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Nick Kyrgios - Anpassen steht nicht auf dem Programm

Die „New York Times” widmet dem Australier eine ausführliche Reportage.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 28.08.2016, 00:53 Uhr

ATLANTA, GA - AUGUST 07: Nick Kyrgios of Australia serves to John Isner during the finals of the BB&T Atlanta Open at Atlantic Station on August 7, 2016 in Atlanta, Georgia. (Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

Wer den Tenniszirkus das gesamte Jahr über aus der europäischen Perspektive betrachtet, stellt sich spätestens vor den US Open die Frage, wen denn die Amerikaner dieser Tage mit größtem Interesse verfolgen. Außer den lokalen Heroen und den üblichen Verdächtigen, Attribute, die vor allemSerena Williamsauf sich vereint. Als Gradmesser könnte etwa die „New York Times“ herhalten, „All the news that's fit to print“ steht nach wie vor auf der Titelseite, und ja: Es gibt diese Zeitung tatsächlich auch noch im gedruckten Zustand, am Wochenende sogar mit einem Magazin versehen. Dessen Titelblatt in der aktuellen AusgabeNick Kyrgiosziert.

Autor Michael Steinberger hat sich dem Australier genähert - und bereits in seiner Einleitung die Kernaussage unter die Leser gebracht: „Nick Kyrgios könnte der aufregendste, ärgerlichste und unterhaltsamste Tennisprofi seit John McEnroe sein. Zu schade, dass er eigentlich lieber Basketball spielen würde.“ Nichts Neues für die aufmerksamen Beobachter des Tennisgeschäfts, die Affinität von Kyrgios zu den Boston Celtics ist wohl dokumentiert. Dennoch interessant zu lesen, zumal Steinberger sich mit der aktuellen Nummer 16 der Welt vor allem auch abseits der Turniere Zeit verbracht hat.

Fairness auf dem Platz

„Er ist ein Kassenmagnet“, wird Justin Gimelstob zitiert, ehemaliger Profi, der nun für den Tennis Channel arbeitet. Mittlerweile auch wegen der ersten Turnier-Erfolge auf der Tour, zuletzt in Atlanta holte sich Kyrgios seinen zweiten Titel. Mit erstaunlich wenig Aufwand, wenn man seinen Worten trauen darf. Auf die Frage, was er denn tun müsse, um irgendwann einmal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, erklärt der 21-Jährige lapidar: „Öfter als vier Mal in der Woche trainieren.“ Wenn er denn wirklich wollte, würde Nick Kyrgios dann aber tatsächlich zweimal am Tag zum Schläger greifen, stretchen, alles tun, was der Erfolg verlangt. Noch ist es aber offenbar nicht so weit.

Steinbergers Artikel trägt den Titel „The Misfit“, was man am besten einfach so stehen lässt. Kyrgios passt noch in kein Verhaltensmuster, wer ihn live auf dem Platz gesehen hat, wird ihn indes nicht anders als ausnehmend fairen Sportsmann beschreiben können, seinen Gegnern gegenüber (den Wawrinka-Vorfall nicht mit eingerechnet). Dass Kyrgios mit den Schiedsrichtern noch keine funktionierende Arbeitsbasis gefunden hat, ist allerdings auch Teil der Wahrheit. Ein großer Teil.

Betreuungsresistent

Der Ursprung von Nick Kyrgios' offensiver Spielanlage liegt im Übrigen in seiner Jugend: Als übergewichtiges Kind - er hätte zwar nicht ungesund, aber eben viel zu viel gegessen - musste er die Punkte kurz halten, früh auf den Schuss gehen. Das zumindest hat sich der Mann aus Canberra als Erwachsener bewahrt. Einen etatmäßigen Coach braucht Kyrgios dazu nicht, auch wenn Radek Stepanek seit ein paar Wochen eine Art Mentor für ihn gibt.

Pat Cash, Wimbledonsieger von 1987, kennt Kyrgios seit dessen Auftritten im Junior-Davis-Cup-Team der Australier. „Sein Arm war so schnell. Es war, als spielte er mit einem Zahnstocher.“ Für die unklare Betreuungssituation hat Cash eine einfache Erklärung: „Man muss gewillt sein, jemandem zuzuhören. Und man muss Respekt vor jemandem haben. Sein Verhalten gegenüber einigen Leuten zeigt, dass er in diesen beiden Dingen nicht besonders gut ist.“

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Sonntag
28.08.2016, 00:53 Uhr