Die Doppel-Zukunft ist auch beim Davis Cup ein Thema
Im Davis Cup und bei den Grand-Slam-Turnieren wird das Doppel gebraucht. Im regulären Betrieb der ATP-Tour? Not so much.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
19.09.2026, 19:05 Uhr

Und so saß Lucas Miedler also bei seiner Presskonferenz nach dem 7:6 (5) und 7:5 gegen die belgische Paarung Joran Fliegen und Sander Gille, das er gemeinsam mit Neil Oberleitner ins Trockene bringen konnte. Zu jenem Zeitpunkt konnte Miedler nur hoffen und vielleicht ahnen, dass Österreich erneut zum Davis-Cup-Finalturnier nach Bologna reisen wird. Eben das fixierte wenige Stunden später Jurij Rodionov vor mehr als 4.000 begeisterten Fans im Wiener Prater.
Aber das mit der Begeisterung der zahlenden Kundschaft für das Doppel mag im Davis Cup gut funktionieren, im „normalen“ Leben auf der ATP-Tour wird schon seit längerem darüber diskutiert, wie man den Paarlauf neu aufstellen könnte. Und das sind keine guten Nachrichten für die Doppel-Spezialisten.
Denn es wird ab 2028 wahrscheinlich so sein, dass bei regulären Tour-Events maximal zwölf, eher aber nur acht Paare eine Startplatz bekommen. Nun ist Lucas Miedler aktuell die Nummer 24 in den Doppel-Charts, hat 13 Titel gewonnen, zählt also mindestens zur erweiterten Weltspitze. Nach dem neuen System müsste Miedler indes um jeden Start zittern. Ihm sei schon klar, dass das Einzel die Hauptattraktion für Fans und Veranstalter sei. Aber die Vorschläge der ATP würden das Doppel auslöschen.
Miedler hat kein Verständnis für die Argumentation der ATP
Was, objektiv betrachtet, nicht für die Grand-Slam-Turniere gilt, weil die brauchen die Doppel- (wie auch die Nachwuchs- und Rollstuhl-)Wettbewerbe ja, um in den zweiten Wochen ihren Zuschauern etwas anbieten zu können. Aber von vier Auftritten im Jahr lässt sich schwer der Unterhalt bestreiten.
Das grundlegende Anliegen der ATP hat Herwig Straka, der Veranstalter des Davis Cups an diesem Wochenende und Turnierdirektor der Erste Bank Open in Wien, im ORF noch einmal formuliert: Man wolle vermeiden, dass sich Spieler schon im ganz frühen Profialter nur auf das Doppel konzentrieren. Und sich wohl wünschen, dass mehr der Einzel-Stars sich auch ab und zu im Duett zeigen.
Eine schwierige Gemengelage. Bei er es in erster Linie mal wieder um eines geht: ums Geld. Dass die ATP auf Kosten der Doppel-Cracks mehr Preisgeld für die Einzelspieler, die in der Weltrangliste zwischen den Plätzen 30 und 100 klassiert sind, zur Verfügung haben möchte, kann Lucas Miedler übrigens auch nicht nachvollziehen. Er hofft darauf, dass es noch Nachbesserungen geben wird.
Im November in Bologna wird das Thema wohl nicht letztgültig geklärt sein. Aber dort geht es ja auch ums Prestige. Und um einen noch unsicheren Einsatz: Denn Doppel wird ja nur gespielt, wenn es nach den beiden Einzeln unentschieden steht.
