Wie du in der schlägerfreien Zeit effektiv deine Spielintelligenz trainieren kannst

Der Tennissport macht Pause - auf allen Ebenen. Was aber nicht heißt, dass man nicht auch gerade jetzt an seinem Spiel feilen sollte. Gerade an der mentalen Komponente.

von Marco Kühn
zuletzt bearbeitet: 21.03.2020, 09:47 Uhr

Mitdenken, Männer und Frauen, mitdenken!
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Mitdenken, Männer und Frauen, mitdenken!

Welche Fähigkeit benötigst du, um in deinen Turnier-Matches den einen oder anderen Triumph mehr mit nach Hause zu bringen? Klar, du willst die zu kurzen Schläge deiner Kontrahenten gnadenlos mit deiner Vorhand-Peitsche bestrafen. Doch bevor du deine Vorhand in das hinterste Eck der Rückhand knallst, musst du dich auf den Punkt konzentrieren können.

Du musst deine Fähigkeit dich auf wichtige Spielsituationen konzentrieren zu können trainieren. Unsere digitale Welt ist dabei mehr dein Feind als dein Freund. In deiner Timeline bei Facebook schaust du nur kurz auf frische Beiträge. Dein Smartphone lenkt dich oft ab. Kurzum: Der Alltag erzieht dich dazu nur sehr kurze Konzentrationsphasen einlegen zu können.

Du kennst wahrscheinlich die äußerst spektakulären Highlight-Videos auf YouTube. Sicherlich sind diese unterhaltsam und schnell angeschaut. Du solltest aber bedenken, dass auch diese kurzen, meist nur drei Minuten langen Videos, deine Fähigkeit zur Konzentration stören. Derzeit hast du leider nicht die Möglichkeit auf den Tennisplatz zu gehen und ein paar Bälle zu schlagen. Du kannst dennoch deine Spielintelligenz und sogar ein Stück weit deine Konzentration trainieren. Wenn du dieses "Training" bewusst und regelmäßig in den nächsten Tagen und Wochen durchführst, dann wirst du in der Lage sein im Match Spielsituationen besser beurteilen zu können.


Nutze die Suchfunktion von YouTube richtig


Wir hatten gerade kurz die Highlight-Videos auf YouTube angesprochen. Diese ersetzen wir für dein Training durch Videos von ganzen Matches. Du hast dank unserer digitalen Welt die Möglichkeit dir komplette Matches anzuschauen. Tippe dafür ganz einfach in die YouTube-Suche den Namen deines Lieblingsspielers gefolgt von "Full Match". Du kannst natürlich gern auch ältere Topspieler nehmen.

Ein Beispiel für deine Eingabe in der YouTube-Suche: "Marcelo Rios Full Match". Du erhältst dann als erstes Suchergebnis das Match von Marcelo gegen Nicolas Escudé bei den Australia Open 1998. Achte einfach immer auf die Laufzeit des Videos und du wirst recht schnell erkennen, ob es sich auch wirklich um ein ganzes Match handelt. Sobald du dich reingeklickt hast lehnst du dich am besten auf deiner Couch zurück, machst dir einen Tee, schnappst dir eine Flasche Wasser und öffnest gleichzeitig eine Notizen-App auf deinem Smartphone.


Dein Training beginnt


Allein durch das aufmerksame Schauen des gesamten Matches schulst du deine Konzentrationsfähigkeit. Es ist wichtig, dass du das Match ohne Ablenkung guckst. Du kannst dir von den Profispielern vielleicht nicht unbedingt die Schlagtechnik abschauen. Allerdings hast du die einmalige Möglichkeit das taktische sowie mentale Verhalten der absoluten Topspieler zu lernen. Analysiere zunächst, wo du deine Schwachstellen siehst. Hast du vielleicht Probleme damit die zu kurzen Schläge deiner Gegner zu attackieren? Fällt es dir schwer in längeren Ballwechseln sicher und konstant zu spielen? Besteht dein Aufschlag aus zu wenig Variationen?

Du kannst all diese Bereiche (und selbstverständlich noch viele viele weitere) durch das aufmerksame Betrachten von gesamten Matches lernen und in deinem eigenen Spiel anwenden. Lass uns dies an einem simplen Beispiel durchgehen.

Jürgen schwingt seit sieben Jahren das Racket. Er kletterte in den letzten Jahren bis auf LK 16. Seine Strategie im Match ist simpel, aber effektiv: Jürgen geht über die Rückhand des Gegners und wartet ab bis diese zu kurz wird. Leider unterlaufen ihm dann bei der Attacke viele Fehler. An schwächeren Tagen fehlt Jürgen das Selbstvertrauen diese Bälle gewinnbringend im Feld des Gegners unterzubringen.

Also schaut sich Jürgen auf YouTube ein ganzes Match von seinem Idol Rafael Nadal an. Er legt sein Augenmerk dabei auf die taktische Finesse von Rafa und wie dieser es schafft den Gegner immer wieder auf der Rückhand festnzunageln, um den Punkt dann mit der mächtigen Vorhand abzuschließen. Jürgen stellt sich vor dem Beginn des Matches die folgenden Fragen:

1) Wie platziert Rafa seine Schläge auf der Rückhand des Gegners?
2) Wie bewegt sich Rafa auf die kürzeren Bälle des Gegner zu?
3) Auf welcher Höhe spielt er seine Vorhände? Wann trifft er den Ball?
4) Wohin platziert er seine Vorhände?

Jürgen setzt sich als Ziel diese Fragen nach dem Ende des Matches mit einfachen Notizen beantworten zu können. Durch das Formulieren der Aufgaben hat Jürgen seine Beobachtung für das Spiel geschärft und kann viel effektiver auf das taktische Verhalten von Rafa achten.

Dieses Prinzip des Lernen kannst du für verschiedene Bereiche deines Spiels anwenden. Wenn du nach der schlägerfreien Zeit mehr Serve and Volley spielen möchtest, dann analysiere auf ähnliche Art und Weise ein komplettes Spiel von Stefan Edberg. Solltest du deine Gegner in Zukunft mit Mondbällen in den reinen Wahnsinn treiben wollen, dann schau dir ein Match von Björn Borg in Paris an.

Empfehlung: Mache dir viele Notizen. Es ist immer besser wichtige Erkenntnisse direkt mitzuschreiben, damit du diese nicht innerhalb weniger Tage wieder vergisst.

Mehr von Marco Kühn gibt es auf www.tennis-insider.de.
 

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