) und Kristina (Mladenovic) führten zu einer sehr angespannten Atmosphäre.“Benoit Pairewar wegen der „Missachtung von Regeln“aus Frankreichs Olympia-Team verbanntworden und hatte den Verband anschließend als „nutzlos“ bezeichnet. Nachdem esWirrwarr um das Teamdressgegeben hatte, giftete auch Kristina Mladenovic gegen die französische Tennis-Föderation. Diese Geschehnisse wollte di Pasquale nicht als Ausrede gelten lassen, der negative Einfluss auf die Leistung sei aber dennoch nicht von der Hand zu weisen.

„Wir sind gescheitert“ – di Pasquale sieht die Profis in der Verantwortung

Selbstkritik müsse jetzt an erster Stelle stehen, unterstrich der Bronzemedaillengewinner von Sydney: „Als Tennisprofi musst du in der Lage sein, dich an die Bedingungen anzupassen und auch mal deine Gewohnheiten für zehn Tage abzulegen.“ Der französische Verband habe alles getan, um den Athleten bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen. „Die Umgebung war in keiner Weise beunruhigend“, sagte di Pasquale zur Dauerkritik am Olympischen Dorf. Was bleibt, ist Ernüchterung: „Wir hatten große Ambitionen und sind gescheitert, das ist alles andere als gut.“ Spätestens beim Davis-Cup-Halbfinale in Kroatien (16.-18. September) haben Frankreichs Herren die Chance, verlorenen Kredit zurückzugewinnen.Die französische Damen-Équipe spielt im November gegen Vorjahressieger Tschechien um den ersten Fed-Cup-Titel seit 2003. Dann will sich Tennis-Frankreich wieder von seiner besten Seite zeigen.

von tennisnet.com

Montag
15.08.2016, 14:29 Uhr