tennisnet.com Kolumne

Vom Wert der olympischen Erfahrung

Manche Absagen bei Olympia werden in ein paar Jahren wohl bedauert werden.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 31.07.2016, 09:53 Uhr

LONDON, ENGLAND - AUGUST 05: Gold medalists Serena Williams of the United States and Venus Williams of the United States celebrate during the medal ceremony for the Women's Doubles Tennis on Day 9 of the London 2012 Olympic Games at the All England ...

Die Liste der Tennis-Absagen für die Olympischen Spiele ist in den letzten Tagen noch ein bisschen größer geworden. Aber in diesem Falle sollte man sich lieber am Positiven orientieren und daran erinnern, wer relativ selbstverständlich unterm Zuckerhut beim Kampf um Gold, Silber und Bronze dabei ist: Die beiden führenden Spieler der Branche,Novak DjokovicundSerena Williams. Bei den Damen alle fitten Weltklasse-Spielerinnen außer Simona Halep –Victoria Azarenkaund Belinda Bencic wären auch dabei gewesen, die Schwangerschaft bei Azarenka und eine Handgelenksverletzung bei Bencic verhinderten indes die Teilnahme. Nicht zu der Liste der Absagen gehört Maria Sharapova, sie ist schlicht und einfach gesperrt wegen Dopings.

Bereicherndes Erlebnis, unvergleichliche Erfahrung

Kommt man zu den Herren, kommt man zum einzig wirklich großen Namen, der schmerzlich vermisst wird. Das istRoger Federer, ein glühender Olympia-Fan, der in seinem 35. Lebensjahr alles daran setzte, noch einmal im Zeichen der Ringe an den Start zu gehen. Bedauerlich sind auch die Rückzüge vonMilos RaonicundDominic Thiem, vor allem, weil man vermuten darf, dass sie einmal im Blick zurück auf ihre Karriere diese Absage als Fehler betrachten könnten, als verpasste Chance, für einige Tage eine andere Sportwelt außerhalb des eingefahrenen Tour-Lebens kennenzulernen. Der Rest der Verzichtsmeldungen aus dem Herrenterrain hat mit Verletzungen, mangelnder Fitness und teils nicht näher bekannten Ursachen zu tun, wie „familiäre Gründe“ bei den Bryan-Brüdern. Der Tscheche Berdych reklamierte wie Raonic Sorgen um das Zika-Virus für seine Absage, ob man das nun verstehen kann oder für fadenscheinig hält, ist jedem selbst überlassen.

Ansonsten möchte man eigentlich nicht glauben, dass einige Profis wegen ein paar ATP-Punkten oder Preisgeldern den Start bei Allerweltsturnieren dem Mitwirken in Rio vorziehen. In diesem Zusammenhang fällt einem noch ein, wasBoris BeckerAnfang des Jahres in einem Interview zum Thema der Olympischen Spiele gesagt hat. Mit jedem Jahr Abstand werde für ihn die Goldmedaille in Barcelona –im Doppel mit Michael Stich– wertvoller und bedeutender. Wenn er seinen Kindern erzähle, dass er mal Gold gewonnen habe, steige er in deren Achtung, erzählte Becker, die Spiele würden insgesamt immer wichtiger, Tennis zeige sich schließlich in diesen olympischen Tagen auf einer absolut globalen Bühne. Und auch dies sagte Becker: Es habe ihn immer fasziniert, mit allen Stars aus allen Sportarten an einem Platz zu sein, mit den Basketballern, Handballern oder Turnern zu reden. Die meisten Profis werden genau das in den nächsten Tagen in Rio erleben, ein Turnier, das vielleicht auch außerhalb der gewohnten Komfortzone statfindet, unter schwierigen, herausfordernden Bedingungen. Aber gleichzeitig wird das alles ein bereicherndes Erlebnis sein, eine unvergleichliche Erfahrung – zusammen mit vielen Tausend anderen Athleten von allen Kontinenten.

von tennisnet.com

Sonntag
31.07.2016, 09:53 Uhr