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Chris Evert findet einen Makel an den 22 Slams von Steffi Graf

Die US-Amerikanerin behauptet, dass Monica Seles etwas an der Grand-Slam-Statik geändert hätte, wäre sie 1993 nicht niedergestochen worden.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 26.08.2016, 14:05 Uhr

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 12: Former professional tennis player Chris Evert hosts a private tennis clinic for Starwood Preferred Guest during the 2015 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 12, 2015 in the Flushing n...

Spannung pur: Bei den US Open geht es in den kommenden zwei Wochen nicht nur um dieWeltranglistenspitze bei den Damen, sondern auch um die Vormachtstellung in den Tennisgeschichtsbüchern. SollteSerena Williamszum siebten Mal in Flushing Meadows triumphieren, springt der Zähler auf 23 Grand-Slam-Titel im Einzel. Damit würde die Branchenführerin an Steffi Graf vorbeiziehen, die in ihrer außergewöhnlichen Karriere 22 „Majors“ anhäufte. LautChris Evertmüsste dies aber längst geschehen sein, wie die US-Tennislegende via Twitter deutlich machte. Der entscheidende Faktor in dieser Rechnung sei Monica Seles, „die mehr Slams gewonnen hätte, wäre sie damals nicht niedergestochen worden.“ Die 18-fache Grand-Slam-Siegerin wolle zwar Grafs Errungenschaften nicht schmälern, sagte damit aber indirekt, dass die Brühlerin ohne den Vorfall heute nur eine kleinere Titelsammlung vorweisen könnte.

Seles, die damals die unumstrittene Nummer eins der Welt war,wurde 1993 von Graf-Fanatiker Günter Parche mit einem 22-Zentimeter langen Küchenmesser in den Rücken gestochen. Der tragische Vorfall, der die Tenniswelt für immer verändern sollte, trug sich auf dem Center Court am Hamburger Rothenbaum zu. Die damals 19-Jährige hatte zuvor bereits acht Grand-Slam-Titel davongetragen und war auf dem Weg, eine neue Ära im Damentennis zu prägen. Doch daraus sollte nichts werden. Seles fand nie wieder zu alter Stärke zurück und gewann nach ihrer Rückkehr „nur“ noch einen „Major“-Titel bei den Australian Open 1996. Graf hingegen sammelte in Abwesenheit ihrer größten Rivalin sechs von neun Grand Slams und ließ fünf weitere folgen, als Seles wieder auf der Tour spielte.

Was wäre wenn?

Was wie ein Affront gegen Steffi Graf wirkt, ist unter objektiven Gesichtspunkten durchaus nachvollziehbar. Die Was-wäre-wenn-Fragen kann allerdings niemand beantworten, auch Seles nicht, die Jahre danach sagte: „Ich denke, die Schwierigkeiten haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich bin jetzt ein viel glücklicherer Mensch, als ich es vorher war.“ Eines gilt aber wohl dennoch: Die Grand-Slam-Rekordliste würde ohne das Attentat von Hamburg heute anders aussehen.

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26.08.2016, 14:05 Uhr