Das Doppel braucht die Einzel-Stars
Bei Carlos Alcaraz und Rafael Nadal als Doppelpaar waren die Tribünen bei Olympia 2024 voll. So etwas ist auf der ATP-Tour eher die Ausnahme, wenn es um den Paarlauf geht.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
02.08.2024, 16:30 Uhr

Mate Pavic, der große kroatische Doppelexperte, der mit verschiedenen Partnern während der letzten Jahre die Szene maßgeblich bestimmt hat, war nach dem Sieg von Austin Krajicek und Rajeev Ram gegen Carlos Alcaraz und Rafael Nadal am Mittwoch bei den Olympischen Spielen in Paris nach einer Gratulation zumute. Der Erfolg der beiden Amerikaner beweise, so Matic, dass die Doppler entgegen der seiner Ansicht nach landläufigen Meinung, doch auch ganz passable Tennisspieler sind.
Das, lieber Mate, hat ja auch niemand bezweifelt. Alleine die Meisterschaft, mit der die besten Paarläufer den Ball abvollieren, ringt vielen Feinschmeckern ein ums andere Mal ein entrücktes Grinsen ab.
Das Problem ist aber ein anderes: Wenn nicht gerade Nadal und Alcaraz, gemeinsam 26 Grand-Slam-Titel im Einzel schwer, auf der einen Seite des Netzes stehen, dann wird so eine Viertelfinal-Partie auch nicht auf den größten Court zugeteilt. Weil es in fast jedem anderen Fall zu wenige Menschen interessiert. Wenige Ausnahmen gibt es, wie zuletzt bei den Generali Open in Kitzbühel gesehen - da stand mit Alexander Erler allerdings ein Lokalmatador im Doppel-Endspiel, die Tribünen waren schon um die Mittagszeit brechend voll.
Sampras, Federer und Co. mit wenig Lust zu doppeln
In der Regel funktioniert Doppel als Publikumsmagnet aber nur, wenn auch die allerbesten Einzelspieler sich einen Partner suchen. In ganz frühen Jahren: John McEnroe und Peter Fleming (übrigens auch ein ziemlich guter Einzelspieler). Etwas später Stefan Edberg und Anders Järryd. Danach ist es immer flauer geworden - weder Pete Sampras noch Roger Federer oder Rafael Nadal wie auch nicht Novak Djokovic hatten richtig Lust, regelmäßig zu doppeln.
Die einzige Ausnahme auf Seiten der Männer ist Stefanos Tsitsipas. Der versucht sich immer wieder gemeinsam mit Bruder Petros. Aber das alleine wird einen Doppel-Wettbewerb bei einem beliebigen 500er-Turnier in Asien oder den USA nicht tragen. Der Reiz entsteht doch in erster Linie dadurch, dass sich zwei Welten treffen. So wie früher McEnroe/Fleming mit Bob Hewitt und Frew McMillan. Allerdings: Mit Daniel Evans, Andy Murray, Taylor Fritz und Tommy Paul haben am Donnerstagabend gleich vier Single-Artisten den Suzanne-Langlen zum Beben gebracht.
Die ATP hat das Problem natürlich erkannt. So richtig nachhaltig waren die Versuche, die Einzelstars zu einem Doppelstart zu bewegen (etwa mit späterem Nennschluss), aber noch nicht.