Thomas Strengberger exklusiv – „Ich glaube, dass ihr wenige Limits gesetzt sind“

Der Coach der großen heimischen Zukunftshoffnung nach deren erstem internationalen Damen-Turniersieg im tennisnet.com-Interview.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 07.08.2016, 20:54 Uhr

Thomas Strengberger - Mira Antonitsch

Mit ihren erst 17 Jahren hatMira Antonitscham Samstag beim Ladies Future Vienna in Wienihren Premierensieg bei einem internationalen Damenturnier gefeiert. Für ihren langjährigen TrainerThomas Strengberger„eine Bestätigung für ihre Arbeit“, bei der sich die Tochter von Ex-Davis-Cup-Spieler und Kitzbühel-TurnierdirektorAlexander Antonitschaber auch hin und wieder selbst im Weg steht. Der Ex-Profi erzählt im Gespräch von den vielen erfreulichen und auch den weniger erfreulichen Seiten bei der täglichen Arbeit mit seinem so jungen Schützling – denn alles lief auf der Anlage des UTC La Ville nicht nach Plan – und spricht offen über die Aussichten von Mira Antonitsch. Thomas Strengberger im exklusiven tennisnet.com-Interview.

Mit 17 Jahren also der erste Titel bei einem ITF-Damenturnier… Thomas, wie stolz bist du nach dieser Woche auf Mira?

Grundsätzlich bin ich es eigentlich permanent. bin immer zufrieden, mit so einer Spielerin überhaupt arbeiten zu können. Es ist nicht so, dass das nur mit dem Turniersieg oder der Woche jetzt zusammenhängt. Ich Natürlich gibt es immer wieder Phasen und Situationen, wo wir nicht immer einer Meinung sind. Ich sehe es halt so, dass vordergründig noch meine Meinung die entscheidende ist.(lächelt)Aber grundsätzlich bin ich sehr dankbar, überhaupt so eine Spielerin zu haben, die so ambitioniert und so verbissen kämpft, arbeitet – und das macht natürlich dann auch Spaß, gar keine Frage. Der Erfolg jetzt ist eine Bestätigung für ihre Arbeit. Und das freut mich eigentlich für sie, dass sie dafür belohnt wird.

Hättest du diesen Turniersieg im Vorfeld erwartet?

Nein, erwartet definitiv nicht. Ich traue es ihr auf jeden Fall jede Woche auch zu, dass sie das zusammenbringen kann. Es ist immer eine Frage der Besetzung des Turniers, aber sie hat es spielerisch sicherlich drauf, auch immer wieder mal so ein Turnier zu gewinnen. Ich habe immer gesagt, das ist eine Frage der Zeit, bis das kommt. Bei der Österreich-Turnierserie habe ich es eigentlich erhofft, dass sie vielleicht sogar eines gewinnt.

„Dass sie eines gewinnen wird, früher oder später, habe ich mir schon erwartet.“
Thomas Strengberger hat nur der so frühe Premierenerfolg überrascht

Das ist ja ganz schön schnell gegangen.

Ja, und dass es jetzt schon eintritt bzw. schon so früh aufgeht, gleich jetzt beim ersten Turnier, damit habe ich sicherlich nicht gerechnet. Aber so wie gesagt: Dass sie eines gewinnen wird, früher oder später, habe ich mir schon erwartet. Entscheidend ist freilich bei ihrer Ranglisten-Situation, dass das jetzt noch öfters gelingt, weil man ja natürlich einen Schritt weiterkommen will.

Wo siehst du sie momentan im internationalen Vergleich? Sie wird nun in ihrem noch so jungen Alter erstmals bereits unter den besten 700 Damen der Welt aufscheinen.

Die Ranglisten-Position ist für mich insofern nicht das Wichtigste, weil es ein paar Jugendliche gibt, die teilweise sogar noch jünger als sie sind, die gar keine Damenturniere spielen. Und es gibt wiederum in der U18-Weltrangliste einige Spielerinnen, die zwar vor ihr gereiht sind, bei denen ich aber der Meinung bin, dass sie besser als diese spielen würde oder vor ihnen wäre, wenn sie dauerhaft Jugendturniere spielen würde. Also ist das im Vergleich, was die Ranglisten anbelangt, ganz schwer einzureihen. Spielerisch bin ich eigentlich recht zufrieden, wie sie aktuell spielt und wie überhaupt ihre Entwicklung voranschreitet. Alles andere muss man ohnehin abwarten.

Wo siehst du bei ihr den meisten Raum nach oben? Vor allem im Halbfeld war bei ihren Partien in Wien einiger zu erkennen.

Ich möchte jetzt gar nicht alles im Detail erzählen, aber du hast mit dieser Aussage sicher Recht – überhaupt beim Erkennen von solchen Bällen, wenn so kurze Bälle kommen. Ich persönlich bleibe bei einem: Einen Spielplan konsequenter und disziplinierter durchzuziehen, das sind für mich mal die springenden Punkte als nächste Schritte. Und so einen Spielplan hat sie ja auf jeden Fall oder kriegt ihn von mir, denn es ist ja nicht so, dass sie blank ins Match geschickt wird oder wir nicht etwas Bestimmtes trainieren würden. Ich kann jedenfalls viele Punkte aufzählen und da gibt es viele teils kleine Dinge, an denen man arbeiten muss, sodass ich sagen kann, dass uns sicher nicht fad wird. Aber eben eines nach dem anderen, und es ist wichtig, dass man auch die Geduld und die Moral hat, auch mal an einem nach dem anderen zu arbeiten und nicht ständig darüber zu klagen, was alles fehlt. Und auch daran sind wir am arbeiten.

„Sie muss lernen, sich richtig zu verhalten – auch im Sinne dessen, mit der Situation richtig umzugehen.“
Thomas Strengberger über Mira Antonitsch

Wo du das Thema Disziplin ansprichst: War diese etwa der Grund, warum dubei ihrem Halbfinale im österreichischen Duell mit Marlies Szupperdeinen Platz am Spielfeldrand bis zum dritten Satz verlassen hattest?

Letzten Endes: ja. Die Disziplin, die ich gerade jetzt angesprochen habe, war zwar eigentlich die Spieldisziplin. Bei ihrem Halbfinale war es aber auch allgemein von ihrem Benehmen her ein bisschen ein disziplinäres Problem – was ich noch weniger dulde. Aber da ist es jetzt nicht zwingend so, dass das immer ein Problem ist. Nur wenn es halt der Fall ist, bin ich sicherlich der Letzte, der das akzeptiert oder anstandslos so zur Kenntnis nimmt und zur Tagesordnung übergeht. Denn das darf einfach nicht sein. Da ist jetzt nicht das Gewinnen oder Verlieren das Hauptaugenmerk. Sie muss lernen, sich richtig zu verhalten – auch im Sinne dessen, mit der Situation richtig umzugehen. Weil sie es oft so sehr will, dass sie aus Ehrgeiz so nervös und angespannt wird, sodass sie dann oft die Kontrolle über die Situation verliert und gar nicht mehr weiß, was sie tut. Und das war in diesem Match der Fall.

Was hat dich konkret gestört?

Dass sie sich eigentlich mehr mit mir als mit dem Tennisspiel beschäftigt hat. Letzten Endes hat sie sich scheinbar verpflichtet gefühlt, mir Geschichten zu erzählen, die mich a.) nicht interessieren, b.), die sich auch nicht gehören. Weder lasse ich mir das gefallen, noch war ich der Ansicht, dass ich dann dort sitzen muss, um mir das anzuhören. Da ist es vielleicht besser, wenn ich sogar gehe und sie sich wieder aufs Spiel konzentriert.

Etwas, das ihr im Finale besser gelungen ist. Weitaus besser.

Definitiv. Das kann man aber auch auf das Match davor zurückführen. Denn natürlich war ihr bewusst, dass das nicht nochmal sein soll. Es wird wahrscheinlich auch wieder kommen. Ich bin jetzt nicht davon überzeugt, dass es deswegen abgestellt ist, für immer. Aber es ist ihr auf jeden Fall bewusst und sie weiß es ja auch im Nachhinein sofort. Es tut ihr auch furchtbar leid und ist ihr unangenehm. Nichtsdestotrotz: Ich verstehe es, aber ich kann es nicht akzeptieren.

Auf was für einem Weg siehst du Mira generell? Wie weit kann es deiner Meinung nach gehen? Oder ist das zu früh, um es abzuschätzen?

Also ich habe schon meine Meinung. Ich möchte sie aber nicht kundtun, um sie zu sehr unter Druck zu setzen, weil ich eigentlich große Stücke auf sie halte und glaube, dass da noch sehr viel möglich ist. Ich glaube auch, dass da wenige Limits gesetzt sind, wenn sie diese Sachen, die ich noch sehe, die ihr fehlen, erarbeitet.

Wovon wird es bei ihr vor allem abhängen?

Das wird halt auch wieder eine Frage der Zeit und der Arbeitsbereitschaft sein. Bei ihr wird’s vor allem daran aufgehängt sein, ob sie die Geduld dafür aufbringt – weil es ihr nie schnell genug gehen kann, und manche Sachen dauern halt ihre Zeit, bis man sie sich erarbeitet. Und ob sie das auch konsequent verfolgt und sich sagt, „Okay, ich habe die Geduld. Das habe ich noch nicht, aber ich schaffe es und ich werde es noch erreichen.“. Manchmal kann es ihr nicht schnell genug gehen, und dann ist sie sehr gefrustet, und das kann dann halt auch ein bisschen zu einer destruktiven Arbeitsweise führen.

Aber jedenfalls, wie man es auch als Zaungast mitbekommt: An Untermotivation scheitert es bei ihr sicher nicht.

Nein, keinesfalls. Ich bin auch dankbar für diese Situation. Es gibt manchmal halt andere Probleme, aber es gibt kein Motivationsproblem, nein.(lacht)

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

von tennisnet.com

Sonntag
07.08.2016, 20:54 Uhr