Victoria Duval - „Ich wollte ein Loch graben und darin verschwinden”

Die Rückkehr nach Wimbledon ist der an Krebs erkrankten US-Amerikanerin emotional nicht leicht gefallen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 27.06.2016, 12:17 Uhr

LONDON, ENGLAND - JUNE 27: Victoria Duval of The United States plays a forehand shot during the Ladies Singles first round match against Daria Kasatkina of Russia on day one of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis ...

Daria Kasatkinasieht sich in nicht allzu ferner Zukunft an der Spitze des Damentennis. Das hat die Russin in diesem Frühjahr kundgetan, exakt 32 Spielerinnen sind noch vor der 19-Jährigen notiert, der Weg ist das Ziel. In ihrer Auftaktpartie in Wimbledon 2016 steht allerdings nicht Kasatkina im Mittelpunkt, sondern eine junge Frau, die in erster Linie froh ist, überhaupt noch Tennis spielen zu können:Victoria Duvalaus den USA.

Weit jenseits der 500 in der Weltrangliste platziert, versucht sich Duval, die vor exakt zwei Jahren von ihrer Krebserkrankung erfahren hatte, wieder auf der WTA-Tour einzufinden. Kein leichtes Unterfangen, bei aller Sympathie für die 20-Jährige aus Miami bekommt sie von den Gegnerinnen natürlich nichts geschenkt. Erst drei Mal hat man Duval in diesem Jahr auf der großen Bühne gesehen, zuletzt in der Qualifikation in Nottingham, wo sie an der Österreicherin Tamira Paszek gescheitert war.

Nervöser Start vor wohlwollendem Publikum

Der Spielplan hat Kasatkina und Duval auf Court 4 geschickt, einen Platz mit einer kleinen Tribüne, auf der sich in erster Linie Sympathisanten der US-Amerikanerin eingefunden haben, unter ihnen der große Nick Bolletieri, der während der ersten 21 Punkte nur einmal die Gelegenheit bekommt, ein Erfolgserlebnis von Duval zu beklatschen. Kasatkina spielt unheimlich konzentriert, steht nah an der Linie, der Vorhand-Schwung aus dem Handgelenk ist beeindruckend. Die Bälle der Russin fliegen tiefer und schneller über das Netz, landen trotzdem näher an der Grundlinie, der Außenseiterin fehlen die Mittel, mit ihrer Gegnerin konstant mitzuspielen.

Auf der anderen Seite platziert sich Duval zu nahe an der Grundlinie, vor allem beim Aufschlag, gleich beim allerersten des Matches wird ein Fußfehler moniert, es sollte nicht der letzte bleiben. Die Nervosität ist der US-Amerikanerin beinahe bei jedem Schlag anzumerken, kein Wunder: Selbstvertrauen und Sicherheit speisen sich aus Erfolgserlebnissen und vielen Matches, Duval kann in jüngerer Vergangenheit mit keinem dienen, zumindest in sportlicher Hinsicht.

Kleines Combeack im zweiten Satz

Der zweite Satz verläuft deutlich ausgeglichener, Kasatkina gelingt zwar ein frühes Break gleich im ersten Spiel, Duval schafft es, in Schlagdistanz zu bleiben. Und mit dem Rebreak zu null sogar auf 5:5 auszugleichen. Zu mehr reicht es nicht. Kasatkina holt sich wieder den Aufschlag von Duval, die mangelnde Spielpraxis mag sicherlich eine Rolle dabei spielen, dass sich die mit einer Wildcard ins Turnier gerutschte US-Amerikanerin beim Breakball völlig verschätzt - und einen Linienball nicht mehr zurückspielen kann. 0:6, 5:7 lautet das Endergebnis, Daria Kasatkina hat noch Luft nach oben. Victoria Duval, gemessen an den Leistungen noch viel mehr.

Was Letztere auch in der Pressekonferenz nach dem Match bestätigt. „Zu Beginn war ich emotional überwältigt, bei 0:3 im ersten Satz wollte ich am liebsten ein Loch graben und darin verschwinden“, erklärte Duval. Dann habe sie zur Beruhigung einen Song von Drake vor sich hingesummt, die Aufregung habe sich gelegt. Motivation für die nächsten Wochen verspüre sie genug, Unterstützung erhalte sie von allen Seiten, sogar während des Spiels: Mutter Duval hatte sich mehrmals via Textnachricht bei „Vicky“ gemeldet, der Rückruf musste bis nach Matchende aufgeschoben werden.

Hier die Damen-Ergebnisse aus Wimbledon.

Hier der Spielplan.

von tennisnet.com

Montag
27.06.2016, 12:17 Uhr