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Australian Open 2022: Krawietz und Mies hellen die Stimmungslage auf

Kevin Krawietz und Andreas Mies spielen 2022 wieder gemeinsam Doppel. Bei den Australian Open haben die beiden einen guten Start hingelegt.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 21.01.2022, 15:25 Uhr

Kevin Krawietz bei den Australian Open 2022
Kevin Krawietz bei den Australian Open 2022

Alexander Zverev wird auch in Melbourne nicht müde, von seinem großen Traum zu sprechen. Vom Traum, in dieser Saison endlich eines der vier großen Turniere im Tennis zu gewinnen. „Unbedingt“ wolle er diese Herausforderung meistern, sagt Zverev: „Es wird Zeit, dass ich den Grand-Slam-Durchbruch schaffe. Ich bin bereit dafür.“ Dass es mit Kevin Krawietz und Andreas Mies allerdings zwei aktive deutsche Spieler gibt, die ihre Karriere schon mit diesem spektakulären Coup gekrönt haben, wird beim oft verengten Blick auf Zverev nahezu vergessen. Die verschworenen Doppel-Brüder im Geiste, die zweimaligen French-Open-Gewinner, sind bei den Offenen Australischen Meisterschaften nun gerade wieder zurückgekehrt auf die großen Bühnen. Und sorgen für Titelhoffnungen jenseits von Olympiasieger Zverev, früher oder später.

Ein Jahr lang war die Partnerschaft des zurückhaltenden Coburgers Krawietz und des temperamentvollen Kölners Mies quasi außer Kraft gesetzt. Mies hatte sich einer komplizierten Knieoperation unterziehen müssen, die Zwangspause zog sich über die gesamte Spielserie 2021 hin. Erstmals seit ihrem zweiten French Open-Triumph im Herbst 2020 gehen sie jetzt in Melbourne wieder als Grand-Slam-Allianz an den Start – und spielen auf Anhieb größtenteils mit vertrauter Harmonie und Durchschlagskraft auf. Am Freitag erreichten sie sogar erstmals in ihrer Doppelkarriere das Achtelfinale des Majorwettbewerbs in Melbourne, nach hartem Kampf besiegten sie das amerikanische Duo Austin Krajicek/Sam Querrey mit 6:4, 6:7 (7:9) und 6:4. „Wir brauchen noch ein bisschen, um wieder bei 100 Prozent zu sein“, meinte Mies hinterher, meist der Wortführer der Tennis-Verbündeten, „aber wir sind erleichtert, so gut in das Turnier gefunden zu haben. Nächste Gegner von „Kramies“ sind nun der Australier John Peers und der Slowake Filip Polasek.

Zverev im Achtelfinale gegen Shapovalov

Die Siegertypen im Doppelwettbewerb hellten auch ein wenig die Stimmung im deutschen Lager auf, in dem Zverev nach den beiden Auftaktrunden trauriger Weise schon wieder als letzter Solist verblieben war. Deutschlands Sportler des Jahres 2021 erfüllte bisher in Melbourne seine Pflicht und Schuldigkeit, nicht mehr und nicht weniger. Die erste Turnierwoche überstand er ohne Satzverlust – am Freitag gewann er glanzlos mit 6:3, 6:4 und 6:4 gegen den Moldawier Radu Albot. Im Achtelfinale trifft er nun auf den kanadischen Linkshänder Denis Shapovalov, es dürfte die mit Abstand schwerste Prüfung für den Weltranglisten-Dritten werden. „Viel schlechter als heute werde ich da hoffentlich nicht spielen“, meinte Zverev sarkastisch, bevor er sich – unzufrieden über seine Leistung – am Freitag noch einmal eine Extraschicht auf dem Trainingsplatz gönnte.

Krawietz und Mies sind fürs erste noch bescheidener in ihren Ansprüchen und Erwartungen. Die wiedervereinigten Asse müssen nach der langen Einsatzunterbrechung erst wieder das perfekte Feintuning auf dem Platz finden. „Doppel auf diesem Niveau, das bedeutet vor allem, total aufeinander abgestimmt zu sein. Da muss jedes Detail passen, sonst kannst du ganz oben nicht mitmischen“, sagt Krawietz, der ruhige Bayer, der in der vergangenen Saison an der Seite des Rumänen Horia Tecau gewirkt und mit dem Ersatzpartner sogar das ATP-Finale erreicht hatte. Dabei war immer klar, dass sich die deutschen Champions wieder zusammenfinden würden, wenn Mies seine Verletzung überwunden hat. „Wir sind uns da treu geblieben: Du musst ja in guten und in schlechten Zeiten zusammenstehen“, sagt Mies, „schließlich ist so eine Partnerschaft auch eine Art Ehe.“ Mies findet auch, dass ihm und Krawietz die Auszeit gar nicht „übermäßig geschadet“ habe: „Du begreifst so auch, was du aneinander hast. Wie wertvoll diese Partnerschaft ist.“

Schon beim letzten Vorbereitungsturnier in Sydney tankten die beiden Davis Cup-Spieler Selbstvertrauen für die Grand Slam-Aufgabe – erst im Halbfinale ging ihre Kampagne da zu Ende. Nun wollen die beiden Weltklassespieler langsam, aber sicher zu voller Stärke zurückfinden und schon in Melbourne weiter für Unruhe sorgen. Überraschungsmomente bei den großen Turnieren sind schließlich ihre Spezialität, wer weiß, wie und wann dieser Neustart bei den Australian Open noch endet für Krawietz und Mies. 

Hier das Doppel-Tableau in Melbourne

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