Jack Draper: „Die ATP-Tour gefährdet eine ganze Generation“

Aufgrund einer dauerhaften Verletzungsproblematik im linken Oberarm musste Jack Draper seine Seuchen-Saison auch frühzeitig beenden. Im Interview mit dem „Bagel Magazine“ sprach der Brite unter anderem über seine künftige Turnierplanung und die Gründe für die zahlreichen Verletzungen auf der Tour.

von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet: 31.10.2026, 08:36 Uhr

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Durch den stressigen Turnierplan der ATP sieht Jack Draper sich und seine ebenfalls verletzungsgeplagten Profikollegen gefährdet.

Nach seiner starken Spielzeit im Jahr 2025, als er in Indian Wells seinen ersten ATP-Masters-Titel erringen konnte und sich bis auf Platz 4 in der Weltrangliste vorspielen konnte, hatte sich der Brite Jack Draper die diesjährige Spielzeit ganz anders vorgestellt. Doch gerade einmal 15 Matches, teils körperlich alles andere als auf der Höhe, konnte der 24-Jährige aufgrund einer chronischen Dauerprellung seines linken Oberarmknochens bestreiten und musste um alle vier Grand-Slam-Turniere einen weiten Bogen machen.

Immerhin gibt es für den aus den Top 150 der Weltrangliste gefallenen Draper wieder etwas Licht am Tunnel. So wurde er kürzlich bei Trainingseinheiten auf Sand in Rio de Janeiro gesichtet, was zumindest die Hoffnung auf ein Comeback im Frühjahr der nächsten Saison nährt. Dennoch möchte er seine Turnierplanung künftig sehr ausgewählt angehen, wie er im Interview mit dem „Bagel Magazine“ verlauten ließ: „Ich werde definitiv so gut wie möglich auf meine Turnierplanung achten. Ich möchte eine lange Karriere haben. Ich möchte noch sehr lange spielen.“

Problematisch sieht der Linkshänder jedoch den bestehenden Turnierkalender. So sieht er den Weg für die ganz nach oben strebenden Talente als problematisch an: „Viele jungen Spieler schauen sich heute den Turnierkalender an – und manche sagen: ‚Ach, man muss doch nicht jede Woche spielen‘. Doch letztendlich wollen diese jungen Spieler die Nummer 1 werden. Und um das zu erreichen, muss man Woche für Woche antreten.“

In der Pflicht für eine Verbesserung der Situation sieht er dabei insbesondere die Verantwortlichen in den Führungsebenen: „Obwohl die Entscheidungen, mit dem Sport viel Geld zu verdienen, auch eine positive Entwicklung beinhalten, bringen sie damit eine ganze Generation in Gefahr, da die Spieler ständig mit Verletzungen zu kämpfen haben.“ Neben Draper fehlten auch Spieler wie Carlos Alcaraz, Jannik Sinner, Holger Rune, Arthur Fils und Lorenzo Musetti in dieser Saison längere Phasen aufgrund von Verletzungen.

Gründe für die zunehmenden Verletzungen sieht der britische Davis-Cup-Spieler vor allem in der Veränderung des Spiels: „Die Plätze werden langsamer, die Bälle ebenfalls – während die Athleten gleichzeitig immer leistungsfähiger werden. Die Situation ist also alles andere als gut“. Weiter führte Draper aus, wie schwierig der Umgang mit seiner Verletzung war: „Die Verletzung an meinem Schlagarm war wirklich schlimm – besonders, weil ich gerade so richtig in Schwung gekommen war. Ich gehörte zur Weltspitze, und plötzlich wird einem das alles genommen.“

Lehren aus seiner Leidenszeit konnte der dreifache ATP-Titelträger auf mehreren Ebenen ziehen: „Eine Verletzung zu haben, die einfach nicht richtig ausheilt, war brutal. Es hat mir definitiv viel über mich selbst, meinen Körper und die Menschen in meinem Umfeld beigebracht. Wenn es bei dir gut läuft, sind alle sehr nett. Wenn es dir dann nicht so gut geht, merkst du, wer sich wirklich um dich sorgt. Dennoch blickt Draper optimistisch in die Zukunft: „Ich freue mich darauf, mit einer neuen Perspektive und voller Energie zurückzukehren, um die zweite Phase meiner Karriere in Angriff zu nehmen.“ 

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