„Big Point“ – Wer ist bei 30:30 der Beste?
Und mit welcher Taktik kommt man bei diesem Spielstand oft zum Erfolg?
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
25.03.2016, 13:54 Uhr

Jeder Hobbyspieler kennt das Gefühl, wenn der Atem schneller geht und der Arm zu zittern beginnt. Beim Spielstand von 30:30 und eigenem Aufschlag ist klar: Jetzt zählt es, Spielball oder Breakball - diesen Punkt muss ich gewinnen. Den Profis geht es in dieser entscheidenden Situation oft nicht anders. ATP-Zahlen-Guru, Craig O'Shannessy, untersuchte, welcher der acht besten Spieler der Welt bei diesem Spielstand die beste Quote hat, seinen Aufschlag zu halten. Grundlage der Analyse war die gesamte Saison 2015 und die ersten zwei Monate der laufenden Spielzeit.
Roger Federer ist der "30:30-König"
Beginnt ein Aufschlagspiel bei Null zu Null, ist der Puls noch nicht im roten Bereich. Nimmt man diesen Ausgangswert, halten die Top Acht ihr Service zu 86 Prozent. Steht es 30:30 sinkt die Quote durchschnittlich auf 79 Prozent. Doch hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Roger Federer gewinnt seine Aufschlagspiele von da an mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent, während Rafael Nadal hier nur zu 71 Prozent seinen Aufschlag hält.
Gewinnen die Topspieler den "Big Point" zum 40:30, sind sie fast unfehlbar. Zu 93 Prozent folgt dann auch der Spielgewinn. Allerdings ist an dieser Stelle Novak Djokovic der Krösus. Schlägt der Serbe zum Spielgewinn auf, hat er in 97 Prozent der Fälle auch Erfolg damit. Bei Kei Nishikori und David Ferrer sind es dagegen nur 91 Prozent. Ausschlaggebend sind neben der Nervenstärke sicherlich vor allem die generellen Aufschlagfähigkeiten. Roger Federer und Novak Djokovic können hier ihre Stärken besonders gut zur Geltung bringen.
Der "Maestro" ist auch Break-Verhinderer Nummer eins
Doch was passiert, wenn es in die negative Richtung läuft und es plötzlich 30:40 steht? Bei Breakball gegen sich reicht es für die Top Acht durchschnittlich nur noch zu 52 Prozent, das Aufschlagspiel zu gewinnen. Tomas Berdych (44 Prozent) und Rafael Nadal (45 Prozent) bleiben dabei als einzige dieses Kreises unter der 50-Prozent-Marke, während Roger Federer erneut mit 58 Prozent vorne liegt.
Der Unterschied, zwischen den Chancen bei 40:30 und 30:40 seinen Aufschlag durchzudrücken, liegt also bei beachtlichen 41 Prozent. O'Shannessy weiß deshalb, welche Taktik an diesem sensiblen Punkt am erfolgsversprechendsten ist: Ein guter erster Aufschlag mit folgendem druckvollen Grundschlag ist Grundvoraussetzung, um den Gegner zu einem Fehler zu zwingen. Der Aufschläger sollte in dieser Situation keinen riskanten Gewinnschlag ansetzen oder auf einen leichtfertigen Fehler des Gegners hoffen. Effektiv sei es, einen Slice-Aufschlag auf der Einstandseite zu servieren, um den Gegner daraufhin mit einer tiefen Vorhand in Bedrängnis zu bringen. Idealerweise kann dieser dann nur noch mit einer aus dem Lauf geschlagenen Rückhand reagieren.
