Alles „Angie“ in Stuttgart

Beim Porsche Tennis Grand Prix hat Angelique Kerber auch außerhalb des Tennisplatzes viel zu tun. Und freut sich auf ihren freien Tag.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 20.04.2016, 00:00 Uhr

STUTTGART, GERMANY - APRIL 20: Angelique Kerber of Germany plays a backhand in her match against Annika Beck of Germany during Day 3 of the Porsche Tennis Grand Prix at Porsche-Arena on April 20, 2016 in Stuttgart, Germany. (Photo by Dennis Grombko...

Australian-Open-Siegerin. Weltranglisten-Dritte. Hoffnungsträgerin. Führungsspielerin. Porsche-Markenbotschafterin. Es sind große Worte, die Angelique Kerber umkreisen. Worte, die sie sich hart erarbeitet hat. Worte, die Millionen wert sind. Worte, die belasten können, Kopf und Körper. Und Worte, die Mehrarbeit bedeuten.

Angelique Kerber und ein voller Terminkalender

Kerber hat das Gewicht dieser Worte bislang gut getragen, verbunden mit einer Glanzleistung in Sachen "neuer Medienrummel". Den leeren Akkus nach dem Fed Cup in Leipzig und den frühen Niederlagen in Doha und Indian Wells hat sie starke Auftritte in Miami, Charleston und beim Fed-Cup-Abstiegsspiel in Rumänien folgen lassen, wo sie am Sonntag Simona Halep mit 6:2, 6:2 deklassierte - Halep, gegen die sie in den drei bisherigen Vergleichen den Kürzeren zog.

In Stuttgart ist sie, die Titelverteidigerin, die Porsche-Markenbotschafterin, das Zugpferd schlechthin, speziell nach den Geschehnissen um Maria Sharapova."Angie" beim Fotoshooting und Meet and Greet, "Angie" bei der Parking Challenge, "Angie" beim Showdoppel mit Michael Chang, Michael Stich und Mark Webber. "Angie" auf der Players' Night, "Angie" beim Treffen mit Gewinnern, "Angie" bei der Autogrammstunde.

Kerber findet einen Weg zum Sieg

"Angie" beim ersten Auftritt in der Porsche-Arena gibt's dann am Mittwochabend. Es ist das erste Heimspiel nach dem Fed Cup in Leipzig, der direkt nach Melbourne stattfand; der erste Auftritt in heimischen Gefilden also, nachdem der Australian-Open-Sieg ein paar Wochen her ist, sich die ersten Eindrücke gesetzt haben, verarbeitet sind. Der erste Einmarsch bei ihrem Lieblingsturnier, "nach Stuttgart zu kommen, ist wie ein Stück Heimat", sagt Kerber.

Gegen Annika Beck kommt Melbourne dennoch wieder hoch. Im Achtelfinale siegte sie hier 6:4, 6:0 , der erste Satz war ein Auf und Ab, "zu viele Gedanken", sagte sie damals. Am Mittwochabend geht das Match über drei Sätze. Kerber beginnt gut, schafft ein frühes Break und nagelt Beck mit der Vorhand auf der Rückhand-Seite fest, um irgendwann den Longline-Schuss anzusetzen. Bis Beck die Richtung wechselt, sich aus der Rückhand-Mühle befreit, bis sie ausgleicht, ihre Fehler abstellt - und Kerber passiver wird. Der Satzgewinn kommt dennoch überraschend: Kerber führt beim Stand von 4:5 mit 40:0, als Beck ihr bestes Spiel des Matches gelingt - und der Satzgewinn.

Kerber beißt sich letztlich durch, findet ihre Aggressivität wieder, gewinnt die Sätze zwei und drei mit 6:3, 6:1. Es ist ein Kampfsieg, kein Glanzsieg, auch wenn sich beide Spielerinnen danach für ein hochklassisches Match loben. Es ist ein Sieg einer Australian-Open-Siegerin, einer Weltranglisten-Dritten, die nicht ihren besten Tag erwischt hat. Aber die einen Weg findet, zu gewinnen, im Turnier zu bleiben. In dem Turnier, in dem sie unmöglich beim Auftaktspiel ausscheiden kann.

"Freue mich auf freien Tag"

"Der Glaube ist immer da, egal, ob ich den ersten Satz verliere", sagt Kerber nach dem Match. "Ich weiß, was ich machen soll. Ich weiß, worauf ich vertrauen kann." Es sind Worte einer Weltranglisten-Dritten, einer Grand-Slam-Siegerin. Einer, die solche Matches mittlerweile gewinnt.

Und die mittlerweile weiß, wann sie Pausen braucht. Zum Beispiel jetzt. "Ich freue mich, dass ich morgen mal einen Tag frei habe", sagt Kerber auf der anschließenden Pressekonferenz, "darauf freue ich mich am meisten." Denn auch eins hat Kerber die letzten Wochen gelernt: "Jede einzelne Minute zu nutzen, um wieder Kraft zu sammeln." Kraft, die sie am Freitag brauchen wird: Dann muss sie im Viertelfinale gegen Carla Suarez Navarro oder Anna-Lena Friedsam ran.

von Florian Goosmann

Mittwoch
20.04.2016, 00:00 Uhr