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Alexander Zverev - Der unnötoge Marathon des Weltmeisters bei den Australian Open

Alexander Zverev hätte sehr viel einfacher in die dritte Runde der Australian Open 2019 einziehen können. Nach seinem Fünf-Satz-Erfolg gegen Jeremy Chardy heißt es für den Deutschen nun: Kräfte sammeln.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 17.01.2019, 15:49 Uhr

Alexander Zverev hat einen Umweg in Runde drei genommen
© Jürgen Hasenkopf
Alexander Zverev

Warum einfach, wenn´s auch kompliziert geht? Eigentlich hätte Alexander Zverev einen geruhsamen, entspannten Arbeitstag in der Margaret Court-Arena verbringen können, eigentlich hätte er Kräfte, Energien, die berühmten „Körner“ sparen müssen an diesem schwülen Sommerabend in Melbourne. 2:0 führte Zverev (21) nach Sätzen schon gegen den zehn Jahre älteren Jeremy Chardy aus Frankreich, die Ziellinie rückte verlockend nahe, ein ungefährdeter Australian Open-Erfolg. Doch dann begann das große Zittern und Zaudern, Zverev geriet auf abschüssige Bahn, er verlor seine Dominanz und den kühlen Kopf und dann auch zwei Sätze bis zum 2:2-Gleichstand. 

Erst als es richtig brenzlig wurde, in höchster Not, fand der ATP-Weltmeister zu seiner beherrschenden Statur zurück – und nach all den Umwegen und Problemen und Zweifeln reckte er um 0.16 Uhr dann doch die Arme in die Höhe. Es war doch geschafft, der Drittrundeneinzug nach einem 7:6 (7:5), 6:4, 6:7 (4:7), 5:7, 6:7 (6:8), 6:1-Sieg gegen seinen schließlich völlig entkräfteten Gegenspieler Chardy.

Zverev "heilfroh" über den Sieg

„Ich bin heilfroh, dass ich hier durchgekommen bin“, sagte Zverev, inzwischen schon der letzte deutsche Mohikaner im Herrenwettbewerb bei diesen Australian Open des Jahrgangs 2019. Nächster Gegner des gebürtigen Hamburgers ist der 26-jährige Lokalmatador Alex Bolt, der seine Tenniskarriere zwischenzeitlich schon einmal aufgegeben und längere Zeit auf dem Bau gearbeitet hatte. „Er hat eine erstaunliche Geschichte hinter sich“, sagte Zverev, „es wird ein Spiel, auf das ich mich echt freue.“

Ungetrübt konnte Zverevs Freude nach seinem launischen Zweitrunden-Gastspiel hingegen nicht sein. Denn Zverev verpulverte bei diesem unerwarteten Grand Slam-Marathon über drei Stunden und 46 Minuten unnötig Substanz. „Blöde Fehler“ hätten ihn aus der Spur gebracht, sagte der Deutsche hinterher, „ich hätte das souveräner entscheiden müssen.“

Zu viele Doppelfehler von Zverev

Über weite Strecken der Tennisakte drei und vier erlebten erlebte die Kulisse auf dem dritten großen Showcourt einen Zverev, der gegen sich selbst und seine Unsicherheit ankämpfte, sogar gegen die Angst, wieder eins dieser umkämpften Matches bei einem Major-Turnier spektakulär zu verlieren. Vor allem der Aufschlag, eine der druckvollsten Waffen des 21-jährigen, versagte ihm ein ums andere Mal den Dienst, bis zum Ende in der Verlängerung von fünf Sätzen produzierte er auch dreizehn Doppelfehler. 

Immerhin: Zverev ließ sich nicht zu wütenden Tiraden hinreißen, haderte nicht lange mit sich selbst, verwickelte sich auch nicht in Diskussionen mit Schieds- oder Linienrichtern wie in vergleichbar kritischer Lage. „Was überzeugend war: Er hat diesen Fight angenommen, diese Herausforderung. Und zwar ohne Lamentieren und Nörgeln und Schimpfen“, sagte Beobachter Boris Becker, „das hätte auch teuer werden können an diesem Tag.“

Becker gefällt der Schlendrian nicht

Was dem Herrenchef des DTB und dem Camp Zverev mit Supercoach Ivan Lendl dagegen nicht gefallen konnte, war der Schlendrian, den der ATP-Champion in der Chancenverwertung zeigte – denn selbst in den eher schwächeren Sätzen drei und vier bestanden immer wieder gute Möglichkeiten, die Partie abzukürzen. Auch einen Matchball bei einer 6:5-Führung im Tiebreak des vierten Satzes ließ Zverev fahrig liegen. Zverev könne gleichwohl auf diesem „komplizierten Sieg“ aufbauen, meinte Becker: „Es war schon eine Reifeprüfung. Und die hat er bestanden, wenn auch mit Problemen.

Lange vor Zverevs Fünf-Satz-Drama hatten sich die deutschen Reihen in Melbourne weiter gelichtet. Am unglücklichsten verabschiedete sich dabei Veteran Philipp Kohlschreiber, der in einer Fünf-Satz-Schlacht nach rund vier Stunden als 5:7, 6:4, 6:7 (4:7), 7:5, 4:6-Verlierer gegen den zähen Portugiesen Joao Sousa da stand. Viel könne er sich nicht vorwerfen, sagte Kohlschreiber später, „mein Gegner war einfach sehr, sehr stark.“ Kohlschreiber holte zwei Mal einen Satzrückstand auf, doch im Entscheidungsdurchgang war Sousa der zupackendere, auch nervenstärkere Spieler. Auch für Youngster Maximilian Marterer senkte sich in der zweiten Runde der Grand Slam-Vorhang, er verlor mit 6:7 (8:10), 6:7 (8:10), 7:5 und 4:6 gegen den Franzosen Lucas Pouille. 

Laura Siegemund muss sich verabschieden

Laura Siegemund, zum Turnierauftakt eine der großen Überraschungsfiguren nach ihrem Triumph über die frühere Weltranglisten-Erste Viktoria Azarenka, schied glatt mit 3:6 und 4:6 gegen die Weltranglisten-27. Hsieh Su-Wie (Taiwan). Unzufrieden war Siegemund dennoch nicht: „Ich habe mich teuer verkauft. Insgesamt ist das Turnier, der Jahresauftakt ein Erfolg für mich“, sagte die 30-jährige Schwäbin, die sich bei ihrer Comeback-Mission nach überstandenem Kreuzbandriss nun wieder auf die Top 100 zubewegt.

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