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Australian Open: "Das Ei des Djokovic" und weitere Rätsel

Die Entscheidung darüber, ob Novak Djokovic an den Australian Open 2022 teilnehmen kann, wird wohl erst morgen fallen. Die Aufregung um den Branchenprimus stört auch die Kollegen.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 12.01.2022, 12:00 Uhr

Novak Djokovic blickt immer noch ins Ungewisse
© Getty Images
Novak Djokovic blickt immer noch ins Ungewisse

Am Mittwoch hatte Novak Djokovic mal wieder einen ungewöhnlichen Termin. Der Mann, über den sich gerade die ganze Welt den Kopf zerbricht, begab sich mit einer Limousine des Australian-Open-Fahrdienstes zu einer speziellen Klinikeinrichtung -  draußen in einem der südlichen Vororte von Melbourne. Djokovic ist als Anwender der dortigen, eher extravaganten Dienstleistung beileibe kein Unbekannter, seit Jahren schwört er auf die beflügelnde Wirkung von Druckkammern, die Höhenluft simulieren sollen. „Ei des Djokovic“ wird das ovale Wunderding sogar genannnt, die sagenumwobene, nicht verbotene Sauerstoff-Therapie (HBO-Therapie) dahinter wird allerdings schon länger als „Verstoß gegen den Geist des Sports“ gebrandmarkt.

Djokovic ist bekannt dafür, alle nur möglichen Grenzen auszuloten, um in seinem sportlichen Ehrgeiz voranzukommen. Gerade scheint es der 34-jährige Serbe darauf anzulegen, die Trainingsrückstände der letzten turbulenten Tage mit dem Zwangsaufenthalt in einem Abschiebehotel irgendwie aufzuholen. Immer wieder wurde er in den letzten 48 Stunden bei schweißtreibenden Übungseinheiten auf den Courts des National Tennis Centers oder in Fitnessräumen gesichtet, der neunmalige Melbourne-Champion sei, wie ein Beobachter erklärte, mit „heiligem Eifer bei der Sache“. 

Klarheit erst am Donnerstag

Aber ob es zu einer zehnten Titelmission und spektakulären Centre-Court-Duellen mit dem serbischen Nationalhelden überhaupt kommen wird ab dem kommendem Montag, ist noch längst nicht ausgemacht. Djokovic muss weiter mit einer schnellen Abschiebung im Drama um seine Aufenthaltsgenehmigung Down Under rechnen, erst am Donnerstag dürfte Klarheit herrschen, ob Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke von seiner Exekutivgewalt Gebrauch macht und Djokovic das Visa aufs Neue entzieht. Oder ob die Regierung sich traut, den prominenten Impfverweigerer trotz aller Aversionen auf dem Fünften Kontinent doch im Land zu lassen.

Knapp eine Woche nach dem denkwürdigen Auftakt zu der Affäre am Tullamarina Airport meldete sich der umstrittene Djokovic jedenfalls nun auch erstmals ausführlicher mit einer Stellungnahme zu Wort. Wenn der weltbeste Tennisspieler allerdings geglaubt hatte, damit auch nur annähernd Klarheit zu schaffen und die allgegenwärtigen Zweifel auszuräumen, war es eine gigantische Fehleinschätzung. Zur Erinnerung: Djokovic hatte aus Sorge, sich beim Besuch eines Basketballspiels in Belgrad mit dem Corona-Virus angesteckt zu haben, am 16. Dezember einen PCR-Test unternommen. Laut der Dokumentation, die er bei seiner späteren Einreise den Grenzbeamten am Flughafen vorlegte, wurde am Abend jenes Tages, um 20.19 Uhr, ein positives Resultat ermittelt. Nun gibt Djokovic an, er habe das extrem wichtige Ergebnis erst am 17. Dezember erhalten – und zwar nachdem er mehrere öffentliche Auftritte absolviert habe, auch mit Tenniskindern in seinem eigenen Tenniscenter. Selbst wenn man seiner Argumentation folgte, stellte sich die Frage: Warum ließ Djokovic nicht kategorisch Vorsicht walten und blieb in Isolation, bevor er Kenntnis von seinem Testergebnis erhielt?

Djokovic räumt Fehler ein

Schwerwiegende Fehler räumt Djokovic allerdings auch ein in seinem Statement. Dass er am 18. Dezember einen Pressetermin mit dem französischen Fachblatt „L´ Equipe“ wahrgenommen habe, sei eine „Fehleinschätzung“ gewesen: „Ich hätte diese Verpflichtung verschieben sollen.“ Er habe die Journalisten halt „nicht enttäuschen“ wollen, so Djokovic. Wenig überzeugend klingt eine weitere Aussage Djokovics, die sich mit der nicht korrekten Angabe in seinen Einwanderungsdokumenten befaßt, er sei in den letzten 14 Tagen vor dem Start nach Melbourne nicht gereist. Bei der Falschangabe handele es sich um einen „menschlichen Irrtum“, den sein Agent gemacht habe, gab Djokovic zu Protokoll Bekanntermaßen hatte sich der 20-malige Grand Slam-Gewinner um den Jahreswechsel zum Training in Marbella aufgehalten.

Währenddessen geriet Djokovics PCR-Test selbst ins Zwielicht. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ deuteten digitale Spuren darauf hin, dass der Test erst am 26. Dezember erfolgte. Was auch den erstaunlichen Umstand erklären könnte, dass Djokovic in seiner Einreisedokumentation eine Bescheinigung vorlegte, wonach er am 22. Dezember bereits wieder negativ getest worden sei. IT-Experten, die sich mit den Testergebnissen befaßten, äußerten den Verdacht einer Manipulation: „In jedem Fall scheint hier etwas nicht zu stimmen.“

Derweil beschrieben Tennisprofis die Atmosphäre im „National Tennis Center“, dem Schauplatz der Australian Open, als „angespannt“: „Viele ärgern sich über das Ausmaß, das die Affäre um Djokovic erreicht hat. Über Tennis spricht niemand.“ Für Djokovics Konkurrenten ist die Lage umso ärgerlicher, da 97 Prozent der männlichen Spieler mittlerweile gegen das Corona-Virus geimpft sind. Womöglich brachte der Ungar Marton Fucsovics, einer der Aufsteiger der Vorsaison, die Stimmung auf den Punkt, als er sagte, nach seiner Meinung gehöre Djokovic nicht als Teilnehmer „an diesen Platz, zu diesem Turnier.“ Australische Medien zitierten eine neue Umfrage, wonach sich knapp die Häfte der Bevölkerung für eine sofortige Abschiebung Djokovics ausspreche. Etwa 30 Prozent sei das weitere Vorgehen der Regierung egal. 

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