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Kritik nach Absagenflut – Novak Djokovic immun gegen Olympia-Allergie

Eine Absagenflut überschattet das olympische Tennisturnier der Männer.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 05.08.2016, 09:04 Uhr

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - AUGUST 04: Novak Djokovic of Serbia attends his Team for Rio 2016 Olympic Games welcome ceremony at the athletes village on August 4, 2016 in Rio de Janeiro, Brazil. (Photo by Pascal Le Segretain/Getty Images)

Novak Djokovicwar selbst ein wenig überrascht,als Michael Phelps am Zuckerhut zum fanatischen „Nole“-Fan avancierte.Der schwimmende Rekord-Olympiasieger aus den USA traf Djokovic in Rio zufällig auf der Straße und ließ seiner Freude über das erhaschte Selfie mit dem Tennis-Superstar freien Lauf. „Ich sagte mir, sag' ihm einfach mal Hallo. Novak ist ein supernetter Kerl - umgänglich, bodenständig“, schwärmte Phelps: „Es war einfach cool. Ich habe viele seiner Matches im TV gesehen.“

Volle Konzentration auf Gold

Ein weiteres Zusammentreffen zwischen dem Fahnenträger des amerikanischen Teams und Djokovic wird es zumindest im Olympischen Dorf nicht geben. Während der 18-malige Olympiasieger Phelps dort wohnt, zog der Serbe ein Quartier außerhalb des Schmelztiegels vor. „Ich will hier Gold gewinnen, meine Konzentration soll nicht leiden“, begründete Branchenführer Djokovic seine Entscheidung.

Etliche Experten glauben allerdings, dass den Bronze-Medaillengewinner von Peking 2008 selbst nächtliche Partys im Olympischen Dorf nicht davon abhalten könnten, locker ins olympische Finale zu spazieren. Zehn Profis aus den Top 20 der Weltrangliste gehen in Rio gar nicht erst an den Start. WährendRoger Federerund sein Schweizer LandsmannStan Wawrinkawegen Verletzungen fehlen, nannten unter anderemMilos Raonic(Kanada) undTomas Berdych(Tschechien) die Angst vor dem Zika-Virus als Absagegrund.

Lieber Los Cabos als Rio de Janeiro

Andere Spieler wieJohn Isner(USA),Dominic Thiem(Österreich) oderBernard Tomic(Australien) haben scheinbar eine Olympia-Allergie. Sie gehen lieber beim Turnier in Los Cabos (Mexiko) an den Start, Thiem musste nun jedoch verletzt passen. Als Belohnung winken anders als in Rio Punkte für das ATP-Ranking. Diese hatte es auch bei den vergangenen drei Sommerspielen gegeben. „Aber man spielt bei Olympia ja schließlich für die Ehre und das eigene Land“, begründete David Haggerty, Präsident des Tennis- Weltverbandes ITF, die Änderung.

Der Weltranglisten-17. Isner gab zu, nach seinem Olympia-Verzicht Drohbriefe von patriotischen Landsleuten erhalten zu haben. WimbledonsiegerAndy Murray,neben Djokovic der zweite Gold-Topfavorit, übte zumindest leise Kritik an den abwesenden Kollegen. „Es ist schade, dass sie nicht hier sind“, sagte der britische London-Gewinner von 2012 und wunderte sich: „Normalerweise spielen die meisten besser, wenn sie für ihr Land antreten.“

Bruno Soares, der Chefkritiker

Die topgesetzte Serena Williams, bereits mit vier Goldmedaillen (einmal Einzel, dreimal Doppel) dekoriert, ist längst mit dem Olympia-Virus infiziert. „Jeder von uns Tennisprofis träumt von Grand-Slam-Trophäen. Aber als ich dann diese Medaillen gewonnen habe, war das so ein wahnsinniges Gefühl“, sagte die 22-malige Grand-Slam-Siegerin. Und Williams gestand: „Ich konnte mich am Edelmetall mehr erfreuen, als an manch' einem Pokal.“

Unverständnis zeigte außerdem der brasilianische DoppelspezialistBruno Soares- gerade im Hinblick auf die Absagenflut wegen der Zika-Gefahr. „Wie viele Menschen sind an Zika gestorben? Wie viele Menschen sind in Folge von Terrorismus gestorben? Hat deshalb ein einziger Sportler seinen Spielkalender geändert?“, fragte der aktuelle Australian-Open-Champion Soares mit ironischem Unterton. Für Djokovic war ein Verzicht nie ein Thema. Zum Glück für das olympische Tennisturnier - und für Edelfan Phelps.

von tennisnet.com

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05.08.2016, 09:04 Uhr