WTA Finals: Rybakina und das schwere Los der Titelverteidigung

Elena Rybakina reist als Titelverteidigerin, Weltranglistenerste und frisch gekürte Nummer 1 des Jahres zu den WTA Finals nach Indian Wells. Doch sowohl die Auslosung als auch Rybakinas körperliche Verfassung haben es in sich.

von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet: 06.11.2026, 17:48 Uhr

Elena Rybakina beim Training in Indian Wells
© Getty Images
Elena Rybakina beim Training in Indian Wells

Man darf bei den am Sonntag startenden WTA Finals durchaus einiges erwarten. Allein die bereits vorab von den Medien als “Todesgruppe” titulierte Gruppe 1 hat es in sich. Neben Rybakina, die 2026 sowohl bei den Australian Open als auch bei den US Open triumphierte, stehen mit Gauff und Pegula zwei weitere etablierte Topspielerinnen sowie die tschechische Wimbledon-Siegerin Linda Noskova im Aufgebot. Nur zwei der vier Spielerinnen erreichen das Halbfinale am 14. November. Rybakina eröffnet ihre Titelverteidigung am 8. November gegen Noskova.

Auf dem Papier ist die Kasachin dennoch die Favoritin. Sie hat in dieser Saison bereits 14 Niederlagen kassiert, allerdings keine einzige gegen eine ihrer drei Gruppengegnerinnen. Auch die Bilanz der direkten Duelle spricht für sie: Gauff besiegte sie 2026 zweimal, Pegula dreimal. Noskova wartet sogar noch auf ihren ersten Satzgewinn gegen die Weltranglistenerste.

Gauff und Pegula: Die amerikanische Gefahr

Die größte Gefahr dürfte von Coco Gauff ausgehen. Die US-Amerikanerin gewann die WTA Finals 2024 und stand sowohl in Wimbledon als auch bei den US Open im Halbfinale. In New York musste sie sich dort allerdings Rybakina geschlagen geben. Auch Jessica Pegula ist keineswegs zu unterschätzen. Sie erreichte 2023 das Endspiel der WTA Finals und blickt auf eine konstante Saison mit 50 Siegen und zwei Turniertiteln zurück.

Allerdings hat Rybakina beide Amerikanerinnen in diesem Jahr regelmäßig bezwungen, auch wenn die Begegnungen nicht immer ganz deutlich waren. So musste die Kasachin gegen Gauff und Pegula etwa mehrfach einen Satzrückstand aufholen. Auch enge Tiebreaks entschieden einige ihrer Duelle. Gerade im Round-Robin-Format kann ein verschlafener Satz schnell Konsequenzen haben. Gauff und Pegula kennen zudem die Bedingungen in Kalifornien sehr gut und dürfen auf starke Unterstützung des heimischen Publikums hoffen.

Noskova als gefährliche Außenseiterin

Linda Noskova ist zwar die Debütantin in dieser Gruppe, aber keineswegs eine Gegnerin, die Rybakina unterschätzen darf. Die 21-jährige Tschechin gewann in diesem Jahr Wimbledon und wurde damit zur jüngsten Siegerin des Damen-Einzels seit Petra Kvitova 2011. Ihr kraftvoller Aufschlag kann selbst den besten Spielerinnen Probleme bereiten.

Mit einer Saisonbilanz von 35 Siegen und 15 Niederlagen weist Noskova zwar die schwächste Statistik unter den acht Qualifikantinnen auf. Ihren Platz bei den Finals sicherte sie sich über die Sonderregelung für Grand-Slam-Siegerinnen. Doch gerade ihr Status als Debütantin könnte zum Vorteil werden, denn gegen die Titelverteidigerin hat sie wenig zu verlieren.

Titelverteidigung als seltene Kunst: Serena Williams bleibt Maßstab

Die Geschichte der WTA Finals spricht nicht unbedingt für Rybakina. Seit Serena Williams zwischen 2012 und 2014 dreimal in Folge triumphierte, konnte keine Spielerin ihren Titel erfolgreich verteidigen. Die jüngsten Beispiele sind Warnung genug: Iga Swiatek scheiterte 2024 bereits in der Gruppenphase, Coco Gauff ereilte 2025 dasselbe Schicksal. Das Round-Robin-System verzeiht wenig. Eine unerwartete Niederlage kann die Ausgangslage innerhalb weniger Stunden völlig verändern.

Dabei hat Rybakina selbst erst im Vorjahr gezeigt, wie gefährlich sie bei diesem Saisonfinale werden kann. Damals qualifizierte sie sich erst spät und gewann anschließend in Riad alle fünf Matches, wobei sie lediglich einen Satz abgab. Der Triumph war der größte Titel ihrer Karriere. In diesem Jahr reist sie mit deutlich besseren Voraussetzungen an: Zwei Grand-Slam-Titel und die bereits gesicherte Jahresend-Nummer-1 nehmen ihr zumindest den Druck im Kampf um die Weltranglistenspitze. Das einzige große Fragezeichen bleibt wie in den letzten Monaten ihr körperlicher Zustand.

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von Isabella Walser-Bürgler

Freitag
06.11.2026, 19:20 Uhr
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