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Barbara Rittner – „Das steht auf einer Stufe mit dem Melbourne-Sieg“

Die deutsche Fed-Cup-Chefin nimmt Stellung zum Finaleinzug in Wimbledon von Angelique Kerber.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 08.07.2016, 08:04 Uhr

Die deutsche Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner (43) hat die Karriere vonAngelique Kerberaus Nahdistanz miterlebt. Vor dem Wimbledon-Finale der 28-jährigen Kielerin gegenSerena Williamssprach Rittner über den Turnierverlauf, das Team um Kerber, die Monate nach dem Australian-Open-Triumph und die Endspielchancen.

Rittner über Kerbers Einzug ins Endspiel:

„Ich habe dieses Jahr eigentlich nicht damit gerechnet, obwohl ich mir immer sicher war, dass sie einmal in Wimbledon eine ganz große Chance bekommen wird. Aber nach dem Medienrummel der letzten Monate, dem schwierigen Zurechtfinden in der neuen Welt als Grand Slam-Champion, dachte ich nicht, dass die das jetzt und hier so auf den Punkt spielt. Mich hat vor allem beeindruckt, wie sie ihre vermeintliche Schwäche, den Aufschlag, zur stärksten Waffe gemacht hat. Spiele wie gegen Halep oder Venus Williams, im Viertel- und Halbfinale, hat sie früher auch mal liegen lassen. Man sieht, welche Riesenfortschritte sie gemacht hat.

Rittner über die Bedeutung des Finaleinzugs in dieser Saison:

„Für mich steht das schon jetzt auf einer Stufe mit dem Sieg in Melbourne. Diese Leistung hier bestätigt zu haben, davor ziehe ich den Hut. Es ist schlicht erstaunlich.“

Rittner über Kerbers Rolle als Nummer eins dieser deutschen Generation:

„Sie ist die konstanteste, härteste Arbeiterin von allen gewesen. Sie hat halt auch nicht diese Verletzungsdramen erlebt wie eine Andrea Petkovic und eine Sabine Lisicki. Es hat sich ausgezahlt, wie intensiv sie an ihrer Fitness gefeilt hat, sich auch diese Robustheit zugelegt hat, um eine lange, strapaziöse Saison durchzustehen. Und sie ist immer lernfähig geblieben, bereit, sich auch Kritik zu stellen. Mental hat sie eine große Balance gefunden: Es gibt keine ewigen Jubelarien nach den Siegen, auch keine tiefe Betrübnis nach Niederlagen. Sie hat akzeptiert, dass gewisse Schwankungen zum Geschäft gehören. Macht aber weiter, immer weiter.

Rittner über Kerbers familiäres Umfeld und das Trainerteam:

„Da gibt es eine große Portion Unaufgeregtheit, Normalität. Ihre Mutter ist jetzt gar nicht hier in Wimbledon gewesen. Die sagt sich: Die kommen gut miteinander klar bis jetzt, also bleibe ich daheim, lasse es laufen. Torben Beltz, ihr Coach, ist ein ganz wichtiger Faktor, er ist sachlich, bleibt ruhig in Sieg und Niederlage. Und kann bestimmte Launen Angies auch ausgleichen.

Rittner über die schwierige Zeit nach Kerbers Sieg in Melbourne:

„Es gab anfangs Probleme, das war auch ganz normal. Du kannst dich nicht darauf vorbereiten, was nach einem Grand-Slam-Titel passiert. Aber insgesamt ist, bei allem Auf und Ab, der Level ihres prinzipiellen Selbstbewusstseins gewachsen. Sie hat die Situation, ein Grand-Slam-Champion zu sein, jetzt gut im Griff, auch weil sie jemand ist, der wirklich aus Erfahrungen lernt.

Rittner über die Außenwirkung von Kerbers Endspielteilnahme:

„Der Fußball stand ja lange total im Fokus, hat Aufmerksamkeit weggezogen. Aber viele sind vielleicht auch nicht mehr so überrascht, weil Angie eben schon mal bei einem Topturnier gesiegt hat. Wenn sie das Ding am Samstag gewinnt, wird es aber einen richtigen Knall geben. Und für sie selbst wäre es dann eine unheimliche Selbstbestätigung, ein weiterer Schub. Eine große Anerkennung auch, nachdem sie lange Zeit schon im Schatten von Persönlichkeiten wie Petkovic oder Lisicki stand.

Rittner über Kerbers Chancen gegen Serena Williams:

„Die Art und Weise, wie sie gegen Venus gewonnen hat, war ein Ausrufezeichen. Im Finale ist alles drin, da kannst du abgeschossen werden. Aber auch ein ganz enges Match erkämpfen und erleben.“

von tennisnet.com

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08.07.2016, 08:04 Uhr