tennisnet.com Kolumne

5 Fragen vor Turnierbeginn in Paris

tennisnet.com stellt fünf brennende Fragen zu den French Open.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 23.05.2015, 07:30 Uhr

Von Christian Albrecht Barschel

HältNovak Djokovicdem Druck stand?

Es erinnert ein wenig an das Jahr 2011. Damals war Novak Djokovic ebenfalls in einer überragenden Form, vielleicht noch besser als derzeit. Djokovic reiste damals ohne Saisonniederlage zu den French Open, hatte zuvor Rafael Nadal in den Finals von Madrid und Rom bezwingen können. Im Halbfinale in Paris verlor Djokovic in einem hochklassigen Match gegen einen stark aufspielendenRoger Federer. Dem „Djoker“ fehlte bei den French Open immer ein Quäntchen, um den Titel zu gewinnen. Die Vorzeichen, dass er dieses Jahr den Karriere-Grand-Slam vervollständigt, stehen so gut wie noch nie. Seine überragende Form, ein schwächelnder Nadal und eine gute Auslosung (zumindest bis zum Viertelfinale) sprechen für Djokovic. In der Runde der besten Acht könnte es zum großen Showdown mit Nadal kommen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob der Weltranglisten-Erste so unantastbar ist, wie es derzeit scheint.

LäuftRafael Nadalauf dem Court Philippe Chatrier wieder heiß?

Margaret Court hat ihr Heimturnier, die Australian Open, elfmal gewonnen. Außer der Australierin hat kein Spieler oder Spielerin bei einem Grand-Slam-Turnier öfter als neunmal triumphiert. Zugegeben: Die Erfolge von Court passierten zu einer Zeit, in denen die Konkurrenz im Damentennis, vor allem bei den Australian Open, nicht so groß war. Deshalb sind die neun French-Open-Titel von Rafael Nadal weitaus höher einzuschätzen, für manche sind sie sogar unmenschlich. Der Spanier geht mit großen Fragzeichen in sein Lieblingsturnier. Erstmals geht er in Paris an den Start, ohne vorher zumindest einen Titel bei den großen Turnieren in Monte Carlo, Madrid und Rom gewonnen zu haben. Schlecht waren Nadals Ergebnisse in der French-Open-Vorbereitung natürlich nicht, aber man ist anderes gewohnt vom besten Sandplatzspieler aller Zeiten. In Paris könnte jedoch wieder alles anders sein. Auf dem Court Philippe Chatrier fühlt sich Nadal noch weitaus wohler als auf anderen Sandplätzen. Der lange Auslauf kommt ihm zugute, dazu noch der Modus über drei Gewinnsätze. Und dennoch: Die Auslosung hat es nicht gut gemeint mit dem Spanier. Läuft alles nach Plan, bekommt er es bereits im Viertelfinale mit Novak Djokovic zu tun. Weit voraus blicken wollte er allerdings nicht. „Ich muss erst mal vier Runden gewinnen“, sagte Nadal nach der Auslosung.

Spielen sichEugenie BouchardundAgnieszka Radwanskaaus der Krise?

Eugenie Bouchard glänzt derzeit mehr abseits des Platzes als auf dem Platz. Die Kanadierin wurde diese Woche als am besten vermarktbare Athletin gekürt. Bouchard ist nach den Australian Open in ein sportliches Loch gefallen und hat seitdem eine Bilanz von 3:8. Besonders bitter war das Fed-Cup-Wochenende im April, wo sie beide Einzel verlor undmit dem „Handshake-Gate“ Negativschlagzeilen machte. Auch für Agnieszka Radwanska läuft die bisherige Saison mehr schlecht als recht. Die Polin startete mit großen Ambitionen ins Jahr und hatte die Grand Dame des Damentennis, Martina Navratilova, als Teilzeitrainerin verpflichtet. Doch die Ergebnisse blieben aus, sodass Radwanska nach dreieinhalb Jahren aus den Top Ten stürzte. Bereits zuvor hatte Papa Radwanska den Rauswurf des Langzeitrainers seiner Tochter, Thomaz Wiktorowski, gefordert. Inzwischen ist Navratilova aus Zeitgründen nicht mehr an Bord. Die Auslosung bei den French Open verspricht für Radwanska zumindest in den ersten Runden annehmbare Gegnerinnen. Für Vorjahreshalbfinalistin Bouchard sieht es etwas düsterer aus. Sie trifft auf die unberechenbare FranzösinKristina Mladenovic.

Heißt es wieder „Bonjour tristesse“ für Frankreichs Herren?

32 Jahre ist es nun her, dass ein französischer Herrenspieler die French Open gewinnen konnte.Yannick Noah war damit auch der letzte Franzose, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Die Chancen, dass die Titeldürre dieses Jahr in Paris ein Ende findet, stehen nicht allzu gut. Frankreichs Herren sind zwar bei den Grand-Slam-Turnieren immer gut vertreten, doch mit einem Coup soll es einfach nicht sein.Jo-Wilfried Tsongaist nach langer Verletzungspause noch weit entfernt von der Bestform,Gilles Simonmusste in Nizza verletzungsbedingt zurückziehen und bangt um seinen Start. Das ehemalige WunderkindRichard Gasquethat immer wieder Ausreißer nach oben, verliert jedoch meist die großen Matches. Bleibt da nochGael Monfils? Dem unberechenbaren Showman ist in Roland Garros vieles zuzutrauen.Monfils spielt in seiner Heimat immer sein bestes Tennisund hat zudem eine ordentliche Auslosung erwischt. Im Achtelfinale könnte es gegen Roger Federer gehen, gegen den er zuletzt zweimal auf Sand mit einer taktischen Meisterleistung gewinnen konnte. Monfils als French-Open-Sieger? Warum nicht?!

Wie wird das Wetter in Paris?

Diese Frage wird sich vor allem Rafael Nadal stellen. Denn der Spanier läuft in Paris so richtig heiß, wenn es warm und trocken ist. Denn dann nehmen die Bälle seinen gefürchteten Spin noch weitaus mehr an. Aber auch Roger Federer, zumindest wenn er nicht gegen Nadal ran muss, undSerena Williamswürde es sicherlich freuen, wenn die Sonne scheint und das Thermometer weit über 20 Grad steigt. Bei diesen Bedingungen ist das Spieltempo in Roland Garros für viele sogar zügiger als in Wimbledon. Die Vorhersage für die erste Turnierwoche in Paris verspricht milde Temperaturen knapp über 20 Grad und kaum Regen.

Hier die Tableaus von den French Open:Damen,Herren.

von tennisnet.com

Samstag
23.05.2015, 07:30 Uhr