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Am Beispiel Dominic Thiem und Pablo Carreño Busta: US Open als Grand Slam des großen Drucks

Die US Open 2020 sind passé und haben mit Dominic Thiem einen neuen Major-Champion zutage gefördert. Der Weg dorthin war aber vor allem von einem geprägt: Großem Druck bei allen Beteiligten. 

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 17.09.2020, 22:42 Uhr

Dominic Thiem stand im Endspiel der US Open unter immensem Druck
Dominic Thiem stand im Endspiel der US Open unter immensem Druck

Es war der 6. September 2020, genau eine Woche, bevor das große Finale der US Open über die Bühne gehen sollte. Novak Djokovic, auf bestem Wege, auch das zweite Event en suite in New York City zu gewinnen, ging als großer Favorit in sein Achtelfinalduell mit Pablo Carreño Busta - und nahm sich selbst aus dem Turnier. Der Serbe traf mit einem Ball die Linienrichterin, seine Disqualifikation war die einzig logische Konsequenz. 

Ab diesem Zeitpunkt war nicht nur klar, dass es bei den US Open 2020 einen neuen Grand-Slam-Champion geben wird, es war auch klar, dass auf den verbliebenen acht Herren ein immenser Druck lasten wird. Ein Druck, der sich insbesondere in zwei Matches äußerte. Dem Halbfinale zwischen dem "Djokovic-Bezwinger" Pablo Carreño Busta und Alexander Zverev sowie dem Endspiel zwischen dem Deutschen und Dominic Thiem. 

Carreno Busta scheitert an der Chance

Das große Loch im oberen Ast des US-Open-Draws wurde zeitweilig von seinem Bezwinger, dem Iberer Carreño Busta, gefüllt. Nachdem dieser im Viertelfinale gegen den Jungspund Denis Shapovalov siegreich blieb, bekam er es im Halbfinale mit Alexander Zverev, dem Supertalent aus Deutschland, zu tun. Zverev, über dessen Qualitäten nicht erst seit seinem ATP-Finals-Sieg 2018 die gesamte Tour Bescheid weiß, präsentierte sich im Turnierverlauf alles andere als in Bestform, für Carreño Busta sollte dieses Semifinale folgerichtig die ganz große Chance auf sein erstes Endspiel auf Major-Ebene darstellen. 

Besonders zu hemmen schien dies den Spanier anfangs aber nicht, Carreño Busta startete furios, ging schnell mit 2:0-Sätzen in Front. Wenige Stunden später schlich der Iberer als Verlierer vom Platz. Traurig, gebrochen. "Es ist unheimlich schwierig, etwas Positives über diese Partie zu sagen, nachdem ich eine solche Chance liegen gelassen habe", sollte der Spanier sichtlich angefasst in der anschließenden Pressekonferenz verlautbaren.

Zwischen gut und außergewöhnlich 

Er war dem großen Druck zum Opfer gefallen, hatte die Unbekümmertheit im Spiel verloren, die ihn im Match zuvor gegen den Kanadier Shapovalov noch zur Höchstleistung getrieben hatte. Gegen Zverev war ab Satz drei davon nichts mehr zu sehen, Carreño Busta zitterte, verlor den Mut zum Risiko. Und verlor wenig später auch das Match - und seine wohl letzte Chance auf den ganz großen Wurf auf Grand-Slam-Ebene. Die letzte Chance, aus einer guten Karriere eine Karriere für die Geschichtsbücher zu machen. 

Denn es sind eben diese ganz großen Siege, die Siege bei den vier Turnieren, den Grand Slams, die in den Karrieren der Tennisspieler den Unterschied machen, ob man als guter - oder eben als außergewöhnlicher Spieler in Erinnerung bleibt. Eine Errungenschaft, die immerhin dem zweiten Herren, der den großen Druck zu spüren bekam, gelungen ist. Dem Sieger der US Open, Dominic Thiem. 

Kaltstart im Finale

Der Weg dorthin hätte steiniger, hätte schwieriger nicht sein können. Thiem, spätestens nach seinem furiosen Halbfinalerfolg über Daniil Medvedev der ganz große Favorit im Endspiel gegen seinen Kumpel Zverev, legte im Finale einen Kaltstart hin, den es wohl vor und nach ihm nicht mehr so schnell geben wird. Gut zwei Sätze sah der Weltranglisten-Dritte kein Land gegen den so offensiv und sicher agierenden Deutschen - und nach dem Break im dritten Durchgang schon wie der sichere Verlierer aus. 

Es war wohl dieser Gedanke, dass die Situation nun bereits eine recht aussichtslose sei, der wie aus dem Nichts den Druck abfallen ließen vom Österreicher. Und selbigen seinem deutschen Kontrahenten zukommen ließ. Es war beileibe kein schönes Finale, es war auch kein hochklassiges Finale. Aber es war ein Finale, in dem man den Druck der Spieler nahezu anfassen konnte, in dem man in so vielen Situationen sah, mit welcher Belastung die beiden Helden des Endspiels in sich zu kämpfen hatten. 

Thiem: "Vielleicht nie davon erholt"

Da wäre etwa der zweite Aufschlag Zverevs im Tiebreak des fünften Satzes bei Matchball Thiem, der mit nur knapp über 100 Stundenkilometer über das Netz streift. Oder die Vorhand Thiems beim ersten Championsship Point, die dieser aus aussichtsreicher Position ins Netz hämmert. Wäre dieses Spiel in der Kurzentscheidung dann noch zu Gunsten des Deutschen ausgegangen, "vielleicht hätte ich mich nie mehr davon erholt", sollte Thiem nach seiner Rückkehr nach Österreich verraten. 

Und so knapp liegt es nun beisammen. Thiem hat den Grand-Slam-Titel, den hart erarbeiteten, den hart verdienten. Er hat dem Druck standgehalten, selbst, wenn es zwei Sätze lang nach dem krassen Gegenteil aussah. Er hat nicht nur Zverev besiegt, er hat auch sich selbst und die Erwartungshaltung besiegt, um sich gut 25 Jahre nach Thomas Muster zum Grand-Slam-Champion zu küren. Und mit dem Druck, der durch diesen Sieg von seinen Schultern abgefallen ist, darf er auch in Paris wieder als einer der ganz großen Titelaspiranten gesehen werde. 

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von Michael Rothschädl

Donnerstag
17.09.2020, 16:30 Uhr
zuletzt bearbeitet: 17.09.2020, 22:42 Uhr

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