US Open: Ist "Wolf" Djokovic noch "gut genug"?
Sinner fehlt, Alcaraz' Form ist ungewiss. Die US Open könnten Novak Djokovics letzte große Chance auf den 25. Grand-Slam-Titel sein - auch, weil sein Karriereende näherrückt.
von SID
zuletzt bearbeitet:
28.08.2026, 12:23 Uhr
In einem schwarzen Jogginganzug mit Kapuze über dem Kopf schleicht sich Novak Djokovic durch Manhattan. Am New Yorker Times Square nimmt er seine Sonnenbrille ab und grinst für ein Foto vor einer riesigen Videowand in die Kamera. "Ein kleiner Vorgeschmack", schreibt der Grand-Slam-Rekordchampion zu dem auf Instagram veröffentlichten Video, in dem er eine Doku über sein Lebenswerk promotet. "Der Wolf im Winter" lautet der Titel - und der Wolf geht ab Sonntag bei den US Open wieder auf die Jagd. Djokovic nimmt Anlauf für seinen 25. Grand-Slam-Titel. Zum letzten Mal in New York?
Gedanken über ein nahes Karriereende zumindest spielen mittlerweile eine Rolle für den 39-Jährigen, das zeigt der knapp 90-minütige Film (Amazon-Prime) recht deutlich. "Ich kann mich diesem Leben nicht mehr zu 100 Prozent verschreiben. Ich muss auch Ehemann und Vater sein", gibt Djokovic zu: "Wie lange tue ich mir das noch an? Wieso mute ich mir und meiner Familie das immer und immer wieder zu?" Sein ehemaliger Trainer Andre Agassi warnt zudem: "Das Ende kommt stets schnell. Ich hoffe für ihn, dass er nicht zu lange wartet."
Djokovic treiben auch die Zweifel an
Zuletzt hatte Djokovic auf Fragen zu diesem Thema stets trotzig reagiert. "Ich weiß, dass mich schon seit vielen Jahren viele Leute in Rente schicken wollen. Aber ich bin immer noch in den Top 5, Top 10 der Welt", beschrieb er den Kampf mit sich selbst: "Warum sollte ich über Rücktritt reden, wenn ich mir selbst immer wieder beweise, dass ich noch gewinnen kann?" Angetrieben werde der Serbe weiterhin auch von Zweifeln - trotz des alleinigen Titelrekords bei Majors, den meisten Wochen als Nummer eins der Welt und 101 Turniersiegen auf der Tour: "Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, begleitet mich stets. Auch heute noch."
Und diese Frage ist höchst aktuell: Ist er noch "gut genug" für einen Grand-Slam-Erfolg? Seit dem Wimbledon-Halbfinale im Juli hat Djokovic nur ein einziges Match bestritten. Beim ATP-Turnier in Cincinnati hatte er jedoch sichtlich mit den Temperaturen zu kämpfen und schied in der ersten Runde aus. Doch das muss nichts heißen: Schon seit längerer Zeit konzentriert er sich auf wenige Top-Events auf der Tour, bei den Majorturnieren schafft Djokovic es noch immer regelmäßig unter die Top vier.
Fragezeichen bei der Konkurrenz
Und die Chance auf seinen fünften Triumph in New York ist so groß wie schon lange nicht mehr: Der Weltranglistenerste Jannik Sinner fehlt mit Knieproblemen, hinter der Form seines Dauerrivalen Carlos Alcaraz steht nach mehrmonatiger Verletzungspause ein Fragezeichen. Auch der an Position eins gesetzte French-Open-Sieger Alexander Zverev blieb bei den Vorbereitungsturnieren in Montréal und Cincinnati hinter seinen Möglichkeiten.
Auf dem Weg zum 25. Titel wäre Zverev Djokovics letzte Hürde, ein Aufeinandertreffen mit der deutschen Nummer eins ist frühestens im Finale möglich. Seinen letzten Grand-Slam-Titel gewann Djokovic übrigens vor mittlerweile drei Jahren - in New York bei den US Open.
Das Einzel-Tableau der US Open
