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Kerber-Gegnerin Karolina Pliskova – Die mit dem gewissen Extra-Plopp

Die Tschechin hat in Flushing Meadows ihren Runde-3-Fluch beendet. Gegen Angelique Kerber will sie gewinnen – wie schon vor zwei Wochen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 10.09.2016, 03:16 Uhr

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 05: Karolina Pliskova of the Czech Republic serves to Venus Williams of the United States during her fourth round Women's Singles match on Day Eight of the 2016 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on ...

„Clean.“ Klar. Deutlich. Sauber also.

Es ist einer der meistgebrauchten Begriffe, die im Zusammenhang mitKarolina Pliskovafallen. Und wenn schon der normale Klang, der entsteht, wenn ein Tennisprofi den Ball trifft, einen unverwechselbaren Sound hat – insbesondere im Vergleich mit dem Klang, den man auf der heimischen Clubanlage zugemutet bekommt –, so scheint immer noch ein etwas klareres„Plopp“ zu entstehen, wenn Karolina Pliskova die Kugel trifft. Ein cleaneres Plopp eben.

Karolina Pliskova und der Grand-Slam-Fluch

Man kann das logisch begründen: Pliskova spielt glatt, ohne zu viel Spin mitzugeben, und reduziert durch den horizontaleren Durchschwung auch das Risiko von Rahmentreffern (bei vermehrt Topspin hingegen wird der Ball verstärkt gebürstet, wodurch das typische Topspin-Geräusch entsteht; der Rahmen schwingt außerdem mehr von unten nach oben, der Sweetspot wird somit verkleinert, das Risiko von Rahmentreffern erhöht ).

Man kann es auch romantisch begründen: Pliskova spielt klassischeres Tennis. Umso bitterer anzuschauen war es, dass „Ballstrikerin“ Pliskova es ausgerechnet bei den Klassikern der Tour, den Grand-Slam-Turnieren also, nicht schon längst in die Schlussrunden geschafft hatte. 1, 1, 1, 1, 2, 1, 2, 2, 2, 3, 3, 2, 2, 1, 3, 1, 2 – so in Runden berechnet die bisher traurige Ausbeute ihrer Major-Teilnahmen seit 2012, trotz sechs Turniersiegen auf der WTA-Tour und einer Höchstplatzierung von Rang sieben der Welt. (Im Doppel ist Pliskova bei den Majors umso erfolgreicher – hier erreichte sie in diesem Jahr an der Seite von Julia Görges als Team #pliskoerges die Halbfinals in Melbourne und Wimbledon.)

Pliskovas Problem: Sie spielte oft unmittelbar vor Majors starkes Tennis (Siege in Prag 2014 und Nottingham 2015, Finalteilnahmen in Nürnberg 2014, Sydney, Birmingham und Stanford 2015, Eastbourne 2016), brach aber im Anschluss, bei den jeweils folgenden Grand Slams, ein.

Worauf es im Tennis ankommt

„Das Wichtigste für mich war, in die vierte Runde zu kommen“, erklärte Pliskova so auchnach ihrem Sieg gegen Serena Williamsdie Bedeutsamkeit des Überschreitens ihrer bislang magischen Runde-drei-Grenze. Speziell die letzten Wochen hätten ihr hierbei Auftrieb gegeben, „da habe ich gute Matches gewonnen, das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, und das ist es, worauf es im Tennis ankommt“, so die 24-Jährige. Vor allem im Damenbereich, wie Pliskova weiter ausführte. „Wenn du an dich selbst glaubst, kannst du jeden schlagen. Speziell bei den Mädels geht es nicht nur um ein Spiel, um Tennis, da geht es manchmal mehr um die mentalen Dinge.“

Im Match gegen die Noch-Weltranglisten-Erste Williams zeigte Pliskova genau diese Abgebrühtheit. Durchgang eins servierte sie ohne Breakball gegen sich mit 6:2 nach Hause, im zweiten Satz ließ sie sich auch von einem Rebreak zum 3:3 nicht aus der Ruhe bringen – ein Zeitpunkt, der normalerweise wie prädestiniert für einen Einbruch und ein Turbo-Ende zugunsten von Williams gewesen wäre. Auch das vergebene 3:0 im Tiebreak und der zwischenzeitliche 3:4-Rückstand – dank einer Vorhand-Peitsche in den Lauf von Williams statt ins offene Feld – hielten Pliskova diesmal nicht auf. Letztlich war es Williams, die das Match mit einem Doppelfehler abgab.

Mit Selbstvertrauen gegen Angelique Kerber

Im Finale gegenAngelique Kerberwill es die starke Aufschlägerin Pliskova am liebsten genauso machen wie vor zwei Wochen in Cincinnati, wo sie Kerber mit 6:3, 6:1 schlug und dieser die Chance auf die Nummer eins zunächst verbaute (mit ihrem Sieg gegen Williams hat sie ihr nun jedoch dazu verholfen). „Wir haben schon oft gegeneinander gespielt. Ich habe gegen sie verloren, ich habe gewonnen. Ich werde auf alles vorbereitet sein. Das ist ein Grand-Slam-Finale, da ist alles möglich. Auch Nerven auf beiden Seiten. Wir haben beide eine gute Chance zu gewinnen“, weiß die Tschechin, die gegen Kerber im direkten Vergleich mit 3:4 zurückliegt.

Wer im Endspiel freier aufspielen kann? Pliskova – nachdem sie ihren „Runde-drei-Fluch“ beendet hat und alles nun als Zugabe betrachten kann? Oder Kerber – dank des Vorteils, die große Bühne eines Major-Finals schon zwei Mal erlebt und das große Ziel der Weltranglistenführung erreicht zu haben? Das Finale der US Open wird vor allem für das ansprechende Duell zweier gegensätzlicher Spielertypen stehen: Auf der einen Seite die stabilste und defensiv stärkste Akteurin der Tour, die am Montag offiziell die weltbeste Tennisspielerin der Welt sein wird. Und auf der anderen Seite die Spielerin, die immer noch das besondere Extra-Plopp aus dem Tennisball herausholt.

von tennisnet.com

Samstag
10.09.2016, 03:16 Uhr