Trennung von Clemens Trimmel „war ein längerer Prozess“
Laut ÖTV-Geschäftsführer Thomas Hammerl hätten vor allem Strukturüberlegungen zur Trennung von Clemens Trimmel geführt.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
25.11.2014, 17:59 Uhr

Am Dienstag ist es offiziell bekanntgeworden:Die mit Jahresende auslaufenden Drei-Jahres-Verträge von Clemens Trimmel als ÖTV-Sportdirektor, -Davis-Cup und -Fed-Cup-Kapitän werden nicht verlängert, der niederländische ÖTV-Headcoach Michiel Schapers übernimmt nun die sportliche Verantwortung.Das Amt des Sportdirektors wird es allerdings nicht mehr geben. tennisnet.com hat daraufhin den ÖTV-Geschäftsführer Thomas Hammerl mit diesen jüngsten Entwicklungen konfrontiert, der von Strukturüberlegungen spricht und nicht etwa einem eingesparten Posten. Hier das exklusive Interview.
Thomas, wie ist es aus deiner Sicht zu dieser Entscheidung der Nicht-Verlängerung mit Clemens Trimmel gekommen?
Die Entscheidung ist dem ÖTV-Präsidium oblegen, ich wurde als Geschäftsführer wohl vorab informiert, hatte aber kein Mitspracherecht. Ich kümmere mich darum, dass der Bürobetrieb aufrechtbleibt, wir machen unsere Arbeit ganz normal weiter. Es hat längere Verhandlungen gegeben, darüber war ich laufend informiert, da die Dienstverträge aller Mitarbeiter in meinen Kompetenzbereich fallen. Dass seine Verträge am Ende des Jahres auslaufen, war bekannt, es ging also um die Verlängerung. Als Geschäftsführer ist mir wichtig, dass es eine zeitgerechte Vertragsverhandlung gibt, damit wir im Falle des Falles eine ordnungsgemäße Übergabe machen können. Konkret wurde bereits im Mai das erste Mal über die anstehende Vertragsverlängerung gesprochen. Der Geschäftsführer ist bei Vertragsverhandlungen immer dabei, hat dabei aber kein Stimmrecht, daher hielt ich mich stets unparteiisch zurück. Clemens hat alleine verhandelt.
Während der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle soll man dabei auch schon der Einigung nahegewesen sein – und jetzt doch die Trennung. Kommt das überraschend?
Das war’s sicher. Es gab während des Stadthallen-Turniers ein konkretes Angebot von Seiten des ÖTV, das von Clemens so nicht angenommen worden ist, da er mit der Gestaltung einiger Details nicht zufrieden war, so viel habe ich über ihn mitbekommen. Daraus entwickelte sich dann noch ein längerer Prozess, bis gestern eben. Der neue Vertrag für Clemens hatte ein paar andere Vertragsbedingungen enthalten, welche zum bisherigen Vertrag abwichen. Den alten Vertrag hat Clemens noch mit dem vorigen Präsidium unterschrieben.
Was verstehst du konkret unter „andere Vertragsbedingungen“? Ging es dabei nur ums Geld?
Nicht nur. Es ging hierbei um Kompetenzen, aber auch Geld. Der Umstand, dass es jetzt eben Michiel Schapers als ÖTV-Headcoach gibt, hat dazu geführt, dass eben auch der Vertrag des Sportdirektors neu gestaltet und evaluiert werden musste.
Das heißt, Trimmel hätte weniger erhalten sollen und sein Posten wird nun eingespart?
Nein, dem ÖTV mangelt es nicht an Geld. Wir konnten im letzten Jahr die Sponsorenleistung um 20 Prozent steigern und sind finanziell gesund aufgestellt. Es war eine Strukturüberlegung des Präsidiums. Einen Sportdirektor wird es in dieser Form nicht mehr geben, weil wir den Schwerpunkt mehr auf Trainer setzen wollen, als auf Koordination und Verwaltung. Wenn Bedarf herrscht, wird bestimmt auch noch ein neuer Trainer in der Südstadt aufgenommen werden. Mit Einsparung hatte das Ganze nichts zu tun.
Was passiert denn zum Beispiel, wenn sich Schapers auf einer Turnierreise befindet? Wer kümmert sich dann um seine zukünftigen Agenden als sportlich Verantwortlichen?
Das Ganze ist erst gestern ganz aktuell entschieden worden. Schapers ist über diese Vorgänge grundsätzlich informiert. Es gibt laufend Gespräche und wir arbeiten gerade an einem System, wie wir mit dieser Situation, wenn er auf längeren Turnierreisen ist, bestmöglich umgehen. Derzeit gibt es auch nochAndreas Faschingund Florian Pernhaupt als weitere Trainer, die den Südstadt-Betrieb aufrechthalten. Clemens ist noch ein Monat lang im Amt und er hat eine reibungslose Übergabe zugesichert.
Wer entscheidet, wer Trimmels Nachfolger als Davis-Cup- und Fed-Cup-Kapitän wird?
Grundsätzlich sind alle Personalentscheidungen im ÖTV Sache des Präsidiums, und alle sportlichen Entscheidungen liegen in der Letztverantwortung des für Sport zuständigen Präsidiumsmitglieds. Das ist Präsident Ronnie Leitgeb. Wichtige Entscheidungen wie diese werden im ÖTV-Präsidium auf konstruktive Art immer gemeinsam beschlossen – also durch Dr. Franz Wohlfahrt, Dr. Magnus Brunner, Dr. Robin Lumsden und Dr. Heike Jandl.
Es ist ja ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Nachfolge im Davis Cup mit Österreichs Nummer eins bei den Herren abgesprochen wird. Hat der ÖTV vor, mitDominic Thiemdazu Kontakt aufzunehmen?
Ich bin darüber informiert, dass derzeit Gespräche mit Kandidaten geführt werden – die Letztverantwortung liegt hierfür wieder bei Präsident Leitgeb.
Wie blickst du persönlich auf Trimmels Arbeit für den ÖTV zurück?
Ich habe gut mit ihm zusammengearbeitet. Ich halte ihn für einen sympathischen, jungen Mann, der selbst professionell gespielt hat und der weiß, was es braucht, um ganz nach oben zu kommen. Es ist immer schade, wenn so jemand den ÖTV verlässt.
Das Gespräch führte Manuel Wachta.
