tennisnet.com Kolumne

Aufschlagriese John Isner kleingemacht – zweites Tour-Endspiel für Dominic Thiem!

Dominic Thiem hat beim ATP-Turnier in Nizza auch die Nummer drei eliminiert und steht im Finale.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 22.05.2015, 16:09 Uhr

Der tolle Lauf von Dominic Thiem bei den Open de Nice Côte d’Azur geht weiter. Nach dem6:2, 6:4über seinen guten Freund, den drittgereihten lettischen TitelverteidigerErnests Gulbis(ATP 25), hat Österreichs derzeit bester Mann beim ATP-World-Tour-250-Sandplatzevent in Nizza jetzt auch die Nummer zwei der Setzliste eliminiert. Der 21-jährige Niederösterreicher (ATP 42) machte im Halbfinale am Freitagnachmittag den AufschlagriesenJohn Isner(ATP 17) klein und zog mit einem 7:6 (5), 6:3 über den 30-jährigen US-Amerikaner in sein zweites ATP-Endspiel nachKitzbühel im August 2014ein. Dort geht es somit am Samstag (ab 14:25 Uhr live auf ORF SPORT+) um seinen ersten ATP-Titel gegen den viertgereihten ArgentinierLeonardo Mayer(ATP 24), der beim 6:4, 6:3 gegenBorna Coric(ATP 53) alle elf Breakbälle des erst 18-jährigen Kroaten zunichtemachte. Thiem hat gegen Mayer, der einer von nur zwei Spielern ist, gegen dieThomas Musterbei seinem letzten Comeback gewann, eine 1:1-Bilanz von zwei Duellen im Vorjahr. Der Lichtenwörther wird jedenfalls mit viel Selbstvertrauen zu den French Open nach Paris anreisen. Hier trifft er zu Beginn,wie die Auslosung am Freitag zu Mittag ergab, auf den für Großbritannien spielenden SlowenenAljaz Bedene(ATP 77).

Nur zwölf Eigenfehler ebnen den Weg zum Sieg

Thiem hatte in den letzten Wochen mit demViertelfinale in Münchensowie demAchtelfinale in Rombereits ansteigende Form gezeigt. Im Südosten von Frankreich knüpfte der Schützling von Günter Bresnik daran nun an – und noch viel mehr als das: Er blieb auch in seiner vierten Partie ohne einen Satzverlust. Im ersten Duell mit Isner hatte er erst mal, wenig überraschend, größte Probleme mit der Servicegewalt des Ex-Weltranglisten-Neunten, zumal dieser anfangs mit über 90 Prozent ersten Aufschlägen im Feld agieren konnte. Für ihn war also in den ersten vier Returngames außer mickrigen zwei Punktgewinnen nichts zu holen. Schon bei 0:1 musste hingegen Thiem einen Breakball abwehren, fing sich danach aber bei eigenem Service, ehe er mit jenem seines Gegners immer besser zurechtkam. Ein 0:40 bei 4:4 blieb ungenützt, bei 5:5 schlug er jedoch in einem Marathongame zu, verwertete nach zwei Spielbällen für Isner seine insgesamt achte Breakmöglichkeit des Matches. Er konnte den Sack allerdings zunächst nicht zumachen und musste prompt das Rebreak hinnehmen.

Weitere Sportnachrichten findest duhier.

Im Tiebreak musste so die Entscheidung fallen. Isner zeigte dort mit einem im zweiten Anlauf verschlagenen Smash beim Stand von 4:3 für Thiem Nerven, Letzterer erspielte sich mit einer nachfolgenden 6:4-Führung zwei Satzbälle. Ausgerechnet ein Doppelfehler verhinderte zuerst den Satzgewinn, doch mit einem Passierball auf einen zu schwachen Volleystopp Isners ging der erste Durchgang dann an ihn. Thiem legte im zweiten sogleich nach, breakte zum 2:0 und hielt die Führung bis zum Schluss. Aufs reine Verwalten beschränkte er sich dabei nicht, denn bei 4:1 fand er zwei Gelegenheiten aufs Doppelbreak vor. Mit einer beeindruckend konstanten und konsequenten Vorstellung ließ er allerdings bis zuletzt nichts mehr anbrennen. 25 Winner bei nur zwölf Eigenfehlern charakterisierten seine Performance, während Isner auf 26 Winner bei 37 unerzwungenen Fehlern kam. Thiem kam mit starker Aufschlagleistung gar auf gleich viele Asse wie sein Gegner, nämlich elf, montierte aber dessen zweiten Aufschlag gnadenlos ab. Über diesen machte Isner nur fünf Mal bei 20 Versuchen, also zu 25 Prozent, den Punkt.

Thiem „sehr glücklich“ über Einzug ins Finale

Im gesamten zweiten Satz unterliefen Thiem gerade einmal vier vermeidbare Fehler. Nur vier verlorene Punkte bei eigenem Aufschlag machten im zweiten Abschnitt alles klar. Nach 1:27 Stunden Spielzeit verwertete er den zweiten Matchball und ballte, im Jubel über den fixierten Finaleinzug, die Faust. „Es war ein sehr schweres Match, wie erwartet“, befand der Youngster im Siegerinterview. „Er hat, glaube ich, fünf meiner ersten sieben Breakbälle allesamt per Ass abgewehrt. Aber ich habe ein gutes Tiebreak gespielt und dann einen guten Sieg eingefahren.“ Körperlich fühle er sich „sehr gut, aber das muss ich – ich habe ja morgen wieder ein Match.“ Der taktische Schlüssel war freilich, Isners Aufschlag so gut wie eben möglich zu entschärfen und diesen in Ballwechsel zu verwickeln und da die eigene Überlegenheit von der Grundlinie auszuspielen – was tatsächlich perfekt aufging. „Ich habe natürlich versucht, längere Rallies zu erzwingen. Das mag er, glaube ich, nicht so.“ Thiem zeigte sich natürlich „sehr glücklich“ über sein „erstes Finale außerhalb von Österreich. Das erste habe ich leider verloren, aber ich versuche alles, um morgen meinen ersten Titel zu holen.“

Bereits jetzt sind Thiem stolze 42.100 Euro Preisgeld und 150 ATP-Punkte sicher. Mit diesen könnte er in der Weltrangliste sein am 8. September 2014 aufgestelltes Career High von Platz 36 einstellen, sofern sich Coric nicht den Turniersieg sichert. Im Endspiel geht es um weitere 37.900 Euro Preisgeld und 100 Zähler, mit denen sich dann die neue Karriere-Bestplatzierung von Rang 31 ausginge. Für eine Setzung bei den French Open kommt dies selbstverständlich, weil die derzeit gültigen Rankings herangenommen wurden, zu spät. Ein Aufscheinen in der Wimbledon-Setzliste würde dafür um einiges näher rücken. Auf seineroffiziellen facebook-Seiteäußerte sich Thiem später ebenfalls begeistert: „Ich bin mega überwältigt! Der erste Satz war knapp, als ich ihn gebreakt habe, hat er sofort gerebreakt und dann hieß es Tiebreak. Der Start in den zweiten Satz lief für mich sehr gut, er hatte Probleme mit seinem Service und ich habe meine Chance genützt. Mit meinem Spiel bin ich heute sehr zufrieden und happy, mein zweites Finale in Nizza bestreiten zu dürfen.“(Text: MaWa)

Hier die Ergebnisse aus Nizza:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

von tennisnet.com

Freitag
22.05.2015, 16:09 Uhr