Die denkwürdigsten deutschen Damen-Matches – Platz 12
Das Wunder von Prag blieb aus: Angelique Kerber verlor im Fed-Cup-Finale ein dramatisches Match gegen Petra Kvitova.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
01.12.2014, 08:45 Uhr

Vom 1. bis 24. Dezember präsentierttennisnet.comeine redaktionelle Bestenliste und kürt die zwölf denkwürdigsten deutschen Matches bei den Damen und Herren. Für die Wertung wurde nicht nur der Spielverlauf und die Dramatik, sondern auch die historische Bedeutung der Matches berücksichtigt. In unseremtennisnet.com-Adventskalenderwerden wir bis Heiligabend abwechselnd ein Türchen bei den Damen und Herren öffnen. Wir wollen euch damit die tennisfreie Weihnachtszeit etwas versüßen. Getreu dem Motto „Ladies first“ haben die Damen immer den Vorrang. Die Herren ziehen dann nach.
Die denkwürdigsten deutschen Damen-Matches: Platz 12
Angelique Kerber – Petra Kvitova (Tschechien) 6:7 (5), 6:4, 4:6
(9. November 2014 in Prag – 3. Einzel Finale Fed Cup)
Die Vorgeschichte:
Das deutsche Team hatte dieses Jahr nach 22 Jahren wieder das Finale im Fed Cup erreicht. Der Titelhunger bei der Truppe von Kapitänin Barbara Rittner war groß. Doch nach dem ersten Tag in Prag im Endspiel gegen Tschechien herrschte tiefe Enttäuschung beim deutschen Team. SowohlAndrea Petkovicals auch Angelique Kerber erwischten keinen guten Tag, sodass es mit einem 0:2-Rückstand in den zweiten Tag ging. Kerber hatte im Einzel gegenLucie Safarovaviele Chancen, führte in beiden Sätzen mit 4:2, um dann völlig den Faden zu verlieren.Bezeichnend dafür war ihr zu frühes Jubeln über einen vermeintlichen Punktgewinn, der schließlich zum Verlust des ersten Satzes führte. Das deutsche Team brauchte am zweiten Finaltag ein Wunder, denn seit der Einführung des Best-of-Five-Formats im Fed Cup im Jahr 1995 hatte noch nie ein Team nach einem 0:2-Rückstand im Finale noch gewonnen. Den Anfang für das Wunder sollte Kerber im Spitzeneinzel gegen die amtierende Wimbledonsiegerin Petra Kvitova machen.
Das Match:
Kerber zeigte sich im Vergleich zum Vortag völlig ausgewechselt und spielte gegen Kvitova groß auf. Die Zuschauer in der ausverkauften O2-Arena erlebten sehenswerte Ballwechsel am Fließband und schufen eine finalwürdige Atmosphäre. Kerber erspielte sich im ersten Satz eine 5:2-Führung mit zwei Breaks. Doch wie schon am Vortag gegen Safarova wurde der Kielerin die mangelnde Chancenauswertung zum Verhängnis. Insgesamt sechs Satzbälle ließ Kerber liegen, ehe es in den Tiebreak ging, wo sich Kvitova als nervenstärker erwies. Die Deutsche schien nun mental erledigt zu sein. Kvitova zog im zweiten Satz mit zwei Breaks auf 3:0 voran. Das Wunder von Prag war in ganz weite Ferne gerückt. Doch Kerber gab sich nicht auf, hielt mit allem, was sie hatte, dagegen, holte die beiden Breaks auf und schaffte tatsächlich den Satzausgleich. Nun hing Kvitova durch, die mit Krämpfen und Oberschenkelproblemen zu kämpfen hatte. Kerber schaffte im dritten Satz ein frühes Break und führte mit 4:1. Der erste Schritt zum deutschen Fed-Cup-Wunder war nicht mehr weit. Kerber und Führungen – das passte in diesem Fed-Cup-Finale jedoch gar nicht zusammen. Kvitova wurde trotz der körperlichen Probleme zunehmend stärker, ging mit 5:4 in Führung und servierte zum Fed-Cup-Sieg. Kerber stemmte sich nochmals vehement gegen die Niederlage, wehrte drei Matchbälle ab, ehe die Tschechin nach 177 intensiven und hochklassigen Spielminuten ihren vierten Matchball zum Fed-Cup-Triumph von Tschechien verwandelte.
Die Auswirkungen:
Der große Traum der deutschen Fed-Cup-Damen war nach diesem Drama, das einer Achterbahnfahrt glich, endgültig geplatzt. Nachdem es im Anschluss an Kerbers Niederlage einige Tränen auf dem Platz gab,blickten die Spielerinnen wenig später bereits optimistisch in die Zukunft. „Irgendwann werden wir es packen. Es war nicht das letzte Mal, dass wir im Finale standen“, sagte Kerber. Teamchefin Rittner richtete eine Kampansage an die Konkurrenz. „Ich bin saustolz. Wir werden zurückkommen und wir werden dieses Scheiß-Ding gewinnen, so wahr ich hier stehe“, sagte Rittner. 2015 gibt es dann den nächsten deutschen Angriff auf den Fed-Cup-Titel.
(Text: cab)
