Startet der United Cup gleich mit mehreren Geburtsfehlern?

Anfang kommenden Jahres möchte Tennis Australia als Ersatz für den ATP Cup den United Cup austragen, bei dem auch Frauen zum Einsatz kommen sollen. Es gibt einige offene Fragen.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 18.10.2022, 16:10 Uhr

Im Sommer 2022 gab es einiges zu lernen. So etwa, dass bei einem Turnier, an dem nicht alle Tennisprofis teilnehmen können, keine Punkte für die Weltranglisten vergeben werden, wenn nicht parallel Turniere stattfinden, wo dies möglich ist. So geschehen in Wimbledon, wo Novak Djokovic und Elena Rybakina zwar die Siegertrophäen in Empfang nehmen durften, aber um 2.000 Punkte für die jeweiligen Charts umfielen. Gut: Das Preisgeld und der Ruhm haben gestimmt, und Djokovic weiß auch ohne den Blick auf die Rankings, dass er der beste Spieler der Welt ist.

Wenn die BBC nun also berichtet, dass die ATP und die ITF aufeinander zugegangen sind, um dem Spannungsverhältnis ATP Cup vs. Davis Cup das Feuer zu nehmen, dann sollte man das mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen. Denn es wird sich in Sachen Davis Cup im kommenden Jahr im Vergleich zum aktuellen nichts ändern: Im Februar werden die Playoffs der Weltgruppe gespielt, nach den US Open wird die Woche für die Zwischenrunden (in diesem Jahr in Hamburg, Bologna, Valencia und Glasgow) frei gehalten. Und im November gibt es dann das große Finale mit den besten acht Mannschaft. Und das alles, Stand jetzt, ohne die Vergabe von ATP-Punkten. Weil: siehe oben.

Mixed Doppel nur bei Gleichstand?

Allerdings: Die Konkurrenz des Davis zum ATP Cup wird deutlich kleiner. Denn letzterer wird durch den United Cup abgelöst. Ein neues Format, das an den Hopman Cup erinnern soll. Was aber nicht ganz stimmt, weil damals in Perth der guten Stimmung halber und wegen eines sicherlich sympathischen Startgelds aufgeschlagen wurde. Ohne Relevanz für die ATP- oder WTA-Weltrangliste.
Tennis Australia ist jedenfalls gerade dran, das neue Format auf die Straße zu bekommen. Wenn man gut informierten Zirkeln glauben darf, dann kündigt sich beim United Cup aber schon jetzt ein Geburtsfehler an, der auch dem ATP Cup nicht gut zu Gesicht gestanden hat: Es sollen jeweils zwei Einzel bei den Frauen wie bei den Männern gespielt werden, bei Gleichstand nach den Singles das gemischte Doppel. Gerade das war aber beim Hopman Cup immer das Sahnehäubchen. Unabhängig vom Spielstand.

Was ist mit den RussInnen?

Noch gravierender aber, dass auch beim United Cup die Qualifikation über den/die jeweils beste SpielerIn eines Landes erfolgt. Griechenland wäre diesmal mit Stefanos Tsitsipas und Maria Sakkari einigermaßen fein raus (was beim ATP Cup mit Michail Pervolarakis nicht der Fall war). Aber was ist mit Tunesien, das mit Ons Jabeur die Nummer zwei der Welt stellt? Da kämen, Stand jetzt mit Skander Mansouri (ATP-Nummer 248) und Aziz Dougaz (333) zwei Spieler zum Einsatz, die auf der „normalen“ Tour keinen Auftrag haben.

Wie Tennis Australia, die ATP und die WTA dieses Problem lösen werden, das wird in den kommenden Wochen mit Spannung zu beobachten sein. Nachdem es beim United Cup allerdings Ranking-Punkte geben wird, weiß der Tennisfreund mittlerweile ja: Es werden alternativ genügend Events stattfinden, bei denen all jene wertvolle Zähler sammeln könne, die beim United Cup keinen Platz bekommen haben. Und, weil wir gerade bei offenen Fragen sind: Was ist mit einem russischen Team, das unter Berücksichtigung aller sportlichen Fakten ja als Favorit in das neue Event starten würde? Craig Tiley hat noch viel Arbeit vor sich.

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zuletzt bearbeitet: 18.10.2022, 16:10 Uhr

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