tennisnet.com Kolumne

Tektonische Verschiebungen im „Fräulein-Wunder“

Bei den deutschen Damen profiliert sich gerade die nächste Generation.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 25.07.2016, 09:55 Uhr

NUREMBERG, GERMANY - MAY 17: Annika Beck, Laura Siegemund and Anna-Lena Friedsam arrive for the Players' Party on day four of the Nuernberger Versicherungscup 2016 on May 17, 2016 in Nuremberg, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Als vor fünf Jahren der Begriff des neuen deutschen Fräuleinwunders geprägt wurde, da waren sie die Hauptdarstellerinnen:Julia Görges,Angelique Kerber,Andrea PetkovicundSabine Lisicki. Petkovic war die erste, die regelmäßig gut bei Grand-Slam-Turnieren spielte. Görges gewann als erste aus dieser Generation ein wichtiges Turnier, noch dazu daheim, den Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. Kerber rückte international in den Blickpunkt, als sie bei den US Open 2011 ins Halbfinale vorstieß, nur wenige Wochen nach einem niederschmetternden Erstrunden-Aus in Wimbledon. Lisicki schließlich spielte sich 2013 als Wimbledon-Finalistin in den Fokus der Sportwelt, eroberte besonders als strahlende, lächelnde Centre-Court-Figur die Herzen der Briten. Lange stellten diese vier Spielerinnen auch das Gerüst des deutschen Fed-Cup-Teams, ergänzt um die DoppelspezialistinAnna-Lena Grönefeld.

Blickt man nun in diesem Sommer auf die Weltrangliste, auch auf die Nominierungen für die Olympischen Spiele in Rio, dann sind neue Kräfteverhältnisse und ein Generationenwechsel augenfällig. Angelique Kerber, die stabilste aller deutschen Spielerinnen in den letzten Jahren, ist die unangefochtene Nummer eins in der nationalen Hierarchie, die Weltklasse-Spielerin darf sich sogar Hoffnungen machen, einmal die globale Führungsposition zu übernehmen, wennSerena Williamsin den Ruhestand tritt.

Hinter Kerber allerdings hat sich die Architektur verändert, an diesem Montag grüßt die tüchtige Metzingerin undBastad-SiegerinLaura Siegemundals neue Nummer zwei des DTB. Den Bronzeplatz besetzt die BonnerinAnnika Beck, erst dann folgt Andrea Petkovic, die nach dem Trainerwechsel zu Jahresbeginn noch immer um bessere Ergebnisse ringt. Nummer fünf in der DTB-Hitliste geht anAnna-Lena Friedsam, dahinter folgen mit erheblichem Abstand Julia Görges und Sabine Lisicki. Bezeichnend: Am Wochenende, an dem Siegemund in Schweden ihren ersten Tour-Titel gewann, scheiterte in Toronto Lisicki in der Qualifikation für das Hauptfeld. Kein Zweifel: Besonders Beck und Friedsam stehen für ein Erstarken der nächsten deutschen Generation. AuchCarina Witthöftsollte nicht vergessen werden, ihr Wimbledon-Auftritt jüngst machte Hoffnung, dass auch sie noch ihre großen Potenziale öfter und an den richtigen Schauplätzen ausspielen könnte.

Wer hätte es vor ein, zwei Jahren für möglich gehalten, dass zu den Olympischen Spielen weder Görges noch Lisicki als Einzelspielerinnen fahren werden – und Petkovic ihren Solistinnen-Platz noch gerade so eben verteidigen kann? Mit Siegemund und Beck gehen nun zwei Spielerinnen ins Rennen, die in dieser Saison immer wieder überzeugt haben, auch in kritischen Lagen. Bei Beck fällt einem da besonders das couragierte Auftreten im Fed Cup ein. So viel Mut und Selbstvertrauen ist allen Deutschen zu wünschen, die bald unterm Zuckerhut um die Medaillen fighten werden, ob im Einzel, Doppel oder Mixed. Anders als vor vier Jahren in London besteht begründete Zuversicht, dass das DTB-Team mit Medaillen von der Mission Olympia zurückkehren wird.

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Montag
25.07.2016, 09:55 Uhr