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Roger Federers plötzliche Chance auf den Titel

Der „Maestro“ ging mit vielen Fragezeichen ins Wimbledonturnier. Nun steht er im Viertelfinale mit der Aussicht auf noch mehr.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 04.07.2016, 17:40 Uhr

LONDON, ENGLAND - JULY 04: Roger Federer of Switzerland reacts during the Men's Singles fourth round match against Steve Johnson of The United States on day seven of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet ...

Von Jörg Allmeroth aus London

Im Garten seines angemieteten Wimbledon-Anwesens gibtRoger Federerin diesen Tagen gern mal den generösen Verlierer. Und zwar immer dann, wenn er mit seinen Kindern ein paar Bälle schlägt oder den Fußball kickt. An seinem Arbeitsplatz im All England Club scheint der siebenmalige Titelgewinner dagegen wieder als unerbittlicher Wettkämpfer auf, bei seinem 18.Start hintereinander erreichte der Maestro am Montag zum 14. Mal das Viertelfinale - eine historische Rekordmarke genau so wie der 306. Grand-Slam-Sieg überhaupt, den er mit dem 6:2, 6:3, 7:5 über den Amerikaner Steve Johnson festschrieb. Nur die legendäre Martina Navratilova hat genau so viele Erfolge erzielt, doch Federer, der aktive Profi, wird diesen Bestwert natürlich noch übertreffen in seiner Karriere. Vielleicht schon am Mittwoch, wenn er nun in einem prickelnden, reizvollen Viertelfinal-Duell auf Kroatiens AssMarin Cilictrifft. „Es wird die schwerste Aufgabe bisher“, sagte Federer, „aber das ist normal, wenn du in der Runde der letzten Acht stehst. Da musst du gegen Topleute dein bestes Tennis spielen.“

Mit dem Namen Cilic verbindet sich für Federer eine der unangenehmsten Erinnerungen seiner langen Karriere, die Erinnerung an das US Open-Halbfinale des Jahres 2014. „Das war eins der seltenen Matches, in denen ich keine wirkliche Siegchance hatte. Er hat mich regelrecht vom Platz gewischt in drei Sätzen, das war schon brutal“, sagte Federer. Cilic gilt für viele Fachleute in diesem unwägbaren Wimbledon-Jahr als potentiell schwerste Hürde für Federer beim zunächst erwünschten Finaleinzug, der aufschlagstarke Schützling von Goran Ivanisevic scheint pünktlich zum Saisonhöhepunkt in Bestform zu sein. Gegen den Japaner Kei Nishikori hatte er allerdings am Manic Monday, dem Achtelfinaltag bei Herren und Damen, eine Art Freilos erwischt: Bei einer 6:1, 5:1-Führung von Cilic gab der asiatische Superstar wegen einer Rippenverletzung auf. Cilic hatte auch in beiden letzten Turnierjahren jeweils das Viertelfinale erreicht, war aber jeweils an seinem Freund Novak Djokovic gescheitert – 2014 allerdings erst nach einem packenden Fünf-Satz-Duell.

Aufatmen nach Niederlage von Djokovic

Djokovics Aus in der dritten Runde des laufenden Grand Slam-Spektakels hat die zuletzt wie festbetonierte Hackordnung bei den Topturnieren auf einen Schlag verändert. Auch für Federer, der in den letzten beiden Jahren stets am dominierenden Serben hier in Wimbledon scheiterte: „Es gab schon ein gewisses Aufatmen nach dieser Niederlage bei allen“, sagte Federer, „jetzt kann vieles passieren.“ Gewänne Federer gegen Cilic (bisherige Bilanz 5:1 für den Schweizer), käme es im Halbfinale zu einem Duell entweder gegen den kanadischen HaudraufMilos Raonicoder gegen Djokovic-RausschmeißerSam Querrey.„Aber so weit nach vorne zu denken, verbietet sich absolut. Solche Gedankenspiele habe ich nie gemacht“, sagt Federer, „es wird erst mal schwer genug gegen Cilic.“

Allerdings tankte Federer beim Sieg gegen Johnson, dem vierten Centre-Court-Auftritt hintereinander, kräftig Treibstoff fürs eigene Ego auf. „Ich bin sehr zufrieden, wo ich stehe vor der entscheidenden Turnierphase“, sagte der 34-Jährige, der mit einem Ass nach 97 Minuten seinen vorzüglichen Arbeitseinsatz vollendete. 35 Gewinnschläge bei nur dreizehn leichten Fehlern illustrierten, wie ausdauernd stark der Maestro in seinem Centre Court-Paradies aufspielte. „Federer riecht seine große Chance, es in diesem Jahr noch einmal auf den Thron zu schaffen“, sagte Australiens Ex-Wimbledonsieger Pat Cash, „er ist wie auf einer Mission unterwegs.“

Hier die Ergebnisse aus Wimbledon:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation,Doppel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

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Montag
04.07.2016, 17:40 Uhr