Nach Verletzungen von Alcaraz und Sinner: ATP zieht die Notbremse
Carlos Alcaraz musste monatelang pausieren, Jannik Sinner hat seine Saison vorzeitig beendet. Die Verletzungsprobleme der beiden Stars rücken die Belastung im Profitennis erneut in den Fokuks. Die ATP will künftig mit einem neuen Punktesystem und höheren finanziellen Leistungen gegensteuern.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
15.10.2026, 18:01 Uhr

Carlos Alcaraz fiel in der laufenden Saison zwischen April und August rund viereinhalb Monate wegen einer Verletzung am rechten Handgelenk aus und verpasste in dieser Zeit zwei Grand-Slam-Turniere. Jannik Sinner bestritt sein letztes Match im Juli im Wimbledon-Finale. Wegen einer Entzündung im rechten Knie erklärte der Weltranglistenerste zuletzt, dass er für den Rest des Jahres nicht mehr antreten werde. Unter anderem aufgrund der Ausfälle der beiden dominierenden Spieler der Gegenwart will die ATP Anreiz verringern, nach frühen Niederlagen zusätzliche Turniere einzuschieben.
Neues Punktesystem: Weniger Druck nach Niederlagen
ATP-Vorsitzender Andrea Gaudenzi stellte am Donnerstag Vorschläge vor, die den Spielplan für die Profis berechenbarer machen sollen. Künftig sollen Punkte stärker jene belohnen, die bei den größten Turnieren weit kommen. Wegfallen soll eine bisherige Regelung, nach der Spieler drei schwächere Resultate bei Masters-1000-Turnieren durch bessere Ergebnisse bei späteren Turnieren der Kategorien 500 oder 250 ersetzen können.
Laut Gaudenzi kann diese Möglichkeit dazu führen, dass Profis nach einem frühen Aus zusätzliche Wettbewerbe bestreiten, um verlorene Punkte aufzuholen. Mit der Reform sollen Ergebnisse bei den wichtigsten Turnieren stärker zählen, damit Spieler ihre Saison planen können, ohne ständig weiteren Punkten hinterherzujagen.
Mehr Geld dank erhöhtem Bonuspool
Neben dem Punktesystem will die ATP auch die finanzielle Absicherung verbessern. Der Bonuspool zum Saisonende soll von 21,5 auf 50 Millionen US-Dollar erhöht werden. Zusätzlich ist für Spieler, die das Jahr unter den Top 250 der Weltrangliste beenden, ein Fördertopf von insgesamt 25 Millionen Dollar als Unterstützung für ihre Karriere vorgesehen. Weitere rund 30 Millionen Dollar pro Jahr sollen in Pensionsbeiträge und in die Altersvorsorge von jährlich 300 Spielern fließen. Damit will die Tour vor allem auch all jene Profis unterstützen, die finanziell weniger Spielraum haben, um ihre Karriere langfristig aufzubauen.
Saudi-Arabien bekommt neues Masters
Im Widerspruch zu den Reformplänen bereitet die ATP aktuell ein neues Masters-1000-Turnier in Saudi-Arabien vor. Damit würde die Zahl der Turniere dieser Kategorie im Jahreskalender auf zehn steigen. Das wirft die grundsätzliche Frage auf, wie sich die Belastung der Spieler reduzieren lässt, wenn zugleich ein weiterer großer Wettbewerb hinzukommt. Die ATP muss dabei unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen. Die Vorschläge sind allerdings noch nicht spruchreif.
Doppelspieler könnten zahlen
Die Reformpläne betreffen auch die Verteilung des Geldes zwischen Einzel und Doppel. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die ATP ab 2028 Preisgelder und Turniergrößen im Doppel reduzieren will. Gaudenzi betont, dass frei werdende Mittel weiterhin den Spielern zugutekommen sollen. Geplant sei, sie in Qualifikationsrunden und frühe Runden der Einzelkonkurrenz zu investieren. Für die ATP ist das ein vernünftiger Weg, um mehr Profis finanziell zu unterstützen. Für das Doppel bedeutet es allerdings, dass eine bessere Absicherung der einen auf Kosten der anderen gehen könnte.
