Günter Bresnik im Interview - „Der Herr Davis rotiert im Grab“

Günter Bresnik ist ein Traditionalist. Das wird im tennisnet-Interview mit dem ehemaligen Davis-Cup-Kapitän Österreichs schnell klar.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 21.11.2021, 08:40 Uhr

Günter Bresnik und Stefan Koubek in Pörtschach 1999
© GEPA Pictures
Günter Bresnik und Stefan Koubek in Pörtschach 1999

tennisnet: Herr Bresnik. Wenn Sie an den Davis Cup denken - mit welcher Partie verbinden Sie die besten Erinnerungen.

Bresnik: 1999 in Pörtschach. Da hat der Stefan Koubek den Magnus Gustafsson in fünf Sätzen niedergekämpft. Der hat ihn so hergerichtet, dass der Hipfl zwei Tage später mit ihm richtig leichtes Spiel gehabt hat. Das war eine Davis-Cup-Partie, wie man sich das gewünscht hat.

tennisnet: Nun gibt es seit 2019 das neue Format in Form eines Finalturniers. Das nicht überall auf Gegenliebe stößt.

Bresnik: Ich verstehe nicht, warum man einen wirklich reizvollen Wettbewerb zerstört. Mir taugt es, dass Alexander Zverev da öffentlich Kritik übt. Das wird den Sportlern aktuell ja auch nicht mehr so leicht gemacht, weil man in den depperten sozialen Medien sofort mit einem Shitstorm rechnen muss. Die Meinung von Zverev ist legitim. Man wird in der Umkleidekabine kaum jemanden finden, der nicht sagen würde: Das ist kein Davis Cup mehr. Es mag ein schönes Tennis-Event sein, aber mit dem Davis Cup hat es nichts zu tun.

tennisnet: Was stört Sie ganz speziell daran?

Bresnik: Statt des Heim- oder Auswärtsspiels mit dem ganzen Theater, das es einmalig gemacht hat, veranstaltet man jetzt ein Event, das fast wie ein normales Turnier ist. Wenn die Premiere nicht in Madrid gewesen wäre und die Spanier dort gewonnen hätten, wäre das völlig in die Hosen gegangen. Die Versprechungen hinsichtlich des Geldes, die nicht eingehalten werden: auch ein Wahnsinn. Für mich hat sich das nach zwei Jahren schon totgelaufen. Das können sie nennen, wie sie wollen, aber der Herr Davis wird im Grab rotieren.

Günter Bresnik - "Dennis Novak traue ich sehr viel zu"

tennisnet: Ist der traditionelle Davis Cup damit für immer tot?

Bresnik: Es gibt immer einen Weg zurück! Wenn man Fehler eingesteht und einsichtig ist. Die Leute, die es jetzt machen, die können es nicht. Und das hat nichts damit zu tun, dass der Mann, der da immer vorgeschoben wird, ein Fußballer ist. Das liegt in der Verantwortung der ITF. Die hätten sich den Davis Cup nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen. Nur weil es in der ursprünglichen Form des Davis Cups auch Probleme gegeben hat, muss ich ja nicht gleich den ganzen Wettbewerb zerstören.

tennisnet: Die ITF findet das Modell aber offenbar so gut, dass man für die Frauen genau dasselbe eingeführt hat.

Bresnik: Bei den Damen ist es ja schon dasselbe Problem: Da spielt Bencic gegen Kerber in Prag, es schauen 35 Leute zu. Wenn die beiden in Genf oder Frankfurt spielen, sind dort die Hallen voll. Und da geht es nicht um´s Geld, sondern um die Wertigkeit des Sports. Natürlich wollen die Leute mehr verdienen. Aber wenn ich ein Produkt momentan schwäche, auch wenn ich dafür viel Geld bekomme, schneide ich mir auf Dauer ins eigene Fleisch.

tennisnet: Österreich trifft in Innsbruck auf Serbien und Deutschland. In Abwesenheit von Dominic Thiem. Was trauen Sie der Nummer eins, Dennis Novak, zu?

Bresnik: Sehr viel. Der Dennis ist für mich ein Spieler, den man nie abschreiben darf. Der spielt im Davis Cup zuhause und auswärts gut. Und Dennis hat auch in der Stadthalle gegen Jannik Sinner ergebnismäßig zwar relativ glatt verloren, aber im Match eigentlich mehr Breakbälle gehabt. Wenn er körperlich fit ist, ist mit Dennis im Davis Cup immer zu rechnen. Und das wird er in Innsbruck sein.

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