„Es besteht die Gefahr, dort zu landen, wo wir vor dem Start meiner Amtszeit waren“

Clemens Trimmel ortet große Probleme dabei, dass seine derzeitige Position als ÖTV-Sportdirektor nicht nachbesetzt wird.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 26.11.2014, 18:40 Uhr

Im Jänner 2012 hatte Clemens Trimmel die Posten des ÖTV-Sportdirektors und -Davis-Cup-Kapitäns übernommen,im Jänner 2014 war er auch zum Fed-Cup-Teamchef bestellt worden. Am Dienstag war offiziell bekanntgeworden, dass der Verbandalle seine mit Ende des Jahres auslaufenden Verträge nicht verlängern wird. Was überraschend kommt, war man doch einer Einigung zuletzt noch nahegewesen. Das Amt des Sportdirektors soll gar zukünftig überhaupt nicht mehr besetzt werden. Im tennisnet.com-Exklusivinterview weist der 36-jährige Wiener auf die Gefahren dessen hin, erklärt die Gründe für die Trennung näher und blickt auf seine dreijährige Tätigkeit für den ÖTV zurück. Die er dennoch nicht bereut.

Clemens, seit wann weißt du denn definitiv, dass deine Verträge als ÖTV-Sportdirektor, -Davis-Cup und -Fed-Cup-Kapitän nicht verlängert werden?

Die definitive Entscheidung ist mir am Montag mitgeteilt worden. Verhandeln tun wir schon relativ lange. Die Nicht-Verlängerung war dabei eben ein mögliches Szenario. Jetzt ist es so gekommen.

Wie sehr hat es dich überrascht?

Es ist relativ überraschend gewesen, aber jetzt auch nicht so, dass es mich völlig unerwartet getroffen hat. Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen. Überrascht bin ich insofern, dass das Argument der Umstrukturierung ganz neu war. Man hat sich wohl überlegt: Wie tut man mit mir weiter? Daraus ist dann wohl die Idee der Umstrukturierung entstanden. Das war die am wenigsten wahrscheinliche Variante, als ich in die Sitzung mit dem Präsidium gegangen bin, aber sie ist eingetroffen. Ich blicke jetzt aber nicht im Groll zurück. Es ist zwar natürlich schade, aber eine Tür geht zu und eine andere auf.

Während der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle soll noch eine Einigung in Sicht gewesen sein.

Diese war auch von beiden Seiten her in Sicht, denke ich. Aus meiner Sichtweise hat sich der Verband dann zu wenig bewegt. Ich habe meine Vorstellungen zwar auch wesentlich heruntergeschraubt, aber wir haben uns letztendlich bei weitem nicht in der Mitte getroffen. Ich will das jetzt allerdings nicht bewerten. Es ist das gute Recht eines Präsidiums, hier selber Entscheidungen zu treffen. Ich maße mir nicht an und bin nicht berechtigt, das zu kommentieren, schon gar nicht nach außen hin. Man wird sehen, ob diese Umstrukturierung des Verbands eine Verbesserung bringt. Die überraschende Umstrukturierung kam ja erst dadurch zustande, dass ich das Letztangebot nicht unterschrieben habe.

Dein Vertrag läuft jetzt noch über fünf Wochen. Du hast fest vor, ihn zu erfüllen?

Ich möchte eine vernünftige Übergabe in die Wege leiten. Es wird halt interessant sein, zu sehen, wer da jetzt für was zuständig sein wird, da meine Position ja bekanntlich nicht nachbesetzt wird. Es wartet also sicher viel Arbeit auf mein Sportteam. Ich für meinen Teil werde meinen Job genauso professionell wie auch bisher machen. Ich befinde mich nach wie vor in einem Dienstverhältnis, und dieses erfülle ich.

Wie weh tut es dir, deinen Job beim ÖTV nach drei Jahren zu verlieren?

Mir tut’s im Prinzip wegen zwei Dingen weh. Erstens wegen der Sache an sich. Ich liebe den Tennissport. Ich habe immer gesagt: Für mich ist es das ideale Berufsfeld, so habe ich meine Laufbahn im sportlichen Bereich und im Wirtschaftszweig miteinander verbinden können. Mit den zusätzlichen Posten als Davis-Cup- und Fed-Cup-Kapitän war ich sicher am Limit, aber ich habe es immer gerne gemacht. Zudem bin ich auch zusätzlich Jugendreferent. Ich kann damit aber gut umgehen, wie es jetzt gekommen ist. Zweitens tut’s mir wegen meines Sportteams weh, sowohl wegen der Trainer, als auch meinen Assistenz- und Bürokräften, weil ich weiß, dass sie sehr viel Energie hineinstecken, um im österreichischen Tennis was weiterzukriegen. Wenn man drei Jahre in einem professionellen, freundschaftlichen Klima zusammenarbeitet, dann schmerzt es, dass das nicht mehr der Fall sein wird, auch in menschlicher Hinsicht. Und ja, wegen des Davis Cups und Fed Cups tut es mir auch weh.

Trotz allen Problemen, die es vor allemim Fed Cup teamintern, aber auch im Davis Cup gegeben haben dürfte?

Trotz aller Querelen im Vorfeld und währenddessen. Die Zusammenarbeit hat in Summe stets gut funktioniert, das macht mich auch ein bisschen stolz. Denn es ist ja nicht immer so leicht, Einzelsportler in einer Woche unter einen Hut zu bringen. Es haben aber alle an einem Strang gezogen, das hat es mir leicht gemacht. Das Feedback ist grundsätzlich nahezu immer positiv ausgefallen.

Und weshalb tut es dir vielleicht nicht weh?

Nicht weh tut es mir, weil im Job sehr viele politische Dinge mitwirken. Ich bin sicher einer, der zu sehr an die Sache und den Sport denkt, das ist dann manchmal etwas desillusionierend. Wenn sich manche Personen da in Gesprächen durch Desinteresse oder Ahnungslosigkeit auszeichnen, dann bin ich froh, dass das zukünftig wegfällt. Ich sehe alles mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Hast du schon eine neue Betätigung in Aussicht oder stehst du gerade ohne Plan B da?

Ich werde mich mal sammeln, werde Gespräche führen, mich schlau machen und umhören. Ich glaube, mein Lebenslauf kann sich schon sehen lassen. Ich habe ein abgeschlossenes Studium, habe nebenbei meine sportliche Laufbahn verfolgt, eine Ausbildung gemacht und hatte im ÖTV eine Position, die mit viel Verantwortung behaftet ist. Ich werde für mich mal rausfinden, in welche Richtung ich was machen will und was sich so ergibt. Dann wird sich wohl hoffentlich eine neue Tür auftun.

Ist das für dich alles doppelt bitter, weil du deinen Job beim Wettunternehmen „bwin“ damals extra dafür aufgegeben hast?

Nein, das überhaupt nicht. So hart und schwierig und politisch meine Arbeit war: Ich habe es immer sehr genossen. Ich schaue da nicht mehr zurück. Es war bei „bwin“ ein guter Job, aber ich bereue den Schritt nicht. Man muss die Kirche dann doch im Dorf lassen. Wenn man mit meinem persönlichen Hintergrund die Möglichkeit hat, den höchsten Sportposten im Tennis zu übernehmen, dann darf man sich nicht beklagen. Es war also kein Fehler.

Würdest du heute in dieser Situation also jederzeit wieder so handeln wie damals?

Ja. Zu 100 Prozent. Ich habe auch immer gewusst, dass es ein Job ist, in dem jeden Tag alles passieren kann und es natürlich sehr politisch ist. Aber ich bereue nichts.

Was denkst du, wer wohl dein Nachfolger als Davis-Cup- und Fed-Cup-Kapitän wird?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Es ist auch nicht meine Aufgabe oder Entscheidung.

Kannst du die Personalpolitik im Verband nachvollziehen?

Es ist ja offiziell eine strukturelle Entscheidung. Ich finde zum Beispiel auch die Bestellung vonMichiel Schaperseine gute, das wird man in Zukunft noch sehen. Im Moment ist er noch zu frisch hier. Auch mitAndreas Fasching, Florian Pernhaupt,Marion Maruska,Petra Russeggerund Martina Lichtblau habe ich gut zusammengearbeitet. Und viele andere personelle Entscheidungen habe ich teils selbst getroffen oder übernommen. Es geht eher darum, dass die Umstrukturierung aus meiner Sicht problematisch ist. Diese Art der Umstrukturierung hat das Präsidium des ÖTV zu verantworten.

Diese sieht etwa vor, dass der Posten des Sportdirektors nicht mehr nachbesetzt werden soll. Was hältst du davon?

Das halte ich persönlich für falsch. Aber es ist eine Entscheidung des Präsidiums, und ich maße mir nicht an, sie zu kritisieren. Wenn man meint, es geht ohne den Posten, dann okay. Ich bin auch nicht der Typ, der dem Verband jetzt was Schlechtes wünscht, dafür liegt mir das Tennis in Österreich viel zu sehr am Herzen. Es schaut halt „sexy“ aus, wenn einfach eine Position eingespart wird, das wird auch bei den Landesverbands-Präsidenten vermutlich gut ankommen. Auf dem Papier schaut’s anders aus. Auch wenn es ja oft heißt, dass wir überbesetzt sind: Dem ist nicht so! Wir haben für die Größe des Verbandes(zweitgrößter Fachverband in Österreich; Anmerkung)eigentlich wenige Mitarbeiter. Und wenn diese wichtigste Sportposition nicht besetzt ist, sehe ich da gewisse Gefahren.

Zum Beispiel welche?

Es besteht die Gefahr, dort zu landen, wo wir vor dem Start meiner Amtszeit waren. Dort, wo wir vorher in der ÄraGilbert Schallerwaren – und das ist jetzt keine Kritik an seiner Person. Die Ämter des Headcoaches und des Sportdirektors werden auf eine Person reduziert, und das ist einfach absolut nicht machbar – das war es auch schon damals unter Schaller nicht. Das ist nicht professionell lösbar, auch vom Zeitlichen her überhaupt nicht. Das wird dann jetzt auf die bestehenden Mitarbeiter alles ein bisserl aufgeteilt – mit denen hätte man vorher vielleicht auch mal reden sollen. In den ersten vier, fünf Monaten wird das wohl niemand spüren, aber danach, wenn die Organisation vernachlässigt wird, dann schon. Ich sehe hierbei also einige Gefahren. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

von tennisnet.com

Mittwoch
26.11.2014, 18:40 Uhr