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Denis Istomin – Vom Unfallopfer nach Nervenkrimi zum Premieren-Titelträger

Denis Istomin gewinnt bei den Aegon Open Nottingham im Finale gegen Sam Querrey seinen ersten ATP-Titel.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 27.06.2015, 17:59 Uhr

Seine Karriere war einst bereits an einem seidenen Faden gehangen. 2001 hatte Denis Istomin bei der Fahrt zu einem ITF-Future in Taschkent einen Autounfall gehabt, hierbei eine schwere Beinverletzung erlitten, die mit 80 Stichen (!) genäht werden musste. Drei Monate verbrachte er im Spital, konnte zwei Jahre lang nicht seiner Tennis-Leidenschaft nachgehen. „Was einen nicht umbringt, macht einen stärker“, sagte der 28-Jährige dieser Tage im Rückblick. Nun hat der Usbeke, der sich in den letzten Jahren vollends auf der Tour etabliert hatte, bei den Aegon Open Nottingham seinen ersten ATP-Titel gewonnen. Istomin setzte sich im Finale der ATP-World-Tour-250-Rasenveranstaltung am späten Samstagnachmittag vor den Augen seiner ihn trainierenden Mutter in einer Nervenschlacht gegen den zwölftgesetzten US-Aufschlagriesen Sam Querrey mit 7:6 (1), 7:6 (6) durch.

Istomin bekommt die Zitterhand…

Istomin hatte seine zwei bislang einzigen Finals in New Haven 2010 und San José 2012 beide verloren. Im dritten Versuch klappte es jetzt. Beinahe wäre es nicht mal was mit der Endspiel-Teilnahme geworden, musste die Nummer 92 in der Welt doch im Viertelfinale beim 6:3, 6:7 (8), 7:6 (6) über den viertgereihten ArgentinierLeonardo Mayer, gegen den er seinen einzigen Satzverlust im Laufe der Turnierwoche kassierte, einen Matchball abwehren. Querrey machte in derselben Runde beim 5:7, 7:6 (8), 6:4 über den zweitgesetzten FranzosenGilles Simongar zwei Matchbälle zunichte. Im Titelspiel der 2015 neu in den Turnierkalender aufgenommenen Wimbledon-Generalprobe wehrte Istomin bei 4:4 die einzigen zwei Breakbälle im ersten Satz ab, siegte im Tiebreak nach rascher 6:0-Führung glasklar und sah bei 5:2 mit Doppelbreak im zweiten Durchgang wie der sichere Champion aus. Dann bekam er jedoch die Zitterhand.

… und macht den Sack doch noch zu

Querrey steigerte sich mit dem Rücken zur Wand außerdem, holte – obwohl bei 3:5 nur einen Punkt von einer Niederlage entfernt – beide Breaks auf und hatte bei 6:5 sogar einen Satzball. Diesen konterte Istomin aber mit einem Ass, rettete sich in die Kurzentscheidung, wo er dann einen vermeintlich aussichtslosen 1:5-Rückstand noch umdrehte. Der gesamt dritte Matchball, nachdem Querrey bei 6:6 mit einem Doppelfehler nachgeholfen hatte, saß schließlich. Istomin durfte nach 102 Minuten Spielzeit aufjubeln, sicherte sich den Siegerscheck über 79.345 Euro und 250 ATP-Punkte, mit denen er im Ranking unter die Top 70 der Welt zurückkehren wird. Zum Career High von Platz 33 vom 13. August 2012 fehlt derzeit immer noch viel – und auch dazu, zum vierten Mal in Folge ein Jahr unter den Top 50 zu beenden. Ein historischer Erfolg für Usbekistans Tennis und ein großer Schritt vorwärts für ihn selbst ist es aber allemal.

Istomin: „Ich habe hierfür gearbeitet“

„Ich habe hierfür gearbeitet. Ich komme nicht her, um zwei Runden zu gewinnen. Ich komme immer her, um zu versuchen, das Turnier zu gewinnen“, erklärte Istomin nach seinem Erfolg. „Ich habe diesen Schritt geschafft und werde nun versuchen, im Ranking den nächsten Schritt nach vorne zu machen.“ Im Tiebreak des zweiten Satzes habe er übrigens ganz bewusst „den Spielstand vergessen, und ich habe nur versucht, zu spielen und kämpfen. Letztendlich hat es funktioniert. Es wäre unprofessionell von mir gewesen, nach einem 5:2 zu verlieren.“ Doppel wurde auch gespielt, im Finale am Samstagnachmittag schlugenChris Guccione(Australien) undAndré Sa(Brasilien) die auf Position zwei gesetztenPablo Cuevas(Uruguay) undDavid Marrero(Spanien) mit 6:2, 7:5. Für Guccione ist es der vierte ATP-Doppeltitel der Karriere, für Sa der neunte.

(Text: MaWa)

Hier die Ergebnisse aus Nottingham:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

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