Außenseiter-Doppel stiehlt den Single-Stars die Show
Bei der 17. Auflage des September Masters Series 1000 Turniers im Union Tenniscenter La Ville, sind ...
von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet:
04.10.2026, 11:18 Uhr
Bei der 17. Auflage des September Masters Series 1000 Turniers im Union Tenniscenter La Ville, sind am gestrigen Samstag bereits drei der acht topgesetzten Spieler in Runde 1 gestrauchelt. Mit Spaniens Fernando Romero ist die Nr. 3 der Setzliste ebenso bereits nur mehr Zuschauer, wie auch die beiden heimischen und an Position Nr. 7 und 8 geführten Ferdiand Gulla und Michael Happe. Für die große Sensation des gestrigen zweiten Spieltages beim HTT Indoor-Auftakt 2026/27 sorgten aber zwei “reifere Semester” im Doppel der HTT US Open. Ein Bericht von C.L
Ein erster HTT US Open Doppel Spieltag, der Spaß gemacht hat
Wir müssen ausnahmsweise unsere heutige Tagesbilanz zum gestrigen Samstag mit dem dürftig besetzten Doppelbewerb der HTT US Open beginnen. Obwohl auch beim letzten HTT Major-Doppel-Event satte 2000 Punkte zur Disposition stehen, und das Race to La Ville im Doppel in der Endphase der Saison 2026 offen wie noch nie erscheint, wundert man sich in der Szene allgemein über ein Teilnehmerfeld, das gut und gerne auch bei jedem HTT 250er-Doppel durchgehen würde. Nicht eine einzige Paarung aus den Top 40, da gibt es an diesem ersten Oktober-Wochenende quasi wichtige Big Points zum Okkasionspreis. Und als Draufgabe auch noch überraschende Resultate und eine absolute Top-Sensation zum Auftakt. Dieser erste Spieltag des HTT US Doppel-Bewerbs machte trotz fehlender Topstars richtig viel Spaß. Oder vielleicht gerade deshalb, war der viertelfinale Auftritt der acht teilnehmenden Teams ein Festtag für den im Dauerwinterschlaf befindlichen Doppelsport. Das dann ausgerechnet der “bad boy” der rot-weiß-roten Tennisszene der vergangenen Jahre zum Helden avancierte, ist fast schon bezeichnend für die darniederliegende HTT Doppel-Szenerie. Michael Winkler, zwei Jahre gesperrtes Entfant Terrible des österreichischen Tennisbreitensports, ist auf dem “zweiten Bildungsweg” scheinbar “geläutert” unterwegs, und dabei bemüht, seine zweite und wohl allerletzte Chance zu nützen. Der 58jährige Tennis-Exzentriker scheint im zweiten Anlauf aber nicht nur den verhaltenstechnisch rechten Weg eingeschlagen zu haben, sondern – zumindest was das Doppel betrifft – auch sportlich die Erfolgsspur gefunden zu haben.
Tennis-Rebell Michael Winkler zaubert sich im Match-Tiebreak gegen ehemaligen ATP-Spieler ins Semifinale der HTT US Open
Was Michael Winkler am Samstag Nachmittag am Centercourt des UTC La Villle gemeinsam mit seinem Partner Thomas Futschik gelungen ist, kann man ganz getrost als die Doppel-Sensation des Jahrzehnts bezeichnen. Oder als sportliches Erdbeben, das so in dieser Art und Stärke noch nie die HTT erschüttert hat. Das Underdog–Duo beim gemeinsamen HTT-Debüt nach einer furiosen Aufholjagd und einem famos gespielten Match-Tiebreak als Sieger über die ehemalige ATP Nr. 680 Alexander Sikanov mit seinem russischen Partner Oleg Basin, mit dem Erstellen einer solchen Headline wäre man vor Spielbeginn wohl für total verrückt erklärt worden. Und dann nahm das zweite Doppel-Match des Tages am La Ville Centercourt zunächst auch den erwarteten Verlauf. Das favorisierte russische Duo holte sich den ersten Satz in souveräner Manier mit 6:1, und lag auch in Durchgang Nr. 2 mit 4:3 auf Siegeskurs. Thomas Futschik hielt die rot-weiß-rote Paarung mit seinem Aufschlaggewinn zum 4:4 im Rennen, ehe den Underdogs das entscheidende Break zum 5:4 gegen den aufschlagenden Oleg Basin gelang. Winkler hielt in der Folge dem großen Druck des Ausservierens stand, und hievte sein Team in einen allesentscheidenden Match-Tiebreak, der erstens zur ganz großen Tennis-Show, und zweitens zur größten Sensation der jüngeren HTT Doppel-Geschichte werden sollte.
Winkler mit Zauberlob durch die Beine und überbordendem Jubel
Das Erreichen des Match-Tiebreaks galt in diesen Momenten des geschafften Satzausgleiches von Winkler & Futschik schon als Sensation. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich daher im La Ville die Kunde vom sich anbahnenden Coup der Außenseiter, und so strömten Zuschauer und Mitspieler in Scharen zum Centercourt, wo Thomas Futschik mit einem wunderbaren Vorhand-Longline-Winner die rot-weiß-rote Zaubershow eröffnete. Winkler & Futschik steigerten sich in diesem “Elfmeterschießen des Tennissports” zu unerwarteten Heldentaten. Mutig, variabel mit einem Schuss Genialität, entzauberten die beiden das an Nummer 1 gesetzte und mit einem ehemaligen ATP Profi gespickte Top-Duo des HTT US Open Doppelbewerbs, in dem Tennis-Rebell Michael Winkler wie erwartet für die Szenen des Tages sorgte. Und zwar mit dem Punkt zum 8:4, der das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss, und den Winkler selbst, später als den Punkt seines Tennislebens beschreiben sollte. Ein Ball durch die Beine gespielt, und das in einer heiklen Match-Tiebreak-Phase, kam retour auf den 58jährigen, der es rotzfrech ein zweites Mal versuchte, und den abermals durch die Beine gespielten Ball, als brillanten Lob im Feld der Gegner versenkte. Minuten später dann der überbordende, aber auch hoch verdiente Jubel des Michael Winkler, der sich mit Thomas Futschik mit einen 1:6, 6:4, 10:4 Erfolg ins Halbfinale spielte, und über den größten Erfolg seiner HTT Karriere jubelte.
Michi Happe mit Achtungserfolg gegen comebackende HTT Ex Nr. 1
Machen wir noch kurz einen Blick auf das Einzel-Geschehen beim 17. September Masters Series 1000 Turnier. Wie eingangs erwähnt haben sich mit Fernando Romero, Ferdinand Gulla und Michael Happe gleich drei gesetzte Spieler zum Auftakt am gestrigen Samstag verabschiedet. Die HTT Kritiker werden natürlich argumentieren, dass es sich hierbei ohnehin nur um die Vielspieler handelt, die in diesen Ranglisten-Regionen nichts zu suchen haben. Allerdings: Fernando Romero scheiterte an der deutschen Wildcard Yasin Blicke, mit dem wir in Zukunft noch viel Freude haben werden. Michael Happe sorgte in der Night Session zumindest einen Satz lang für Furore, und das gegen den September Masters Champion von 2019 und den HTT Erste Bank Rekordsieger Lukas Prüger. Die letztlich gescheiterte Nr. 8 spielte einen tollen zweiten Satz, kämpfte sich dort ins Tie-Break und zu einem völlig verdienten und prestigeträchtigen Satzgewinn. Natürlich ist der 20fache HTT Turniersieger und die ehemalige Nr. 1 Lukas Prüger bei seinem HTT Comeback mit fehlender Match-Praxis weit von einstiger Topform entfernt, an der Happe-Leistung “per se” ändert das nichts. Ansonsten gaben sich die üblichen Verdächtigen in Sachen Favoritenrolle keine Blöße. Damian Roman überließ einen ambitioniert spielenden Tobias Wenninger drei Games, HTT French Ope Sieger Nicolas Fares zeigte sich bei seinem Teppich-Debüt mit vier Games für den tapfer werkenden Qualifikanten Fabian Krasniqi großzügig, und Serbiens Jungstar Uros Bigic entledigte sich zu später Stunde mit einem klaren 6:2, 6:3 seines Auftaktgegners in Person von Patrick Handl.
