Shanghai-Champion Neil Oberleitner: Auch Roger Federer hat gratuliert

Für Lucas Miedler und Neil Oberleitner gab es nach dem Triumph im Doppel-Finale des ATP-Masters-1000-Turniers in Shanghai noch ein weiteres Highlight: nämlich ein Treffen mit Roger Federer.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 20.10.2026, 15:18 Uhr

Neil Oberleitner, Roger Federer und Lucas Miedler in der Players Lounge in Shanghai
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Neil Oberleitner, Roger Federer und Lucas Miedler in der Players Lounge in Shanghai

Der Tenniszirkus schläft nie - weshalb sich Neil Oberleitner weniger als zwei Tage nach dem Sieg beim ATP-Masters-1000-Turnier in Shanghai schon aus den Katakomben der Halle in Almaty meldet. Dort wollen Oberleitner und Partner Lucas Miedler an die Serie der letzten Woche anschließen, bevor es dann nach Wien zu den Erste Bank Open geht.

Tennisnet: Herr Oberleitner. Herzlichen Glückwunsch zum Sieg in Shanghai. Haben Sie denn überhaupt Zeit gehabt, um ihren ersten Titel bei einem 1000er-Event gebührend zu feiern?

Neil Oberleitner: Man freut sich riesig über die Nachrichten, die man bekommt, telefoniert ein mit Zuhause. Unsere Feier hat so ausgeschaut, dass wir uns im Hotelzimmer getroffen und gemeinsam Fußball geschaut haben. Dazu hat sich jeder einen Kübel Eis bestellt. Und dann geht es schon wieder weiter zum nächsten Turnier. Das ist auf der einen Seite das Schöne am Tennis. Aber eben auch ein bisschen traurig, dass man so einen Sieg nicht richtig genießen kann. Wir sind am nächsten Tag schon wieder im Flieger über Peking nach Almaty geflogen. Wahrscheinlich gibt es dann zuhause einen kleinen Brunch, um den Titel zu feiern.

Tennisnet: Sie haben das Turnier ohne Satzverlust gewonnen. Ab wann haben Sie denn an den Titel zu denken begonnen?

Oberleitner: Luci und ich haben uns schon gedacht, dass wie gut miteinander spielen können, weil wir uns von den Futures her gut kennen und uns sehr gut ergänzen. Wir hatten eigentlich eine toughe Auslosung. Eigentlich hätten wir gegen Khachanov und Rublev beginnen sollen, die haben dann rausgezogen. Dann ist es gegen Alex Erler und seiner Partner Julian Cash gegangen. Das war kein leichtes Match, auch weil Alex Österreicher und ein Ex-Partner vom Luci ist. Danach Krajicek und Mektic waren auch ein harter Brocken. Dann aber hat man gesehen, dass oben das Draw ein bisschen aufgegangen ist. Und da haben wir uns schon gedacht, dass vielleicht was möglich ist. Was die Sache aber nicht einfacher macht: Weil wenn man sich denkt, dass man eine riesige Chance hat, steigt ja auch er Druck. Dann spielt es sich nicht so leicht von der Hand. Gegen die Topleute kann man befreiter aufspielen.

Oberleitner: “Den Pokal in der Hand und Federer gratuliert - besser wird es nicht”

Tennisnet: Ihr erster gemeinsamer Erfolg mit Lucas Miedler auf der großen Bühne war der Sieg im Davis Cup gegen Belgien in Wien. Wie signifikant war das für Sie?

Oberleitner: Der Davis Cup war enorm wichtig. In eine Partnerschaft mit so einem Erfolg reingehen zu können, das war ein richtiger Confidence Booster. Das war keine einfache Partie, es ist 1:1 gestanden, die Gegner haben gut gespielt, da war schon Druck da. Dass wir gleich beim zweiten Turnier ein 1000er gewinnen, ist natürlich unglaublich.

Tennisnet: Warum funktioniert das so gut?

Oberleitner: Wir ergänzen uns zum einen spielerisch gut. Aber wir haben auch viel Spaß miteinander. Wir sind sehr gut befreundet, kennen uns schon lange. Wenn man das ganze Jahr gemeinsam reist, hilft es ungemein, wenn man sich gut versteht. Natürlich geht man sich manchmal gegenseitig auf die Nerven. Das ist nur menschlich. Aber bei uns passt es abseits und auf dem Platz hervorragend.

Tennisnet: Sie werden ja von Alexander Peya betreut, der als bislang letzter Österreicher ein 1000er im Doppel gewonnen hat. Wo hat Ihnen der Coach in dieser Woche ganz besonders helfen können?

Oberleitner: Wir haben viel miteinander trainiert, die Taktik besprochen. Wir haben sehr davon profitiert, dass der Alex gerade jetzt mit uns unterwegs ist. Weil der Alex diese Situationen auch schon hinter sich hat, auch mit Partnerwechseln umgehen musste. Und der Luci hat schon öfter auf der ganz großen Bühne gespielt, für mich war es das erste Mal. Bislang war das Endspiel in Kitzbühel mit Joel Schwärzler das größte Event für mich. Vor dem Halbfinale jetzt in Shanghai war ich dann doch sehr nervös und habe mit dem Alex darüber geredet, wie ich mit der Situation umgehen könnte. Und der Alex vermittelt als Coach eine Coolness, die auch auf mich und vielleicht auch auf den Luci abstrahlt.

Tennisnet: Zum Abschluss: Das Einzel-Finale wurde auch von Roger Federer verfolgt. Gab es ein Treffen mit dem Maestro?

Oberleitner: Die Krönung des Finaltags war, dass wir am Abend ins Players Restaurant gegangen sind und alle applaudiert haben. Und da ist auch Roger Federer gestanden, hat uns gratuliert. Das war für mich schon ein cooles Erlebnis, weil Federer mein ganz großes Idol ist. Mein Papa war der Touring-Coach von Stefan Kobel, der mit Federer sehr gut befreundet ist. Und der hat mir ein unterschriebenes Racquet besorgt. Entweder zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Das habe ich Roger dann auch erzählt - war aber sehr nervös dabei. Und habe ein bisschen zu stottern begonnen. Federer hat eine so unglaubliche Ausstrahlung. Ich habe die Trophäe von Shanghai in der Hand und rede mit Roger Federer - besser wird es nicht. 

von Jens Huiber

Dienstag
20.10.2026, 15:16 Uhr
zuletzt bearbeitet: 20.10.2026, 15:18 Uhr