Angelique Kerber ohne Kopfkino – „Der Druck ist nicht mehr das Hindernis“

Für Angelique Kerber könnte es im abschließenden Gruppenspiel in Singapur zum Déjà-vu kommen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 26.10.2016, 11:24 Uhr

SINGAPORE - OCTOBER 23: Angelique Kerber of Germany celebrates victory in her singles match against Dominika Cibulkova of Slovakia during day 1 of the BNP Paribas WTA Finals Singapore at Singapore Sports Hub on October 23, 2016 in Singapore. (Photo...

Kopfkino verboten, Halbfinale erwünscht:Angelique Kerberwill nichts wissen von den ganzen Rechenszenarien vor ihrem Gruppen-Showdown beim WTA-Finale in Singapur. „Ich habe keine Ahnung und will mich da auch nicht verrückt machen. Und ich weiß auch nicht, wie das alles gezählt wird“, sagte die Weltranglisten-Erste vor dem abschließenden Vorrundenmatch gegen die US-AmerikanerinMadison Keysam Donnerstag (13.30 Uhr MESZ/ARD). Fakt ist: Wenn die RumäninSimona Halepim ersten Spiel des Tages gegenDominika Cibulkova(Slowakei) glatt in zwei Durchgängen siegt, muss Kerber im folgenden Duell mit Keys nur einen Satz holen, um erstmals ins Halbfinale des Saison-Abschlussturniers einzuziehen. Bei allen anderen Ergebnissen des ersten Matches steht Kerber schon vor ihrem ersten Ballwechsel am Donnerstag sicher in der Runde der letzten Vier.

Die Ausgangsposition für die Kielerin könnte allerdings von der Konstellation her exakt so sein wie vor einem Jahr, als sie in Singapur eine ihrer bittersten Pleiten kassierte. Damals hätte ein Satzgewinn gegen die bereits ausgeschiedene TschechinLucie Safarovazum Sprung in die Vorschlussrunde gereicht. Doch Kerber verkrampfte völlig, zog sich in den Pausen ein Handtuch über den Kopf und rief ihrem Coach Torben Beltz zu: „Ich pack' das nicht.“ Ein paar Wochen nach dem Desaster gab sie zu: „So wie damals im und nach dem Match wollte ich mich nie mehr fühlen - nie mehr.“ Zwölf Monate später strotzt die Australian-Open- und US-Open-Siegerin nur so vor Selbstvertrauen und will ihr eigenes Drehbuch schreiben. „Ich glaube, ich bin jetzt eine ganz andere Spielerin, eine ganz andere Person“, sagte Kerber im ZDF-Morgenmagazin und betonte: „Der Druck ist nicht mehr so das Hindernis.“

„Angie ist derzeit auch mental die stärkste Spielerin”

Wie selbstbewusst und selbstverständlich cool die 28-Jährige am Ende ihrer „Traumsaison“ agiert, dokumentierte ein Ballwechsel im Match gegen Halep. Beim Stand von 3:4 im ersten Satz und Breakball gegen sich ging Kerber volles Risiko und hämmerte eine Vorhand die Linie entlang genau in die Platzecke. „Durch meine Erfolge weiß ich, wie ich die Big Points spielen muss und gewinnen kann“, sagte die Linkshänderin zur symptomatischen Szene. AuchAndrea Petkovichat den Wandel ihrer guten Freundin vom zaudernden Nervenbündel zur ausgebufften Nummer eins registriert. „Angie ist derzeit auch mental die stärkste Spielerin auf der WTA-Tour“, sagte Petkovic als Co-Moderatorin in der ARD. Kerbers große Stärke sei zudem ihre Zähigkeit. „Die Gegnerinnen wissen einfach: Sie schenkt einem nichts. Das baut schon Druck auf“, meinte Petkovic, die ihrer Fed-Cup-Kollegin den dritten großen Titel 2016 natürlich zutraut.

Auch die ehemalige Weltranglisten-Erste Monica Seles „outete“ sich in Singapur als Kerber-Fan. „Angelique ist hier die Turnier-Favoritin. Die Art, wie sie spielt und mit dem Druck umgeht, das ist schon beeindruckend“, sagte Seles. Nach dem Masters wird Kerber zwei Wochen Urlaub in der Sonne mit „viel, viel Ruhe“ machen, um dann vor Beginn der Saison-Vorbereitung ein paar Tage bei ihrer Familie auszuspannen. Diverse TV-Auftritte und Ehrungen stehen im Dezember noch an. Doch Kerber hat bereits die Saison 2017 im Auge. „Es wird auf jeden Fall ein interessantes Jahr. Aber ich bin bereit für die neue Challenge und die neuen Aufgaben, die auf mich warten“, meinte die Kielerin mit Vorfreude.

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von tennisnet.com

Mittwoch
26.10.2016, 11:24 Uhr