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Zurück im großen Grand-Slam-Spiel – Juan Martin del Potro schlägt Stan Wawrinka

Der Argentinier entscheidet den Zweitrundenkracher in Wimbledon für sich.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 01.07.2016, 13:47 Uhr

LONDON, ENGLAND - JULY 01: Juan Martin Del Potro of Argentina plays a backhand during the Men's Singles second round match against Stan Wawrinka of Switzerland on day five of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and...

WennJuan Martin del Potroin den letzten Tagen über die Spielerterrasse des All England Club schritt, dann konnte er sich einer Tatsache ganz sicher sein: Es gab niemandem im großen Heer der Profis, Turnierdirektoren und Verbandsfunktionäre, der ihm nicht gönnte, endlich wieder zurück in seiner Arbeitswelt zu sein. Del Potro, der feurige US-Open-Sieger des Jahres 2009 und damals eine der großen Zukunftshoffnungen der Szene, ist nach einer schier endlosen Serie von komplizierten Handgelenksverletzungen und Gedanken an ein mögliches Karriere-Aus aufs Neue im großen Spiel drin.

„Das ist einer der emotionalsten Momente meiner Karriere”

Und wie: Wimbledon 2016, die bisher prominenteste Station eines heiklen Comebackanlaufs des hünenhaften Argentiniers, könnte so etwas wie eine glanzvolle Wiederauferstehung markieren. Am Freitagnachmittag jedenfalls sorgte del Potro mit einem 3:6, 6:3, 7:6 (2) und 6:3-Zweitrundensieg über den Schweizer Kraftprotz und Weltranglisten-FünftenStan Wawrinkafür die bisher größte Turniersensation. „Das ist einer der emotionalsten Momente meiner Karriere. Es ist auch für mich eine Überraschung, die ich kaum fassen kann“, sagte del Potro, einer der zuletzt größten Pechvögel des Herrentennis.

Ganz hinter sich gelassen hat der Südamerikaner seine körperlichen Probleme indes auch jetzt nicht. „Es ist immer noch ein Leben mit der Angst vor dem nächsten Rückschlag“, sagte del Potro, „aber langsam denke ich wieder mehr über meine Spiele, meine Gegner und meine Taktik nach als über die Verletzungen.“ Die schwere Herausforderung gegen den zweimalige Grand-Slam-Champion Wawrinka hatte del Potro als „Standortbestimmung und Gradmesser“ bezeichnet, „wo ich überhaupt stehe“ – und das verblüffende Ergebnis konnte ihm da mehr als gefallen: „Im Moment zittern mir noch die Hände vor Glück. Ich bin unheimlich froh, wie ich gespielt habe, wie ich die Nerven zusammenhielt.“ Amerikas Ex-Star und TV-Experte John McEnroe befand gewohnt pointiert: „Ein schlafender Bär ist geweckt worden. Das war eine Warnung del Potros für den Rest der Tenniswelt.“

Auf der Rückhand lieber Slice

Vor drei Jahren, in seinem ersten Tennisleben vor der Verletzungsseuche, war der Argentinier selbstverständlich einer der gefeierten Szenestars und Mitfavoriten gewesen. Im Halbfinale zwang er damals in einem er besten Wimbledon-Matches der jüngeren Vergangenheit Novak Djokovic in einen mitreißenden Fünf-Satz-Thriller – indes ohne Happy End. „Es ist eine schöne Erinnerung, nicht mehr, nicht weniger“, sagt del Potro dazu, „die Tenniswelt ist jetzt eine andere für mich geworden.“ Um in Wimbledon antreten zu können, hatte del Potro sogar die körperlich anspruchsvolle Sandplatzsaison gestrichen, konzentrierte sich ganz auf den kurzen Rasen-Abschnitt im Jahreskalender.

Vorsicht lässt der Riese auch immer noch in seinen Aktionen walten, so verzichtet er weitgehend auf die normale Rückhand, spielt stattdessen lieber Slicebälle, die aber höchst effektiv. Schon vor dem bahnbrechenden Sieg gegen Wawrinka hatte del Potro für sich schon als Gewinn verbucht, wieder am Start zu sein bei Grand-Slam-Ausscheidungsspielen: „Ich genieße jede Minute, jede Stunde, jedes Match. Es war nicht so sicher, dass ich diese Rückkehr jemals schaffen würde.“

Hier die Herren-Ergebnisse aus Wimbledon.

Hier der Spielplan.

von tennisnet.com

Freitag
01.07.2016, 13:47 Uhr