„Einen Boom wie bei Boris und Steffi wird es nicht mehr geben“

Der Wimbledonsieger von 1991 schlägt in Stuttgart auf - und blickt schon gespannt auf den Juli.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 18.04.2016, 00:00 Uhr

Michael Stich hat selbstverständlich das richtige Schuhwerk dabei für seinen Schaukampf gegen Michael Chang in der Porsche-Arena. Das muss an dieser Stelle dennoch lobend erwähnt werden - vor zwei Jahren hatte sich Pete Samprasfür seinen Gast-Auftritt am ersten Tag des größten deutschen Damenturniers noch überrascht gezeigt, dass er sich gegen Carlos Moya auf Asche versuchen sollte. Damit nicht genug: Der Wimbledon-Champion von 1991 hat sich eigenen Angaben nach während der zurückliegenden vier Wochen tatsächlich in Schwung gebracht - und riet seinem Gegner Chang, für das abendliche Match unbedingt die Joggingschuhe anzulegen.

Für Stich ist der rote Turniersand aus seiner aktiven Zeit mit positiven Erinnerungen belegt, auch wenn er im Gegensatz zu Michael Chang in Roland Garros bei seinem einzigen Finalauftritt gegen Yevgeny Kafelnikov 1996 den Kürzeren gezogen hatte. Tatsächlich beschäftigt sich der Turnierdirektor des ATP-World-Tour-500-Turniers am Hamburger Rothenbaum gerade aber auch damit, die bestmögliche Besetzung für seine Veranstaltung Mitte Juli zu gewährleisten. Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro werfen ihre Schatten weit voraus, auch im Frühjahr ist es für die Organisatoren kleinerer Turniere beinahe unmöglich, Spitzenspieler für ihre Veranstaltungen zu begeistern.

Größeres Interesse dank Kerber

Michael Stich war das in den vergangenen Jahren gelungen, zuerst schlug Roger Federer an der Elbe auf, 2015 kämpfte sich Rafael Nadal zum Turniersieg. Dieses Jahr indes konkurriert Hamburg nicht nur mit Bastad und Newport um eine attraktive Nennliste, auch das Viertelfinale des Davis Cup findet, ausnahmsweise, in der Turnierwoche Stichs statt. Womit sich etwa die Spitzenspieler aus Frankreich, Italien oder der Tschechischen Republik eher auf ihre Nationen denn auf die Jagd nach Weltranglistenpunkten konzentrieren werden.

Ein Zugpferd wie Angelique Kerber für den Porsche Tennis Grand Prix fehlt in Hamburg 2016 also möglicherweise - Lokalmatador Alexander Zverev möchte Stich dafür noch nicht exklusiv in die Pflicht nehmen. Festzustellen sei indes ein höherer Zulauf zu den lokalen Tennisvereinen, für den 18-fachen-Turniersieger auf der ATP-Tour eine unvermeidliche Folge des Australian-Open-Triumphes von Kerber. Aber: "Einen Boom wie bei Boris und Steffi wird es nicht mehr geben." Und nicht nur, weil der Tennissport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht mehr stattfindet, wie Stich abschließend anmerkte.

von Jens Huiber

Montag
18.04.2016, 00:00 Uhr