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Australian Open: So könnte Dominic Thiem der ganz große Coup gelingen

Am heutigen Donnerstag hat das Los entschieden, wie denn die Gegner von Dominic Thiem bei den am Montag startenden Australian Open aussehen werden. Wir haben uns die Auslosung des Österreichers genauer angeschaut und haben den optimalen Weg zum Grand-Slam-Sieg parat.

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 16.01.2020, 19:30 Uhr

Dominic Thiem will bei den Australian Open voll angreifen, das ist sein möglicher Weg zum Grand-Slam-Titel
Dominic Thiem will bei den Australian Open voll angreifen, das ist sein möglicher Weg zum Grand-Slam-Titel

Runde eins: Der Auftaktgegner…

… heißt Adrian Mannarino und kommt aus Frankreich. Gegen den Linkshänder hat Dominic Thiem bislang eine weiße Weste und konnte alle sieben Duelle für sich entscheiden. Seit 2016 hat Thiem gegen seinen 31-jährigen Kontrahenten überhaupt keinen Satz mehr hergegeben. Das letzte Aufeinandertreffen fand übrigens bei den Australian Open statt. 2018 nämlich, als der Lichtenwörther mit 6:4 6:2 und 7:5 ins Achtelfinale stürmte. Hier sollte der Österreicher nichts anbrennen lassen.

Runde zwei: Ein Pflichtsieg…

… wartet in Runde zwei auf Dominic Thiem. Hier trifft der Österreicher auf den Sieger der Begegnung Alex Bolt gegen Albert Ramos-Vinolas. Der 27-jährige Australier Bolt ist ein alter Bekannter von Dominic Thiem. Die beiden standen sich nämlich bereits 2012 gegenüber - damals noch auf der Future-Tour. Im Head to Head steht es hier 1:1, da das letzte Duell aber fast acht Jahre in der Vergangenheit liegt, hat diese Statistik wenig Aussagekraft. Der Blick auf die Weltrangliste zeigt die Kräfteverhältnisse da schon eher: Hier liegt Thiem über 150 Plätze in Front.

Schon wahrscheinlicher ist es aber, dass sich der Spanier Albert Ramos-Vinolas durchsetzen wird. Dieser liegt in der Weltrangliste auf Platz 42 und konnte Dominic Thiem in drei Duellen einmal besiegen. Das letzte Mal standen sich die beiden im Finale von Kitzbühel gegenüber, wo Dominic Thiem nach einem Zwei-Satz-Erfolg den Heimsieg feiern durfte.

Runde drei: Den Knackpunkt…

… für das Abschneiden des Österreichers stellt wohl sein dritter Auftritt dar. Es ist anzunehmen, dass ihm entweder Taylor Fritz oder Kevin Anderson gegenüberstehen werden. Im Zweitrundenduell der beiden ist der Südafrikaner Anderson der leichte Favorit, obwohl der junge Amerikaner fast 100 Plätze vor ihm liegt. Die schlechte Platzierung Andersons in der Weltrangliste rührt aber von der langen Verletzungspause, die der zweimalige Grand-Slam-Finalist voriges Jahr einlegen musste. Beim ATP Cup präsentierte sich Anderson aber wieder bärenstark.

Auch das Head to Head mit Dominic Thiem spricht für den Aufschlagriesen. In den neun bisherigen Duellen konnte Anderson sieben Mal obsiegen, auch das letzte Duell bei den ATP Finals 2018 ging an den Südafrikaner.

Sollte sich der Youngster Taylor Fritz durchsetzen, so sieht es für Dominic Thiem schon deutlich besser aus. Gegen den 22-Jährigen führt der Österreicher mit 2:1 im Head to Head – im letzten Aufeinandertreffen beim Laver-Cup musste Thiem aber eine bittere Niederlage einstecken.

Achtelfinale: Das Traumlos,…

… wenn es das bei einem Grand-Slam-Achtelfinale überhaupt geben kann, hat Dominic Thiem erwischt. Sowohl gegen Gael Monfils als auch gegen Felix Auger-Aliassime wäre der Lichtenwörther in einem möglichen Achtelfinale der glasklare Favorit. Gegen den Franzosen Monfils ist Thiem überhaupt in fünf Duellen ungeschlagen, konnte den 33-Jährigen bei den letzten French Open in drei Sätzen regelrecht vom Platz fegen.

Obwohl Thiem und Auger-Aliassime noch kein Duell bestritten haben, spricht einiges für den Österreicher: Zum einen liegt er alleine in der Weltrangliste 17 Plätze vor dem kanadischen Youngster, zum anderen befindet sich der Kanadier in einem kleinen Loch und wusste beim ATP Cup alles andere als zu überzeugen.

Viertelfinale: Ein Kracher…

… könnte mit Rafael Nadal im Viertelfinale warten. Die beiden kennen sich bestens und standen sich in den letzten beiden French-Open-Finali gegenüber. In beiden Partien war der Mallorquiner noch eine Nummer zu groß für Dominic Thiem – und auch bei den US Open 2018 behielt Nadal in einem absoluten Thriller im Entscheidungssatz die Oberhand. Was gäbe es also schöneres, als sich beim ersten Grand-Slam des Jahres bei Rafael Nadal zu revanchieren? Zwar liegt der Weltranglistenerste mit 9:4 im Head to Head doch recht deutlich in Front, doch chancenlos wäre Dominic Thiem in diesem möglichen Viertelfinalduell sicher nicht. Seine starke Form auf Hartplatz aus dem Vorjahr müsste Thiem aber jedenfalls wiederfinden, um Nadal erstmals bei einem Grand-Slam besiegen zu können.

Der Aufstieg Nadals ins Viertelfinale ist aber alles andere als in Stein gemeißelt. Besonders der Name Nick Kyrgios im Ast des Spaniers wird vielen Nadal-Fans Unbehagen bereiten. Der Lokalmatador ist die personifizierte Wundertüte des Tennissports. Wenn Nick Kyrgios Lust hat, kann er jeden Spieler auf diesem Planeten schlagen – das weiß auch Roger Federer. Wie Federer musste auch Nadal schon bittere Niederlagen gegen den Showman aus Australien einstecken, liegt im Head to Head aber dennoch hauchdünn mit 4:3 in Front. Sollte Kyrgios aber so auftreten, wie über weite Strecken des ATP Cups, so wird das ein ganz heißer Tanz um den Einzug ins Viertelfinale. Dominic Thiem und Nick Kyrgios trafen erst einmal aufeinander, hier musste der Australier im ersten Satz aufgeben. Dominic Thiem hätte sicher nichts gegen ein Wiedersehen im Rahmen eines Grand-Slam-Viertelfinals einzuwenden. 

Halbfinale: Das direkte Duell…

um den vierten Platz in der Weltrangliste könnte im Halbfinale über die Bühne gehen. In letzter Sekunde hatte der Russe Daniil Medvedev Dominic Thiem noch den vierten Platz im ATP-Ranking weggeschnappt und die bessere Setzung bei den Australian Open für sich gewonnen. Nur wenige Punkte trennen die beiden in der Weltrangliste, so geht es in diesem Duell um nichts geringeres als um die Rolle des ersten Verfolgers der großen Drei im ATP-Ranking. Ein Sieg Thiems in diesem Duell wäre aber wohl eine kleine Sensation, präsentierte sich Daniil Medvedev doch in den letzten Monaten in ausgesprochen guter Form auf Hartplatz. Zwar liegt der Österreicher im Head to Head mit 2:1 in Front, im letzten Aufeinandertreffen kam Thiem aber ordentlich unter die Räder. Ist Thiem aber erstmal im Halbfinale, so ist dem Lichtenwörther alles zuzutrauen. Was er draufhat, hat Thiem ja bei den ATP Finals eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Der Vollständigkeit halber ist hier auch die Nummer sechs der Setzliste, Alexander Zverev, zu nennen. Der Deutsche befindet sich aber in einer absoluten Formkrise und müsste schon eine 180 Grad Drehung machen, um bei den Australian Open ein Wörtchen mitreden zu können. Dass in dem Deutschen das Zeug zum Grand-Slam-Champion schlummert, ist aber unbestritten – das zeigt nicht zuletzt sein sensationeller Erfolg bei den ATP Finals 2018. In einem Halbfinale gegen Zverev wäre dann aber Dominic Thiem der Favorit, liegt er doch mit 6:2 im Head to Head in Front und konnte das letzte Duell bei den ATP Finals relativ klar für sich entscheiden.

Finale: Die letzte Hürde…

… zum ganz großen Triumph würde wohl Novak Djokovic heißen. Der Serbe ist nach seinen starken Leistungen beim ATP Cup, wo er ungeschlagen den Titel für Serbien fast im Alleingang holte, der absolute Topfavoriten in Melbourne. Gegen Djokovic hat Thiem aber eine ganz passable Bilanz aufzuweisen: Im vergangen Jahr konnte der Österreicher zwei der drei Duelle für sich entscheiden, den „Djoker“ bei den ATP-Finals sogar auf Hartplatz besiegen. Natürlich ist es aber etwas ganz anderes, Novak Djokovic dessen achten (!) Australian-Open-Titel streitig machen zu wollen. Keinem anderen Spieler liegen die Verhältnisse in Down Under so sehr, wie dem Weltranglistenzweiten.

Aber auch Roger Federer will bei den Australian Open ein Wörtchen mitreden. Fernab des ATP Cups bereitete sich der Maestro auf die neue Saison vor und wird wohl ausgeruht wie kein anderer Spieler in das erste Grand Slam des Jahres gehen. Aber auch an Roger Federer hat Dominic Thiem durchaus positive Erinnerungen, konnte er doch im Duell mit dem Schweizer seinen bisher größten Erfolg feiern und das ATP-Masters-1000-Event in Indian Wells für sich entscheiden. Und auch im letzten Duell der beiden behielt der Lichtenwörther die Oberhand und besiegte Federer im Auftaktmatch der ATP-Finals in zwei Sätzen.

Bis Dienstag müssen sich die österreichischen Tennisfans aber noch gedulden, bis Dominic Thiem ins Turniergeschehen einsteigen wird. Thiem hat bei den Australian Open die Chance, als zweiter Österreicher nach Thomas Muster einen Grand-Slam-Titel im Einzel zu erringen. Was könnte zu diesem Vorhaben besser passen, als Thomas Muster selbst, der neben Nicholas Massu in der Box von Dominic Thiem Platz nehmen wird.   

Hier findet ihr die knackigsten Erstrundenmatches und die Wege der großen Favoriten im Überblick. 

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Donnerstag
16.01.2020, 19:25 Uhr
zuletzt bearbeitet: 16.01.2020, 19:30 Uhr

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