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Spanien lässt das Phänomen Rafael Nadal hochleben

Rafael Nadal schreibt Tennis-Geschichte, die Sportwelt verneigt sich. Und ein Ende dieser unglaublichen Rekordjagd ist noch nicht in Sicht.

von SID
zuletzt bearbeitet: 31.01.2022, 18:46 Uhr

Rafael Nadal - alleiniger Spitzenreiter in der Grand-Slam-Einzelsieg-Wertung
© Getty Images
Rafael Nadal - alleiniger Spitzenreiter in der Grand-Slam-Einzelsieg-Wertung

Mit ganz kleinen Augen begab sich der völlig erschöpfte Rafael Nadal nach einer schlaflosen Nacht auf seinen Triumphzug durch Melbourne. "Selbst jetzt bin ich noch körperlich vollkommen zerstört, ganz ehrlich", sagte der müde "Matador" am Montag beim offiziellen Fototermin mit dem silbernen Pokal vor dem Government House. Aber trotz aller Strapazen und Schmerzen kostete der nun alleinige Grand-Slam-Rekordchampion jeden Moment seines historischen Erfolgs bei den Australian Open aus.

In der Heimat überschlug sich die Presse derweil mit Lobeshymnen auf den "neuen Gott" des Tennis, "den Größten der Großen" - das spanische Königshaus ließ der 21-malige Major-Sieger sogar fast sprachlos zurück. "Rafa, uns gehen die Worte aus", schrieb die königliche Familie bei Twitter: "Es gibt keine Hindernisse für diejenigen, die keine Grenzen haben."

Tatsächlich hatte der 35-Jährige mit seinem epischen Comeback im Finalthriller gegen Daniil Medvedev die Grenzen des scheinbar Möglichen wieder einmal verschoben - auch wenn ihm dieses 5:24 Stunden lange Fünfsatz-Spektakel doch deutlich in den Knochen steckte. Erst um 5 Uhr morgens sei er vollkommen kaputt ins Hotel zurückgekehrt, Schlaf habe er nicht gefunden. 

Pau Gasol und Marc Marquez fiebern mit

"An viele Momente des Matches", erzählte Nadal, könne er sich sogar "überhaupt nicht erinnern". Eine Idee von seiner heroischen Leistung nach 0:2-Satzrückstand dürfte er aber bekommen haben, als die ganzen Huldigungen auf ihn einprasselten.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez bezeichnete Nadal nach dessen Meilenstein der Tennisgeschichte als den "Größten". Die im Grand-Slam-Ranking vorerst abgeschüttelten Roger Federer und Novak Djokovic (beide 20 Titel) hatten ihre Glückwünsche direkt nach dem Finale übermittelt, auch Ex-Basketballstar Pau Gasol oder Motorrad-Champion Marc Marquez fieberten begeistert mit. Für Badminton-Olympiasiegerin Carolina Marin komme Nadal "von einem anderen Stern".

Noch am 11. September hatte sich Nadal in den Sozialen Netzwerken auf Krücken mit dick bandagiertem, operiertem Fuß gezeigt. Sogar Gedanken ans Karriereende seien ihm während der schwierigen Rehabilitation gekommen, gestand er ein. Gut viereinhalb Monate später erklomm der Mallorquiner laut der Zeitung Sport nun den "Olymp des Sports, weit über das Tennis hinaus". Marca würdigte indes Nadals unbändige Willenskraft: "Wenn sie dir sagen, es ist unmöglich, dann denk' an Rafa."

Nadal selbst sprach angesichts seiner Verletzungshistorie nur vom "Glück, noch einmal etwas ganz Besonderes zu erreichen". Dabei muss der Melbourne-Triumph noch längst nicht die letzte Sternstunde gewesen sein. Schließlich eröffnet sich dem Sandplatzkönig im Mai die große Chance, mit einem 14. French-Open-Titel im ewigen Ranking weiter davonzuziehen.

Nadal - "Letztendlich ist es nur ein Spiel"

Denn während ein Comeback des 40-jährigen Federers nach einer dritten Knie-OP noch vollkommen ungewiss ist, steht auch hinter Djokovics Teilnahme an den kommenden Grand-Slam-Turnieren ein Fragezeichen, sollte dieser seine Impf-Ablehnung nicht ablegen. Nadal betonte aber, dass ihm die Debatte um den GOAT, den Größten aller Zeiten, ohnehin "ziemlich egal", sei. 

"Letztendlich ist es nur ein Spiel", sagte er, "und in mancher Hinsicht haben wir mehr erreicht, als wir uns als Kinder erträumt haben." Deshalb wollte Nadal auch keine Prognosen anstellen, wie lange er seinen geschundenen Körper noch zu Höchstleistungen treiben will. 

"Meine Leidenschaft und Liebe für das Spiel sind immer noch sehr groß, wie jeder sehen kann", sagte er: "Ich will einfach nur den Moment genießen, weitermachen und versuchen, diesen schönen Sport zu genießen." 

Und die Sportwelt genießt mit ihm.

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Montag
31.01.2022, 20:45 Uhr
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