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Für die deutschen Herren steht Olympia unter keinem guten Stern

Mit dem Aus von Philipp Kohlschreiber erhöht sich die Anzahl der Verletzten bereits auf vier Olympioniken.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 08.08.2016, 14:38 Uhr

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - AUGUST 07: Dustin Brown of Germany receives treatment after injuring his ankle before retiring from the match during his match against Thomaz Bellucci of Brazil in their first round match on Day 2 of the Rio 2016 Olympic Gam...

Philipp Kohlschreiberträumte insgeheim von süßen Medaillen-Momenten am Zuckerhut. Doch das Olympia-Abenteuer endete für den Davis-Cup-Spieler mit dem vorzeitigen Kofferpacken im Athletendorf von Rio. „Das alles ist sehr traurig und schwer zu verarbeiten”, sagte Kohlschreiber, der noch am Montagabend Ortszeit die Heimreise antrat. Tristesse und Frust statt Samba de Janeiro. „Die Ärzte gehen von einer vier- bis achtwöchigen Pause aus. Ich hoffe jetzt, dass mich meine Familie aufbaut. Länger hierzubleiben war keine Option”, meinte der Augsburger und sprach von einer „gefährlichen Verletzung” und „einem schwierigen Moment in seiner Karriere”.

Die Blessur von Kohlschreiber sorgte für Katzenjammer im Lager der deutschen Tennisprofis. „Aus gesundheitlicher Sicht steht Olympia für uns bislang unter keinem guten Stern”, sagte DTB-Vizepräsident und Rio-Teamchef Dirk Hordorff dem SID.Am Sonntag hatte sich Dustin Brown (Winsen/Aller) in seinem Auftaktmatch einen doppelten Bänderriss zugezogen und musste unter Tränen aufgeben.Neben Kohlschreiber hatten von sieben gestarteten DTB-Profis lediglich Angelique Kerber und Laura Siegemund ihre Auftakthürden im Einzel gemeistert. Beide spielen am Montag um den Sprung ins Achtelfinale.

Verzicht auf Eröffnungs-Gala nicht belohnt

Dort wollte Kohlschreiber bei seiner Olympia-Premiere auch hin. Unbedingt. Nun steht der 32-Jährige vor ungewissen Monaten und kann die Teilnahme an den US Open in New York (29. August bis 11. September) ziemlich sicher abhaken. „Ich hoffe, dass ich zum Ende der Saison noch ein paar Turniere spielen kann. Diese Verletzung ist Neuland für mich, man muss sehen, wie sich alles entwickelt”, sagte Kohlschreiber, der am Montag sein Zweitrundenspiel gegen den Slowaken Andrej Martin bestreiten sollte.

Die deutsche Nummer zwei war sich sehr wohl bewusst, dass die Chancen auf eine Überraschungs-Medaille gar nicht schlecht standen. Nicht zuletzt, weil zehn Spieler aus den Top 20 ihre Teilnahme an den Sommerspielen abgesagt hatten. Doch bereits in der ersten Runde verschlimmerten sich seine Beschwerden im Sprunggelenk. Seit dem Turnier in Hamburg Mitte Juli hatte Kohlschreiber Probleme mit dem Sprunggelenk gehabt. „Ich habe danach in Sachen Reha alles versucht, um für Olympia fit zu sein”, berichtete er.

Unvorteilhafte Turnier-Planung?

Kohlschreiber ist bereits der vierte deutsche Tennisprofi, der für die Spiele in Rio ausfällt. Philipp Petzschner (Bayreuth) hatte seine Teilnahme wegen einer Infektion abgesagt. Anschließend zog auch HoffnungsträgerAlexander Zverev(Hamburg) wegen Erschöpfung zurück - und erntete dafür Kritik. „Man kann sich fragen, ob seine Turnierplanung so richtig war, alles hintereinander weg zu spielen”, sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard dem SID.

Kohlschreiber und Olympia - es ist eine unglückliche Kombination. 2012 hatte er seinen Verzicht auf die Teilnahme an den Spielen in London in einer verwackelten Videobotschaft zu erklären versucht. Spöttische Kommentare blieben nicht aus. Diesmal wollte Kohlschreiber den olympischen Geist genießen, sich eventuell noch Wettkämpfe im Turnen und in der Leichtathletik anschauen - aber vor allem: eine Medaille holen. Doch der süße Traum am Zuckerhut platzte jäh.

von tennisnet.com

Montag
08.08.2016, 14:38 Uhr