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Philipp Kohlschreiber als Zielscheibe übler Beschimpfungen

Die deutsche Nummer eins musste sich nach dem Erstrunden-Aus in Wimbledon üble Beleidigungen gefallen lassen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 28.06.2016, 07:14 Uhr

LONDON, ENGLAND - JUNE 27: Phillip Kohlschreiber of Germany reacts during the Men's Singles first round match against Pierre-Hugues Herbert of France on day one of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Cl...

Seit ein paar Monaten istPhilipp Kohlschreiberin den Weiten des Internets immer wieder die Zielscheibe übelster Beschimpfungen. Es sind offenbar Wettgruppierungen, manchmal aber auch einzelne Trolle, die der deutschen Nummer eins jede Niederlage krumm nehmen und die ihre flammende Wut unflätig loswerden müssen.Auch nach Kohlschreibers jäher Erstrunden-Niederlage in Wimbledon gegen den jungen Franzosen Pierre-Hugues Herbertdauerte es nicht lange, bis sich etwa auf Kohlschreibers Facebook-Seite der bizarre Shitstorm entfaltete: Als „Clownschreiber“ wurde der 32-jährige Bayer da gegeißelt, als „Gayschreiber“ beleidigt und schließlich auch noch als „Nazi“ tituliert. Und auch das war zu lesen im versammelten Hasskonzert auf Kohlschreiber: „Ich hoffe, du wirst so bald wie möglich sterben.“

Es waren die bitteren, schrecklich schiefen und schrillen Nebentöne eines Grand-Slam-Abschieds, der Kohlschreiber abseits der Trolltiraden schwer schmerzen musste. Denn ausgerechnet nach einem der besten Spielabschnitte seiner Karriere, einem Frühling und Sommer des puren Tennis-Vergnügens, kassierte der deutsche Frontmann im All England Club eine Erstrunden-Niederlage aus heiterem Himmel – gegen den alles andere als rasenaffinen Franzosen Pierre-Hugues Herbert (5:7, 3:6, 6:3, 3:6). „Ich bin enttäuscht. Auch wenn die Vorbereitung alles andere als optimal war, habe ich hier doch mehr erwartet“, sagte Kohlschreiber hinterher. Die Hüftverletzung, die ihn letztens in Halle zur Turnieraufgabe vor der Viertelfinalpartie gegen den österreichischen Shootingstar Dominic Thiem gezwungen hatte, wollte Kohlschreiber nicht als Ausflucht herbeizitieren: „Es war problematisch alles in den Tagen vor dem Turnierstart, aber das soll keine Entschuldigung sein.“

Die Suche nach der selbstbewussten Ausstrahlung

Dumm für Kohlschreiber, dass er ausgerechnet beim traditionellen Saisonhöhepunkt in Londons Südwesten Kontinuität aus den falschen Gründen bewies: Denn auch bei den Grand-Slam-Wettbewerben in Melbourne und Paris hatte er sich schon im Auftaktspiel gleich verabschieden müssen. „Auf Rasen klappt es mal, und mal klappt es nicht. Heute hat es nicht geklappt“, sagte der Augsburger später. Tatsache ist, dass der Davis-Cup-Führungsspieler mit dem schnöden Abschied von Wimbledon 2016 jene Kritikervortrefflich befeuerte, die ihm gerne, wenn auch nicht immer historisch präzise, vorwerfen, er zeige seine Talente nur bei kleineren Turnieren. Und nicht dort, wo es zählt, bei den vier Grand-Slam-Schauspielen.

Viel hatte der Kohlschreiber, der sich auf Platz 16 des All England Club redlich, aber vergeblich abmühte, nicht mit dem Mann gemein, der in München als Titel-Held gestrahlt hatte, der in Stuttgart auf Rasen auch in Endspiel eingezogen war – und der in Halle vor seiner Aufgabe immerhin noch einen Kontrahenten wie Ivo Karlovic, den Herrn der Asse, niedergerungen hatte. Physisch schien Kohlschreiber nicht ganz auf der Höhe, aber was ihm vielleicht noch mehr fehlte, waren die unbedingt selbstbewusste Ausstrahlung und die zuversichtliche Körpersprache. Nach 116 Minuten war auch schon alles vorbei für Kohlschreiber – und damit zunächst auch die Hoffnung, dass die deutsche Nummer eins dem deutschen Herrentennis beim wichtigsten Ortstermin des Jahres die dringend benötigten positiven Schlagzeilen verschaffen könnte. Nächstes großes Ziel für Kohlschreiber sind nun die Olympischen Spiele in Rio – dort wird er natürlich antreten, ganz anders, als von einem der Beschimpfer gefordert, der „Shitschreiber“ nahegelegt hatte: „Hör sofort mit dem Tennis auf!“

von tennisnet.com

Dienstag
28.06.2016, 07:14 Uhr