Machtdemonstration – Angelique Kerber im Nummer-1-Stil ins Finale

Die Weltranglisten-Erste kann ihre fabelhafte Saison nun mit dem Titel beim Saisonfinale in Singapur krönen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 29.10.2016, 14:04 Uhr

SINGAPORE - OCTOBER 29: Angelique Kerber of Germany signs autographs after victory in her singles semi-final match against Agnieszka Radwanska of Poland during day 7 of the BNP Paribas WTA Finals Singapore at Singapore Sports Hub on October 29, 2016...

Es war eine Meisterleistung mit höchster Konzentration, eine Centre-Court-Demonstration voller Entschlossenheit und Selbstbewusstsein. Schlichtweg das Beste hatte sichAngelique Kerberaufgehoben, um am Samstag im Singapore Indoor Stadium erstmals ins Finale der Damentennis-Weltmeisterschaft einzuziehen –und nach einem überzeugenden, teils gar herausragenden 6:2, 6:1-Kantersieg in der Vorschlussrunde gegen ihre langjährige Freundin und Weggefährtin Agnieszka Radwanska (Polen)kann die Weltranglisten-Erste ihre Traumsaison nun ausgerechnet an einem Schauplatz vergolden, an dem sie 2015 eine ihre bittersten Karriere-Enttäuschungen erlebt hatte.

Welch ein Unterschied von Oktober zu Oktober: Vor einem Jahr noch daran gescheitert, mit einem bloßen Satzgewinn ins WM-Halbfinale einzuziehen, kämpft Kerber an diesem Sonntag um den dritten ganz großen Siegerpokal dieser Serie nach den Triumphen bei den Australian Open und den US Open.Nur noch die Slowakin Dominika Cibulkova (1:6, 7:6 (2), 6:4 gegen Svetlana Kuznetsova)kann jetzt die Weltranglisten-Erste im letzten bedeutenden Match der Saison stoppen, beim Versuch, 20 Jahre nach Steffi Grafs letztem WM-Coup wieder den Pokal nach Deutschland zu holen. „Ich bin unheimlich glücklich, wie ich diesen Sieg herausgespielt habe“, sagte Kerber nach ihrem vierten Sieg im vierten WM-Match, der einer Demütigung für Titelverteidigerin Radwanska glich. Mit versteinerter Miene schlich die geschlagene Strategin aus dem Hallenpalast, enttäuscht und ernüchtert nach dem 76-minütigen Halbfinal-Fiasko.

Mit Sieg Nummer 64 in den wohlverdienten Urlaub

Für Kerber ist das Ende der WM sozusagen eine Zeitreise zurück zum Turnierstart, denn am Eröffnungs-Sonntag bestritt die 28-jährige Kielerin auch das erste Gruppenmatch gegen das 161-Zentimeter-Energiebündel Cibulkova. Es war, im Nachhinein, auch die schwerste Prüfung für Kerber, ein Drei-Satz-Match wie eine Achterbahnfahrt durch alle emotionalen Höhen und Tiefen. „Es wird mindestens noch einmal genau so hart im Endspiel. Aber ich fühle mich gut und will das jetzt auch durchziehen“, sagte Kerber, die in dieser Ausnahmesaison bereits eine imponierende Matchbilanz von 63:17-Siegen an ihren globalen Einsatzorten festgeschrieben hat.

Erfolg Nummer 64, im Finale gegen die temperamentvolle WM-Debütantin Cibulkova in Singapur, wäre der perfekte Schlusspunkt auf großer Bühne. Und genau das richtige Szenario, um den zweiwöchigen Urlaub an asiatischen Stränden in vollen Zügen zu genießen – und mit einem guten Gefühl danach in die harte Vorbereitungszeit aufs neue Jahr 2017 zu gehen. Um den Nummer-eins-Platz geht es schon längst nicht mehr bei dieser WM und im Finale, den hat Kerber sowieso schon sicher. Aber nach dem bisher so makellosen Auftritt beim Championat der acht Besten will Kerber im Titelmatch noch einmal im Stil einer Nummer eins auftreten. So souverän und sicher wie in der Vorrunde und nun auch im Halbfinale gegen Radwanska. „Es ist einfach beeindruckend, wie Angie das im Moment durchzieht“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.

Starke Schläge und ein starkes Ego

Kerber spielte gegen Radwanska mit Mumm und Biss, aber auch mit einer großen inneren Überzeugung. Starke Schläge und ein starkes Ego sorgten früh für klare Verhältnisse: Während Kerber entspannt und doch aggressiv Punkt um Punkt sammelte, wirkte Radwanska verkrampft, beinahe gehemmt. „Ich war sehr ruhig, hatte das nötige Vertrauen in mich selbst“, sagte Kerber, „es war ein Match, das ich richtig genießen konnte.“ Besonders wirkungsvoll war Kerbers Konterspiel, oft verschaffte sich die Weltranglisten-Erste schon mit dem ersten Return die nötigen Vorteile. So hatte Radwanska bei ihren eigenen Aufschlagspielen noch die wenigsten Chancen, kassierte serienweise Breaks.

Am Ende war nur noch ehrfürchtiges Staunen bei den Fans im Singapore Indoor Stadium über das Einbahnstraßen-Tennis auf dem Centre Court – nur Turnierdirektorin Melissa Pine verzog in einer Einblendung säuerlich die Miene, offenbar enttäuscht über die Spannungslosigkeit in diesem Match. Für mehr Drama will jetzt Cibulkova sorgen, Kerbers Finalrivalin: „Ich werde alles tun, um mich zu revanchieren für die Niederlage am letzten Sonntag“, sagte die Slowakin.

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von tennisnet.com

Samstag
29.10.2016, 14:04 Uhr