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Zarte Annäherungen an den Eisernen Thron

Die Favoritinnen gehen unterschiedlich gelaunt in das letzte Grand-Slam-Turnier 2016.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 27.08.2016, 23:29 Uhr

NEW YORK, NY - AUGUST 26: Serena Williams of the United States hits the ball during a practice session prior to the start of the 2016 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on August 26, 2016 in the Queens borough of New York Ci...

Es wird gebeten, wenn möglich die mittleren Plätze freizulassen im neu gestalteten Interview Room 1 im Billie Jean King National Tennis Center. Der TV-Kameras wegen, der Blick auf die Protagonisten oben auf dem Podium soll rechtschaffen ungetrübt sein. Bei der offiziellen Auslosungszeremonie können diese Vorgaben nicht erfüllt werden, die Fragestunden mitAngelique KerberoderGarbine Muguruzaliefern indes Bilder, die man ansonsten aus bestenfalls mittelgut besuchten Vorlesungen in deutschen Universitätssälen kennt: das zentrale Mittelfeld extrem schütter besetzt, die Außenpositionen umso stärker.

Und also muss  sich die deutsche Nummer eins mit Aspirationen auf die Weltherrschaft Fragen von links und rechts erwehren, die sich bald auf exakt dieses Thema einpendeln: den Kampf um den eisernen Thron im Damentennis, den die RegentinSerena Williams, in erster Linie durch einen sparsamen Turnierkalender, halbherzig zur Disposition gestellt hat. Die Gemengelage im weiblichen Tableau ist so offen wie unklar, festzuhalten ist lediglich, dass die US-Amerikanerin ihr Trainingspensum in New York ähnlich lustbefreit abspult wie den obligatorischen Pressetermin.

Wo alles begann

Angelique Kerber führt indes routiniert aus, dass an Ort und Stelle vor exakt fünf Jahren eine Art Erweckungserlebnis der sportlichen Art stattgefunden hätte. Der Einzug in die Vorschlussrunde 2011 bildet den Grundstock der Legende, an der die Deutsche so intensiv weitergestrickt hat, dass die Vergleiche mit Tennis-Über-Mutter Steffi Graf nicht abzureißen drohen. Auch wenn sich die Australian-Open-Siegerin dieses Jahres seit damals mindestens ebenso weiterentwickelt hat wie die Vorzeige-Anlage des amerikanischen Tennisverbandes USTA.

Die Gefahr, dass Kerber wie weiland auf Court 17 Monica Niculescu bespielen muss, ist jedenfalls nicht besonders groß. Der Umstand, dass die gebürtige Bremerin vor Turnierbeginn in großer Runde die Weltpresse adressiert, legt davon Zeugnis ab. Interpretationsmäßig ist die Neugier auf den neuen Grandstand bei den meisten Top-Profis etwas stärker ausgeprägt als auf das Dach über dem Arthur Ashe Stadium. Dass Serena Williams sich dort zu irgendeinem Zeitpunkt quälen muss, ist indes eher unwahrscheinlich.

Keine Ambitionen auf die Titelverteidigung

Flavia Pennetta erlebt dies alles nur noch in der Zuschauerrolle. Und exakt gar nichts am Auftreten der Überraschungs-Siegerin von 2015 legt nahe, dass ihr diese nicht behagen würde. Pennetta tritt in Zivil auf, legt schon vor ihrem offiziellen Auftritt dar, dass es als Frau mit Familienambitionen eben nicht ewig weitergehen kann. Dass sie diese Ambitionen mit dem großartigen Fabio Fognini hegt, lässt Signora Pennetta nicht unerwähnt.

Wer sich am Wochenende also nicht für Aktivitäten am Rande des „Kids' Day“ einspannen hat lassen, der groovt sich langsam in der drückenden Schwüle von New York ein. Oder hält es wieAgnieszka Radwanska, die in New Haven ihre Außenseiterchancen auf das weibliche Tenniszepter ein wenig erhöht hat. Die beredte Polin fehlt dessentwegen im Presse-Marathon, die Veranstalter haben Olympiasiegerin Monica Puig als Ersatz besorgt. Die mittleren Plätze im Interview Room 1 sind bitte freizuhalten.

von tennisnet.com

Samstag
27.08.2016, 23:29 Uhr