Typisch Angelique Kerber – Sieg mit Leidenschaft und starkem Willen

Fast 140 Minuten lang fightete Deutschlands Tennis-Königin mit aller Leidenschaft, Willenskraft und Zähigkeit.

von Aus Singapur berichtet Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 23.10.2016, 15:12 Uhr

Angelique Kerber

Es war ein Spiel wie eine Miniaturausgabe des ganzen Tennisjahres von Angelique Kerber . Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, eine wilde, emotional und physisch gleichermaßen herausfordernde Reise. Doch in Singapur, dem Ort des WM-Schreckens in der vergangenen Saison, war wie sonst auf den großen Bühnen etwas anders für die Frontfrau des weiblichen Wanderzirkus - nämlich, dass die knappen und hart umstrittenen Matches halt mit einem Sieg für sie enden. Fast 140 Minuten lang fightete Kerber mit aller Leidenschaft, Willenskraft und Zähigkeit am ersten Turnierabend gegen Dominika Cibulkova , das 161 Zentimeter kleine Energiebündel aus der Slowakei, dann war der 7:6-(5),-2:6,-6:3-Triumph im wichtigen Auftaktmatch des Elitetreffens der besten Acht festgeschrieben.

"Die Erleichterung ist schon groß jetzt. Ich wollte diesen Sieg mit aller Macht. Jetzt gehe ich entspannter in die weiteren Spiele", sagte die Weltranglisten-Erste, die zum zweiten Mal bei vier WM-Teilnahmen mit einem Erfolgserlebnis in den Wettbewerb startete, "ich habe mir selbst noch mal bewiesen, warum ich da oben stehe." So groß war die Anspannung und nervliche Belastung in diesem Centre-Court-Krimi, dass es Mutter Beata Kerber im dritten Satz nicht mehr auf dem Logenplatz am Rande des Platzes hielt - leicht aufgelöst flüchtete die Mama aus dem Singapore Indoor Stadium in die tropische Nacht und kehrte erst wieder zurück, als die Tochter gleich den ersten Matchball verwandelt hatte.

Beltz: "Sie hat ihr Herz in die Hand genommen"

Der unfreundlichen Beziehung zwischen dem Abschlussturnier der WTA-Tour, das traditionell noch einmal die Besten der Besten der Saison versammelt, und der neuen Spitzenkraft Kerber drohte zwischenzeitlich eine frustrierende Fortsetzung. Und zwar, als Cibulkova nach dem schnellen 1:1-Satzausgleich auch im dritten Akt des Thrillers mit einem Break in Führung ging. "Ich wusste, was für ein hartes, extrem schweres Match das werden würde", sagte Kerber hinterher, "sie ist eine der stärksten Spielerinnen der letzten Monate gewesen." Doch wie in Melbourne, Wimbledon oder auch bei den US Open verzagte Kerber nicht, als sie zur Preisgabe ihres ganzen Könnens aufgefordert war. In höchster Not und Bedrängnis zeigte die Deutsche, warum sie inzwischen auf dem Tennisthron residiert und mit 60:17-Siegen über die weitaus beste Bilanz in dieser Spielserie 2016 verfügt. "Sie hat ihr Herz in die Hand genommen, noch mal richtig zugelegt. Und dann auch verdient gewonnen", sagte Trainer Torben Beltz, der selbst in der Kerber-Loge am Spielfeldrand alle Mühe hatte, seine Nerven unter Kontrolle zu halten, "dieser Sieg hat schon Gewicht."

Auch, weil Kerber bei dieser Weltmeisterschaft zum ersten Mal bei einem Topturnier in der Rolle der Gejagten ist, einer Frau, gegen die Siege neuerdings eben mehr zählen als in früheren Zeiten. "Ich muss hier wirklich noch einmal alle Reserven und Energien mobilisieren", hatte Kerber schon vor den ersten Ballwechseln gesagt - und daran gab es nicht das Geringste zurückzunehmen nach dem WM-Beginn gegen die formstarke Cibulkova. Denn schon in diesem packenden Duell wurde die 28-jährige Kielerin bis ans Limit gefordert, von der ersten bis zur letzten Minute dieser Berg- und Talfahrt. Ihre Gegnerin aus der Slowakei steckte auch nicht zurück, als die Nummer eins den ersten Satz im Tiebreak für sich entschied - ganz im Gegenteil: Danach übernahm Cibulkova das Kommando, peitschte Siegpunkt um Siegpunkt ins gegnerische Feld, ließ Kerber phasenweise kaum eine Chance, überhaupt ihre Verteidigungskunst zu entfalten.

Macht Kerber schon am Dienstag alles klar?

Kerber, bisher nur eine frustrierende Randfigur bei den vorherigen drei WM-Ausgaben mit ihrer Beteiligung, kann im Idealfall schon am Dienstag (13:30 Uhr) die erste Halbfinal-Qualifikation klarmachen. Dazu müssen Kerber und ihre Sonntags-Gegnerin Cibulkova jeweils ihr zweites Gruppenmatch gewinnen, Kerber gegen die Rumänin Simona Halep und Cibulkova gegen die US-Amerikanerin Madison Keys . Dann wäre Kerber sicher in der Runde der letzten Vier - und Cibulkova und Halep würden um den zweiten Halbfinalplatz im direkten Duell zum Abschluss der Gruppenphase kämpfen. Erstmals schöne Aussichten also für die Nummer eins, auch die Nummer eins bei der WM zu werden.

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Hier die Auslosungen und Ergebnisse aus Singapur: Einzel .

Hier der Spielplan.

von Aus Singapur berichtet Jörg Allmeroth

Sonntag
23.10.2016, 15:12 Uhr