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Angelique Kerber – „Ich will das noch einmal erleben“

Angelique Kerber reist mit Enttäuschung, Stolz und Genugtuung aus Wimbledon ab.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 10.07.2016, 07:44 Uhr

LONDON,ENGLAND,09.JUL.16 - TENNIS - WTA Tour, Wimbledon, Grand Slam, final. Image shows Angelique Kerber (GER). Keywords: trophy. Photo: GEPA pictures/ Alan Grieves

Frau Kerber, mit welchen Gefühlen verlassen sie Wimbledon?

Angelique Kerber: Natürlich mit Enttäuschung. Aber auch mit Stolz und Genugtuung. Ich habe bewiesen, dass es kein Zufall war, dass ich im Finale stand. Und ich spüre, dass ich noch mehr große Endspiele in mir drin habe.

Wimbledon war nicht immer gut zu Ihnen. Heute sind Sie mit Ovationen vom Centre Court verabschiedet worden?

Kerber: Ich hatte immer wieder schwere Phasen in Wimbledon in meiner Karriere. 2011, nach der Erstrunden-Niederlage, habe ich sogar alles in Frage gestellt. Deshalb ist es etwas ganz Besonderes, diesen Tag, dieses Spiel, diese Atmosphäre erlebt zu haben. Das werde ich nie vergessen, niemals.

Was nehmen Sie an sportlichen Erkenntnissen mit?

Kerber: Serena ist die Nummer eins in unserem Sport. Das hat sie heute auf dem Centre Court gezeigt, sie ist ein würdiger, verdienter Champion. Aber für mich ist wichtig zu wissen: Ich spiele in diesen außergewöhnlichen Momenten, in Finals, auch mein bestes Tennis. Das ist wichtig für das Ego, für die ganze Arbeit, die man auch im Verborgenen macht. Und natürlich sehen auch die anderen Spielerinnen, wie man in solchen Matches auftritt.

Wie frustrierend ist es, in diesem Aufschlaggewitter von Serena zu stehen?

Kerber: Das ist ihre stärkste Waffe, das muss man einfach akzeptieren. Du bekommst an ihren starken Tagen dann kaum Gelegenheiten. Darfst aber nicht die Hoffnung aufgeben. So habe ich auch gespielt. Abhaken, weitermachen, immer weiter.

Gefühlt hatten Sie sogar ein Heimspiel auf dem Centre Court.

Kerber: Es war emotional schon wichtig, diese Anfeuerung zu spüren. Diese Begeisterung bei guten Punkten von mir. Vielleicht haben viele gedacht, dass es ein einseitiges Endspiel wird. Aber ich habe dann einen guten, harten Kampf geliefert. Es war ein unvergessliches Erlebnis. Es ist Ansporn für die Zukunft. Motivation, das noch einmal zu erleben.

Sie haben in diesen beiden Wochen immer auch unter der Last gespielt, zu beweisen, dass der Melbourne-Sieg kein Zufallstreffer war.

Kerber: Ich muss eigentlich niemandem mehr etwas beweisen. Druck kommt von mir selbst, der Druck, in den wichtigsten Momenten das beste Tennis abzurufen. Konzentriert, aber nicht verbissen zu sein. Ich habe einen Grand-Slam-Titel, den mir keiner mehr nehmen kann.

Aber Sie hatten schon Probleme im allgemeinen Medienrummel nach den Australian Open, als neuer Grand-Slam-Champion in Deutschland auch.

Kerber: Klar, es gab diese Aufs und Abs. Das war wohl auch nicht überraschend, wenn man in eine solche Situation kommt. In eine völlig neue Situation. Aber ich weiß aus diesen Erfahrungen jetzt, wie ich das alles handhaben muss, um sehr gutes Tennis zu spielen. Wimbledon war da auch eine große, weitere wichtige Bestätigung.

Die Ziele gehen Ihnen auch in diesem Jahr nicht aus: Rio, US Open, dann noch die WM.

Kerber: Es wird noch viel Tennis gespielt, es gibt noch eine Menge zu gewinnen. Aber jetzt brauche ich erst Mal eine Pause. Das war schon eine intensive Zeit hier in Wimbledon, das hat Kraft gekostet.

Aufgezeichnet von Jörg Allmeroth.

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