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Sportorthopäde klärt auf: „Jannik Sinner will seine Karriere retten“

Jannik Sinner hat seine Saison aufgrund anhaltender Knieprobleme vorzeitig beendet. Der renommierter italienischer Orthopäde erklärt nun, warum diese Entscheidung gut ist und was es mit Sinners Beschwerden auf sich hat.

von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet: 07.10.2026, 13:23 Uhr

Jannik Sinner in Wimbledon 2026
© Getty Images
Jannik Sinner in Wimbledon 2026

Jannik Sinner hat sich mittlerweile dazu entschieden, nicht mehr in Shanghai, Wien, Paris und bei den Finals aufzuschlagen und stattdessen seine Saison frühzeitig zu beenden. Für Giovanni Di Giacomo, seines Zeichens langjähriger Spezialist für Sportorthopädie und ehemaliger Referenzarzt der Italian Open und ATP Finals, ist das die richtige Entscheidung. „Er will seine Karriere retten, nicht die Saison“, sagt er in einem Interview mit Fanpage.it.

Könnte Sinner seine Beschwerden indes übergehen und trotzdem versuchen, sich für die letzten großen Turniere fit zu machen? Zweifellos, glaubt Di Giacomo. Das Risiko sei aber schlicht zu groß. Sehnenverletzungen müssten nun einmal vollständig ausheilen, bevor ein Spieler wieder die volle Belastung eines Spitzensportlers verkraften könne. Schmerzfreiheit allein sei dafür kein ausreichendes Kriterium.

Sinners Knie ist offenbar nur das Symptom

Nach den derzeit bekannten Informationen handelt es sich bei Sinners Verletzung um eine Art chronische Bänderentzündung. Solche Beschwerden seien unangenehm und hartnäckig, erklärt Di Giacomo im Interview. Da Sehnen vergleichsweise schlecht durchblutet werden, könne die vollständige Heilung deutlich länger dauern als das Verschwinden der akuten Schmerzen.

Die eigentliche Frage, die sich das Team Sinner stellen muss, ist, warum die Belastung überhaupt immer wieder am rechten Knie auftritt. „Der Schmerz am Knie ist nur das Symptom“, erklärt Di Giacomo. Die eigentliche Ursache könne beispielsweise in der Körperstatik, im Becken, im Rücken oder in einer fehlerhaften Belastungskette liegen. Deshalb werde aktuell neben Sinners Knie auch seine Haltung und seine Biomechanik untersucht.

Eine Operation steht nicht zur Debatte

Eine Operation ginge in diesem Fall offenbar am eigentlichen Problem vorbei. Di Giacomo vergleicht den Körper mit einem Auto, bei dem Reifen ungleichmäßig abgenutzt werden: Man könne zwar den Reifen wechseln, müsse aber herausfinden, warum die Spur oder die Ausrichtung nicht stimmt. Übertragen auf Sinner bedeutet das, dass es nicht ausreichen würde, das Knie zu behandeln, wenn die Ursache für die wiederkehrende Überlastung an einer anderen Stelle der kinetischen Kette liegt.

Auch die hohe Belastung des Tennisprofis spielt dabei eine Rolle. Sinner hat in den vergangenen Jahren enorme Match- und Reiseumfänge absolviert. Doch Di Giacomo warnt davor, allein die Anzahl der Spiele für das Problem verantwortlich zu machen. Jeder Körper reagiere anders auf Belastung. Bei Sinner sei das Knie offenbar die Schwachstelle.

Geheilt heißt noch lange nicht spielfähig

Wann Sinner zurückkehrt, lässt sich deshalb derzeit nicht seriös vorhersagen. Di Giacomo stellt aber klar: „Geheilt und bereit sind nicht dasselbe.“ Ein Spieler könne im Training schrittweise wieder Belastung aufbauen und trotzdem noch nicht bereit sein, auf höchstem Niveau mehrere Matches unter Wettkampfbedingungen zu bestreiten.

Von einer schweren Erkrankung will der Orthopäde ausdrücklich nicht sprechen. Die Problematik sei viel komplexer. Sie müsse im Prinzip vollständig ausheilen, während das Team herauszufinden hat, welche biomechanischen Faktoren die Beschwerden begünstigt haben. Dafür reichen keine zwei oder drei Wochen. Bis zum Jahreswechsel stehen Sinner nun immerhin knapp drei Monate zur Verfügung. 

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von Isabella Walser-Bürgler

Mittwoch
07.10.2026, 15:46 Uhr
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