Peter Lehrner über den YONEX VCORE Pro: "Die Präzision in der Fertigung steht einfach über allen anderen"

YONEX hat mit der sechsten Generation der VCORE-Pro-Serie sein Flaggschiff-Modell auf ein völlig neues Level gehoben. Was die neuen Rackets vom japanischen Ausrüster auszeichnet und welche Trends die Entwicklung von Schlägerrahmen maßgeblich prägen, verrät Schlägerservice-Experte Peter Lehrner im Interview mit tennisnet.com!

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 19.09.2021, 11:56 Uhr

Stan Wawrinka vertraut auf den neuen YONEX VCORE Pro
Stan Wawrinka vertraut auf den neuen YONEX VCORE Pro

Herr Lehrner, wir haben im letzten Interview mit tennisnet viel über die Entwicklungen der Bespannungstechnik im Tennissport gesprochen, aber auch in Sachen Rahmen tut sich natürlich so einiges – vor allem in dem Zeitraum, in dem Sie im Schlägerservice tätig sind. Was sind Ihrer Meinung nach, die entscheidendsten Trends auf diesem Gebiet?

Der große Sprung war natürlich mit der Einführung der Graphitrahmen. In den letzten Jahren wird von den Firmen vor allem versucht, mit noch leichteren, dünneren, stabileren Glasfaser-Graphit-Matten in den Schläger noch mehr das Gefühl hineinzubringen, dass sich der Schläger leichter und angenehmer spielt, der Schläger mehr Eigenbeschleunigung hat. Um diese Themen geht es bei den Schlägerrahmen. Man muss hier außerdem zwischen Breiten- und Profisport unterscheiden. Im Profisport ist es nämlich schon so, dass sehr oft Rahmen gespielt werden, die schon vor zehn, fünfzehn Jahren gespielt wurden. Einige Topspieler verwenden Modelle, die es schon vor zehn Jahren gegeben hat, weil es den Spielern einfach darum geht, möglichst wenig Veränderung zu haben, wenn sie sich einmal an ihr Gerät gewöhnt haben. Junge Spieler aber, die sich noch nicht an ein gewisses Modell gewöhnt haben, die gewöhnen sich natürlich an die heutigen Modelle. Die werden in zehn Jahren aber genau das auch noch haben wollen. Das heißt, man muss hier schon zwischen den Profischläger und den Schlägern für den Breitensport unterscheiden.

Die größeren Veränderungen sind also im Breitensport zu beobachten?

Grundsätzlich versuchen die Schlägerfirmen und Produzenten, mit neueren Materialien den Rahmen noch mehr Spielkomfort, noch mehr Eigenbeschleunigung einzuhauchen. In Summe entwickelt sich das Spiel aber vielmehr deshalb, weil die Athletik besser wird, weil die koordinativen Fähigkeiten besser werden. Dort, wo wirklich fast noch mehr passiert, ist am Saiten-Sektor. Früher hat der Ivan Lendl damit begonnen, wenn er neue Bälle bekommen hat, eine neue Bespannung zu nehmen. Dann hat der Boris Becker das auch so gemacht. Und heute machen es praktisch alle. Weil die Leistung, die von Schläger und Bespannung herauskommt, sehr saitenabhängig ist. Und wenn die Saite bei dieser hohen Intensität bereits nach neun Games eingekerbt ist und nicht mehr so taufrisch ist wie am Anfang, dann nehmen die Spieler, wenn sie neue Bälle kriegen, eine neue Bespannung. Das ist auch etwas, das im Breitensport immer mehr aufkommt. Früher haben die meisten ein Jahr mit der Bespannung gespielt, früher haben wir die Bespannungen sogar noch repariert. Wenn die Darmsaiten in der Mitte gerissen sind, haben wir zwei neue eingefädelt. Jetzt ist es so, dass auch der Hobbyspieler schon nach zwei, drei Wochen beginnt, zu merken, dass die Saite nicht mehr elastisch ist, und gibt eine neue rein. Also die Besaitungsintensität wird wesentlich höher.

Kommen wir zurück zu den Rahmen:Ein Hersteller, der auf diesem Gebiet als Trendsetter agiert, ist YONEX. Erst diese Woche kam das neue Flaggschiff-Modell, der YONEX VCore Pro, auf den Markt. Was zeichnet diesen Schläger aus?

Grundsätzlich muss man sagen, dass YONEX eine Firma ist, die das Prinzip „Quality first“ noch am besten hochleben lässt. Denn diese japanische Präzision und Genauigkeit ist schon noch einen Schritt mehr als bei den anderen, weil sie sich wirklich in der Produktion noch mehr Mühe geben, dass die Schläger gleich sind. Dass auch das drinnen ist, was draufsteht. Bei der Firma YONEX gib es drei große Linien, den VCORE Pro, den VCORE und den EZONE.

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Die VCORE-Pro-Serie das ist die Linie, die die sportlichsten Geräte beinhaltet, mit den schlanksten Rahmen, auch mit einer etwas kleineren Schlagfläche. Es gibt den VCORE Pro in der Schlagfläche 97 und in der Fläche 100. Das sind die Schläger, die technisch am anspruchsvollsten sind und die es erfordern, dass man sehr präzise spielt. Man kann aus dem Schläger aber sehr, sehr viel herausholen, man muss jedoch das technische Rüstzeug dafür mitbringen. Es gibt den VCORE Pro 97 mit 330, 310 und 290 Gramm, so dass quasi jeder seiner Technik und Kraft entsprechend den Rahmen findet, der einem am besten liegt. Die VCORE Pro 100er-Modelle, da sind die Rahmen ein bisschen breiter mit einem 23mm-Profil, die sind daher eine Spur gutmütiger - wenn man so will -, fehlerverzeihender. Haben auch noch ein bisschen mehr Eigenbeschleunigung, weil eine größere Schlagfläche immer noch ein bisschen mehr Eigenbeschleunigung mitbringt. Aber auch dort ist es so, dass die Schläger von Spielern bevorzugt werden, die das nötige technische Rüstzeug mitbringen und einfach Freude an einer guten Schlagtechnik haben.

Bei den Profis vertrauen mit Stan Wawrinka, Hubert Hurkacz und Francis Tiafoe auf das Premium-Modell von YONEX. Für Hobbyspieler ist der VCORE Pro aber insbesondere für jene Spieler geeignet, die technisch sehr ausgereift agieren?

Die Leute, die zum VCORE Pro hintendieren, sind schon eher die sportlicheren, die ambitionierteren Spieler. Das hat jetzt gar nicht so sehr mit der Spielstärke zu tun, das sind einfach die, die versuchen, den Ball sauber zu spielen, die variantenreich spielen wollen, die nicht nur „volle Kanne draufdreschen“ wollen, sondern die einmal Slice spielen, die einmal einen Stoppball einstreuen wollen. Die Rahmen sind auch vom gesamten YONEX-Paket eher die weicheren, eher die elastischeren und der neue VCORE Pro ist noch geschmeidiger, weil sie eine neue Faser verbaut haben, mit der noch ein bisschen mehr die Steifigkeit des Rahmens erhalten bleibt, aber dennoch das Gefühl eines weichen, elastischen Rahmens im Vordergrund steht.

YONEX ist eine Marke, die es zuletzt durchaus mit den Platzhirschen Babolat, Head oder Wilson aufzunehmen versucht. Welchen Vorteil bieten Schläger von YONEX im Allgemeinen?

Ich glaube, dass das allein schon für sich spricht, dass diese Präzision in der Endfertigung einfach über allen anderen drübersteht. Das heißt, die Schwankungsbreite, bei der manche Firmen draufschreiben, dass der Schläger 300 plus/minus sieben Gramm hat, das ist schon relativ viel. Bei YONEX – ich messe jeden Schläger nach, der durch meine Hände geht – da haben die Schläger eine Schwankungsbreite von ein, maximal zwei Gramm. Und auch in der Balance sind die Schläger nur auf einen Millimeter unterschiedlich. Wenn man da zwei Schläger kauft – auch wenn man sie nicht noch speziell nachbehandelt – hast du als Hobbyspieler das Gefühl, du hast zwei gleiche Schläger. Das ist leider nicht immer so. Aber das ist diese japanische Philosophie, dass die einfach sehr präzise sind und dieses Prinzip „Quality first“ ist ein Markenzeichen von YONEX.

Was man zusätzlich schon auch noch erwähnen sollte, ist diese einzigartige Schlägerkopf-Form von YONEX. Die Idee dahinter ist einfach, den Sweetspot um ein paar Prozentpunkte zu vergrößern, damit die Saitenlängen ein bisschen ausgeglichener bleiben. Du musst dir vorstellen, bei der ovalen Form sind immer die mittleren Saiten die längsten und nach außen hin werden sie kürzer. Bei dieser leicht eckigen Form sind die Saiten einfach ein bisschen länger. Da ist eben das Argument, dass der Sweetspot etwas größer wird und damit der Ball auch bei nicht ganz zentral getroffenen Schlägen noch immer gut weggeht. Das ist eine etwas ungewöhnliche Form – manchen gefällt das natürlich auch nicht -, aber die Spieler, die das schätzen, die sind sehr, sehr zufrieden damit. Weil das eben doch eine YONEX-Eigenheit ist.

Jetzt haben wir viel über das Hier und Heute gesprochen, aber die Schlägerentwicklung bleibt ja ebenso wenig stehen wie die Entwicklung auf dem Segment der Saiten. Herr Lehrner, Sie als Experte: Wohin - denken Sie - geht die Reise in puncto Rahmenentwicklung?

Wie schon gesagt: Auch hier muss man zwischen Profi- und Hobbyspieler trennen. Im Profisport steht aufgrund dieser Athletik und der guten körperlichen Fitness und der guten Technik die Ballkontrolle wirklich im Vordergrund. Das heißt, die Spieler – auch die Mädels schon – die können den Ball so schnell machen aufgrund ihrer Technik und natürlich auch ihrer Schläger, dass es fast wichtiger ist, nicht zu viel Beschleunigung zu kriegen, weil der Ball sonst einfach nicht im Feld bleibt.

Grundsätzlich liegt die größte Reserve in der Bespannung. Wie schon gesagt, es hat natürlich einen Grund, wieso die Spieler nach neun Games eine neue Bespannung nehmen und nicht einen neuen Schläger. Natürlich nehmen sie auch einen anderen Schläger, aber das ist rein aufgrund der Bespannung. Die Saite ist nun einmal der Motor des Ganzen. Ich sehe es auch im Hobbybereich, dass die ambitionierten Meisterschaftsspieler für jedes Match auch eine neue Bespannung abholen. Wie gesagt, ob da jetzt materialtechnisch noch so viel rauszuholen ist, ich lass mich gerne überraschen. Vielleicht kommt noch eine neue Faser auf den Markt. Aber die Schlägerform ist quasi ausgereizt, da gibt´s zwischen 95er und 110er-Fläche alles – was sollen sie noch machen? Und dass man das Schlägergewicht nicht zu weit runterbringen darf, ist auch klar. Weil die Masse vom Schläger doch noch einmal mitspielt und ein zu leichter Schläger für einen technisch guten Spieler sicherlich nicht geeignet ist. Beim Hobbyspieler, der technisch nicht so versiert ist, sind leichtere Schläger und größere Schlagflächen sicherlich beliebt, aber dort ist es auch mehr oder weniger ausgereizt. Also ich glaube einfach, dass die Saiten in Zukunft noch viel öfter neu bespannt werden, weil auch die Individualisten draufkommen werden, dass eine neue Saite einfach viel mehr Spaß macht als eine Saite, die schon zwei, drei Monate drinnen ist im Schläger. Eine weitere große Verbesserungsmöglichkeit liegt in der individuelleren Anpassung der Schläger an den Spieler. So wie die Profis sich die Schläger an ihre Spezifikationen anpassen lassen, wird das Racket-Tuning auch im Breitensportbereich immer mehr zum Thema.

Der neue YONEX VCORE Pro ist in sieben verschiedenen Modellen ab sofort erhältlich. Ab kommender Woche könnt ihr das Flaggschiff-Modell des japanischen Ausrüsters auch im House of Tennis vom Serviceexperten Peter Lehrner kaufen und testen!

Hier geht´s zum ersten Teil der Interview-Trilogie mit Peter Lehrner zum Thema Bespannung!

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