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Thomas Muster: "Dominic Thiem geht nicht als Favorit in die Australian Open"

Kurz bevor Dominic Thiem am Dienstag in die Australian Open startet, hat der Standard den neuen Mann in der Box des Österreichers, Thomas Muster, zum Gespräch gebeten. Der French-Open-Sieger von 1995 über die Chancen des Lichtenwörthers in Down Under, die großen Drei und die Beweggründe, wieso er heuer zwanzig Wochen mit Dominic Thiem um die Welt tourt. 

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 18.01.2020, 20:17 Uhr

Thomas Muster im Standard-Interview vor den Australian Open: "Dominic Thiem geht nicht als Favorit in die Australian Open"
Thomas Muster im Standard-Interview vor den Australian Open: "Dominic Thiem geht nicht als Favorit in die Australian Open"

Thomas Muster war wohl der letzte, der sich nach dem bitteren Ausscheiden der Österreicher beim ATP Cup etwas vorzuwerfen hatte. Der Steirer spielte gefühlt jeden Ballwechsel mit, feuerte seine Schützlinge unermüdlich an und war am unglaublichen Comeback von Dennis Novak gegen Guido Pella mit seiner WC-Ansprache zumindest mitbeteiligt. Umso erfreulicher war es deshalb, dass Dominic Thiem und der Steirer direkt nach der Niederlage gegen Polen im letzten Gruppenspiel bekanntgaben, dass Thomas Muster in dieser Saison 20 Wochen als Berater mit dem 26-Jährigen auf Tour gehen wird. „Ich möchte Dominic Thiem zu einem besseren Spieler machen, als ich es je war“, gab Muster damals zu verstehen. 

Drei Tage bevor Dominic Thiem gegen Adrian Mannarino (das Spiel gibt es live bei ServusTV zu sehen) in das Erste Grand Slam des Jahres starten wird, bat der Standard Thomas Muster zum Interview.  Als Ziel für die Australian Open nennt die ehemalige Nummer eins der Welt den Einzug ins Viertelfinale. Sollte sich Dominic Thiem in jeder Partie steigern und auch sonst alles passen, so sei auf jeden Fall einiges möglich: "Dominic Thiem geht aber nicht als Favorit in die Australian Open." Als die größten Titelaspiranten sieht Muster hingegen neben den großen Drei auch Stefanos Tsitsipas und Daniil Medvedev. Im Viertelfinale könnte Dominic Thiem erstmals auf einen von Musters Favoriten – nämlich Rafael Nadal – treffen, in einem möglichen Halbfinale würde wohl Daniil Medvedev warten. 

Thomas Muster: "Es ist alles da, aber nichts perfekt"

Auf die Frage, was bei Dominic Thiem noch zum ganz großen Champion fehle, zeigte sich Muster bedeckt: „Ich werde das niemals öffentlich diskutieren, ich bespreche das intern.“ Bei Thiem sei alles da, nichts sei aber perfekt: „Man kann und muss an jeder Schraube drehen.“ Vor allem nach dem Sieg in Wien habe bei Dominic Thiem eine deutliche Verbesserung stattgefunden, auch in den letzten vier Wochen habe es beim 26-Jährigen eine Leistungssteigerung gegeben. „Der Rest wird noch kommen“, ist sich Muster sicher.

Muster habe schon viele Angebote bekommen, als Trainer oder Betreuer für verschiedenste Spieler zu arbeiten, die er aber alle abgelehnt hat. Bei Dominic Thiem ist das nun anders und Muster findet auch klare Worte, wieso: „Wenn ich die Chance habe, einem Österreicher zu helfen, damit er vielleicht ein Grand Slam gewinnt, vielleicht die Nummer eins wird, dann ist das ein Grund. Ich sehe in Dominic einen Spieler, der viel besser werden kann, als ich es je war.“ Wunder dürfe man sich von dieser Partnerschaft aber keine erwarten, denn man müsse nun die Dinge einimpfen, in richtige Bahnen lenken – und die anderen Spieler arbeiten schließlich ebenso hart.

Dominic Thiem besitzt absolute Bereitschaft zu lernen

Besonders für die Einstellung des Österreichers fand Thomas Muster durchwegs lobende Worte: „Ich habe von ihm noch nie ein „Na“, „Das geht net“, „Ich will nicht“ gehört. Er besitzt die absolute Bereitschaft zu lernen, besser zu werden." Auch in Melbourne trainiert Dominic Thiem gerade hart, am Samstag fand eine Session mit Rafael Nadal statt – für die der Mallorquiner nur positive Worte fand: „Großartiger Trainingstag mit meinem Freund Dominic Thiem und guten Teams um uns herum“, war auf dem Instagram-Profil des Weltranglistenersten zu lesen. 

Rafael Nadal ist auch Mitglied jenes Triumvirats, das denn Tennissport in den letzten Jahren so dominiert hat, wie kein anderes zuvor. Thomas Muster ist aber überzeugt, dass diese Dominanz ein recht baldiges Ablaufdatum haben wird. Er sei der Meinung, dass wir heuer einen neuen Grand Slam Sieger sehen werden. Ob dieser Dominic Thiem heißen wird, hält Thomas Muster zwar für möglich: „Es können aber auch fünf andere sein.“ Denn es komme auch großer Druck von unten. In gut zwei Wochen wird sich zeigen, ob auch auf Major-Ebene eine erste Wachablöse beginnt – und was gäbe es für einen schöneren Auftakt in die Partnerschaft von Dominic Thiem und Thomas Muster als ein Triumph beim ersten gemeinsamen Grand Slam? 

Alle Spiele von Dominic Thiem, Dennis Novak und ausgewählte Topspiele gibt es live im Free-TV bei ServusTV zu sehen.

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von Michael Rothschädl

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zuletzt bearbeitet: 18.01.2020, 20:17 Uhr

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